Information

Auch auf das Bauchgefühl hören

Tag-der-jungen-Landfrauen-Pfaffenhofen_sas
Helga Gebendorfer
am Montag, 15.02.2021 - 13:30

Am „Tag der jungen Landfrau“ des BBV Pfaffenhofen spricht ein Sonderpädagoge des Jugendamtes online über Entwicklungsstörungen bei Kindern.

„Dieses Mal ist alles anders. Statt einem tollen Frühstücksbuffet als Einstimmung in den Tag gibt es heute die Möglichkeit, die Veranstaltung entspannt auf der Couch zu genießen“, meinte Kreisbäuerin Erna Stanglmayr. Sie konnte bei der Online-Veranstaltung zum „Tag der jungen Landfrau“ gut 30 Teilnehmerinnen begrüßen. „Ich bin froh, dass wieder viele mit dabei sind – jung und junggeblieben“, meinte sie und freute sich auf einen interessanten und wichtigen Vortrag.

Vorab bedauerte Stanglmayr, dass wegen der Corona-Pandemie letztes Jahr eine Vielzahl von Terminen ausfallen musste. Nur zwei Stadtführungen und eine Sommerwanderung über die Freihausener Trockenrasenflächen konnten stattfinden. Die Kreisbäuerin hofft auf ein besseres heuriges Jahr. „Live ist eben live. Aber die Online-Veranstaltung ist besser als gar nichts“, stellte sie mit Nachdruck fest.

Reifeverzögerungen beginnen schön früh

Im Mittelpunkt stand hier der Vortrag „Entwicklungsstörungen in der frühen Kindheit“. Dominik Zerelles, Sonderpädagoge am Jugendamt Pfaffenhofen, gab einen Einblick über mögliche Entwicklungsstörungen, stellte diese dar und zeigte deren zugrunde liegende Ursachen auf.

„Wir wollen uns heute auf Reifeverzögerungen bei Kindern konzentrieren. Sie beginnen ausnahmslos im Kleinkindalter oder in der Kindheit, sind eng mit der biologischen Reifung des Zentralnervensystems verknüpft und zeigen einen stetigen Verlauf“, verdeutlichte er zu Beginn. Zudem sind in den meisten Fällen unter anderem die Sprache, die visuell räumlichen Fertigkeiten und die Bewegungskoordination betroffen. Mit dem Älterwerden der Kinder vermindern sich die Störungen zunehmend, wenn auch geringe Defizite oft im Erwachsenenalter zurück bleiben.

Das hat nicht immer mit Intelligenz zu tun

Entwicklungsstörungen bei der Sprache können sich beispielsweise durch Probleme bei der Aussprache, Reduzierung des Wortschatzes oder Beeinträchtigung des Sprachverständnisses zeigen. Bei den schulischen Fertigkeiten sind zum Beispiel eine Lese- und Rechtschreibschwäche oder Rechenstörung möglich. „Dabei ist eine Intelligenzeinschränkung nicht unbedingt gegeben“, fügte der Pädagoge hinzu.

Aufmerksamkeitsdefizit (ADS) und Hyperaktivität (ADHS) gehören nicht zu den Entwicklungsstörungen. Hier zeigten die Kinder oft Probleme hinsichtlich der Beliebtheit in der Gruppe, können daher oft isoliert sein. Verhaltens- und emotionale Störungen können damit einhergehen und die Störungen beziehen sich eher auf die Entwicklung der Wahrnehmung und Grundfähigkeiten.

Buben sind häufiger betroffen als Mädchen

„Studien belegen, dass Entwicklungsstörungen kontinuierlich steigen“, stellte Zerelles fest. Dabei sind grundsätzlich mehr Jungen als Mädchen betroffen. Mögliche Ursachen für den Anstieg: mehr Diagnose, organische Ursachen wie erbliche Faktoren.

Sein Kind gut beobachten und ernst nehmen

Zu den Anlaufstellen beim Verdacht auf Störungen zählte der Pädagoge Frühförderstellen, sozialpädriatische Zentren, Kinderärzte, Allgemeiner Sozialdienst/Jugendamt sowie Koordinierende Kinderschutzstellen. Selbst kann man seinem Kind helfen, indem man verständnisvoll ist, das Kind gut beobachtet und ernst nimmt. Und: Auf das Bauchgefühl hören.