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Öffentliche Diskussion

„Bauern, nutzt die neuen Medien“

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Sandra Kalb Portrait 2019
Sandra Kalb
am Donnerstag, 12.12.2019 - 09:07

Erdinger Landwirte diskutieren mit Bundestagsabgeordneten.

Eibach/Lks. Erding - Ein verregneter Dienstagabend im November war es, an dem die Facebookgruppe „Landwirtschaft im Landkreis Erding“ gemeinsam mit der Erdinger BDM-Kreisgruppe und der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft der CSU einen ganzen Saal von Landwirten füllte. „Wir sind überwältigt“, sagte Michael Hamburger bei der Begrüßung, denn die Einladung erfolgte zum größten Teil über Facebook und Whatsapp – die „neuen Medien“.

Gemeinsam mit Sabine Berger führte Hamburger durch den Abend. Auffällig war auch der vergleichsweise sehr geringe Altersdurchschnitt, so waren unter anderem große Teile der aktuellen Winterschüler des ersten und dritten Semesters dabei.

Sterben die Bauern aus?

„Sterben die Bauern aus“, mit dieser Frage lockten die Veranstalter den Berufsstand zur Diskussionsrunde mit Landrat Martin Bayerstorfer und dem Bundestagsabgeordneten Andreas Lenz (CSU) aus dem Kreis Ebersberg. Für letzteren sei die Landwirtschaft der Faktor, der den ländlichen Raum lebenswert macht – stammt er doch selbst aus einem bäuerlichen Haushalt im Kreis Ebersberg. Die Landwirtschaft müsse sich wieder mehr einmischen, etwa in Gemeinde- und Kreisräten: „Hier wird auch viel entschieden“, betonte Lenz. Doch es brauche neben politischen Vorgaben auch eine positive Grundstimmung. Die jungen Landwirtinnen und Landwirte machten ihm klar, dass sich derzeit alle landwirtschaftlichen Betriebszweige im Stich gelassen fühlten – Lenz bot ihnen an, gemeinsam Konzepte zu entwickeln, „die bei der Gesellschaft ankommen“, Konkreteres war nicht zu vernehmen.

Pragmatisch brach Carolin Brielmair eine Lanze für den Rapsanbau: „Eine super Frucht für den Boden“. Dafür brauche es passende Pflanzenschutzmittel. Sie machte dem Bundestagsabgeordneten klar, sie wolle keine Förderung, sondern nur heimische Eiweißpflanzen anbauen.

Verlogene Gesellschaft

Landrat Bayerstorfer bezeichnete die Gesellschaft als „verlogen“, man tue so als ob Nahrungsmittel nicht mehr wichtig seien. Er berichtete, dass im vergangenen Jahr 20 % mehr Kühe in Tierkörperbeseitigungsanlagen landeten. „Die Landwirte befürchten Strafverfahren“, folgerte er. Auch die Tierärzte werden im Erdinger Land rar, so der Wortbeitrag eines Austragsbauern. „Deutschland tendiert zur Übertreibung“, gab ihm Lenz recht. Bei der Düngeverordnung versuche man „den größten Schmarrn zu verhindern“.

Matthias Lohmeier vom BDM gab zu bedenken, dass zwar die Betriebszahlen im Landkreis konstant seien, doch die Zahl von Milchbauern rapide nach unten gehe. Weiter treibt die Landwirte das Handelsabkommen Mercosur um. „Das bringt Wettbewerbsnachteile ohne Ende“, sagte Josef Lohmaier von der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft. Lenz, der auch im Wirtschaftsausschuss des Deutschen Bundestages sitzt, betonte „ohne internationalen Handel würde es ganz anders aussehen“, profitiere man doch von Chinas Nachfrage nach Schweinefleisch.

Er riet den Landwirten, sich verbandsübergreifend zu organisieren und mit einer Stimme zu sprechen. Und: „Nutzt die neuen Medien“.