Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Bewirtschaftungskonzept

Bauern sind keine Kaputtmacher

zeller_Kühe
Monika Konnert
am Montag, 15.06.2020 - 11:29

Bergbauer Sepp Zeller aus Ruhpolding im Landkreis Traunstein setzt auf extensive Landwirtschaft und Bauernhofurlaub. Er hofft, dass ihm der Klimawandel keinen Strich durch die Rechnung macht.

Wiesen_Rauschberg-Heuzelt links

Vor einem guten Jahr ist das bayerische Volksbegehren zum Artenschutz ausgelaufen. Bei den Landwirten schlugen die Wogen teils hoch, sie sahen sich als die Buhmänner der Nation, die für den Rückgang der Artenvielfalt in Flora und Fauna allein verantwortlich gemacht werden.

Mit dem Versöhnungsgesetz versuchte die Politik, die Gräben zu schließen und Wege aufzuzeigen, um Ökologie und Ökonomie in der Landwirtschaft in Einklang zu bringen.

Mit Blick auf den Rauschberg in seiner vollen Größe, umgeben von saftigen, grünen Wiesen präsentiert sich der Großgstatterhof in Ruhpolding dem Besucher. Postkartenidylle, wie sie kein Heimatfilm besser auf die Leinwand hätte zaubern können.

Keine große Veränderung durch Volksbegehren

Für Betriebsinhaber Sepp Zeller, Bergbauer aus Ruhpolding, hat das Volksbegehren nach eigener Angabe nicht viel geändert. Schon seit seiner Hofübernahme 1984 sei ihm klar, dass der damals von der Landwirtschaft eingeschlagene und von der Politik propagierte Weg „Macht mehr, dann habt ihr mehr!“ nur falsch sein kann. Intensives bewirtschaften, auf immer höheren Ertrag, anstatt auf Qualität zu setzen, sei ein großer, politisch vorgegebener Fehler gewesen, ist Zeller überzeugt. „Jetzt den Bauern hinzustellen als den Kaputtmacher der schönen Erde ist schlichtweg falsch.“

Für ihn als Bergbauer mit Leib und Seele war von Beginn an klar, dass er durch seine landwirtschaftliche Arbeitsweise Mensch, Tier und Umwelt vereinen will. Daher sei er immer bedacht gewesen, möglichst viel Grund zu haben, sodass er diesen extensiv bewirtschaften kann, ohne finanzielle Einbußen verzeichnen zu müssen.

90 ha Wiesen und Almen

Inzwischen bewirtschaftet Sepp Zeller durch Ankauf und Pacht rund 90 ha Wiesen und Almen, davon rund 58 ha oder 64 % der Fläche in den Programmen Kulturlandschaft (Kulap) und Vertragsnaturschutz (VNP). Unter anderem kommen auf diesen Flächen weder Kunstdünger noch Spritzmittel zum Einsatz.

Für rund 22 ha hat Zeller sich für einen späten Schnittzeitpunkt, je nach Witterung der 1. oder 15. Juni und kompletten Düngerverzicht entschieden. Die Flächen werden maximal dreimal gemäht. Zeller hat diese Flächen kürzlich von einem Landwirt übernommen, der sie vorher intensiv bewirtschaftet hat und will sie jetzt abmagern lassen und so den Artenreichtum erhöhen.

Streuwiesen mäht Zeller grundsätzlich nur einmal jährlich, frühestens am 1. August. Und auch die in das VNP-Programm einbezogenen Almen werden nicht gedüngt, meist dreimal gemäht und zum Schluss noch einmal überweidet.

20 Milchkühe, 28 Ochsen und rund 30 Kalbinnen

Auf dem Hof stehen in einem Laufstall 20 Milchkühe. Die hat Zeller am Morgen mit frischem Gras versorgt, das er auf der Wiese, keine 200 Meter vom Stall entfernt, gemäht hat. Wird das frische Gras knapp, bekommen die Tiere Heu.

Die Kühe ziehen es dem frischen Gras vor, sagt Bauer Zeller. Ein kleiner Versuch gibt ihm recht. „Rinder sind vom Ursprung her Raufutterfresser“, erklärt Zeller. Deshalb setzt er beim Futter auf Heu statt Silo und hat eine eigene Heutrocknungsanlage installiert, wo die Ballen schonend getrocknet werden. Für den Winter werden sie auf dem Heuboden oder in einem großen, befahrbaren „Heuzelt“ gelagert, dass über einem früheren Silo errichtet wurde. Siloballen werden nur ausnahmsweise bei anhaltend schlechtem Wetter oder von nässeren Wiesen erzeugt.

Das Jungvieh, 28 Ochsen und rund 30 Kalbinnen sind zur Zeit auf einer der drei Almen, die zum Betrieb gehören. Zum Abweiden von unwegsamen, steinigen Geländeteilen und Waldrändern hält Zeller circa 30 Schafe, die dem Eigenverzehr dienen. Die Milch von seinem Hof verarbeitet und vermarktet die Molkerei Berchtesgadener Land. Für die Molkerei ist Zeller voll des Lobes, zufrieden ist er auch mit der Vermarktung der Ochsen über BayernOx, wo man auf qualitätsbewusstes Arbeiten großen Wert lege. Solche Strukturen seien für die Bauern wichtig, denn „durch die weltweite Vernetzung bist du als Einzelner verloren. Auch regional produzieren geht nur, wenn die Vermarktungsstrukturen stimmen“, betont Zeller.

Weiter betreibt er eine ganz jährig betriebene Erwachsenenpension zum Bauernhofurlaub. Diese war trotz Corona auch für diesen Sommer schon frühzeitig ausgebucht.

Klimawandel als Damoklesschwert für die weitere Entwicklung

Der Bergbauer ist überzeugt, dass „die Zukunft der Landwirtschaft nur extensiv gehen wird, für uns als Bauern, für die Landschaft, für den Gast“. Und dann kommt doch noch ein Funken Pessimismus auf bei dem sonst so positiv denkenden, aufgeschlossenen und zukunftsgewandten Landwirt. „Nur wenn der Klimawandel es zulässt“, schiebt er nach. Denn auf den Almen sei zu wenig Humus und die Trockenheit nehme zu. Alles Dinge, die der Betrachter der Postkartenidylle nur zu gerne weit von sich schiebt.