Entscheidung

Bahnausbau - Bauern verlieren ihr Land

Trasse für Brenner-Nordzulauf
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Donnerstag, 15.04.2021 - 06:31

Der Trassenverlauf für den Brenner-Nordzulauf im Raum Rosenheim steht. Zahlreiche landwirtschaftliche Betriebe fürchten um ihre Existenz.

Die Deutsche Bahn hat sich festgelegt: Der Brenner-Nordzulauf führt östlich an Rosenheim vorbei bis Ostermünchen. Das gaben die Deutsche Bahn und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) in dieser Woche bekannt. Die 54 km lange Trasse verläuft nach Angaben der Bahn zu 60 % unterirdisch. Das führe dazu, dass weniger Fläche beansprucht werde. Die Bahn hat sich damit für die aufwendigste Variante des Gleisverlaufs entschieden. Bundesverkehrsminister Scheuer sprach von einem „europäischen Jahrhundertprojekt“ und betonte, dass die gewählte Trasse durch den hohen Tunnelanteil die Menschen und das Inntal bestmöglich schütze.

BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier

Verknüpfungsstellen bei Ostermünchen und nördlich von Niederaudorf, sollen Rosenheim an den Fernverkehr anschließen und die Neubauabschnitte mit der bestehenden Bahnstrecke verbinden. Bayerns Bahnchef Klaus-Dieter Josel bezeichnete die Auswahl der Trasse als einen „entscheidenden Meilenstein für das Projekt“. Er sei überzeugt, dass mit der nun gefundenen Streckenführung „eine große Akzeptanz vor Ort“ geschaffen werde.

Zurückhaltender ist hingegen der Rosenheimer BBV-Kreisobmann Josef Bodmaier. Er sehe das vorgestellte Ergebnis „mit gemischten Gefühlen“, sagte Bodmaier dem Wochenblatt. Für das Inntal und die Bevölkerung sei es sehr positiv, dass große Strecken nach der aktuellen Planung unterirdisch verlaufen sollen. Die Verknüpfungsstelle Ostermünchen sei jedoch „ein schwerer Schlag, da hiervon viele landwirtschaftliche Flächen tangiert sind“. Der BBV werde sich „wie bisher mit großem Engagement für Verbesserungen der Planungen einsetzen“, kündigte Bodmaier an. „Es sind noch Optionen vorhanden und wir wollen hier im Gespräch bleiben, um für unsere Landwirte das Beste herauszuholen.“

Hoffen auf eine unterirdische Anbindung

Bodmaier hofft außerdem, dass eine unterirdische Anbindung des Brenner-Nordzulaufs möglich ist. Wie bereits berichtet, hat Bundesverkehrsminister Scheuer eine Machbarkeitsstudie beauftragt, um herauszufinden, ob und gegebenenfalls wie eine Verknüpfungsstelle zwischen den neuen Gleisen und der Bestandsstrecke in der Nähe von Niederaudorf unterirdisch realisiert werden kann. Das Ergebnis werde erst im kommenden Jahr erwartet, sagte Bodmaier. „Unserer Meinung nach ist eine unterirdische Anbindung durchaus möglich. Das wäre eine große Erleichterung für die Landwirtschaft.“

Die Deutsch Bahn hat die Auswahltrasse für den Brenner-Nordzulauf gefunden. Eine Animation zeigt, wie die Trasse verlaufen könnte. Die Bahn betont allerdings, dass sich der Endzustand der Trasse im Rahmen der künftigen Planungsphasen noch ändern könne. Hier sehen Sie das Video:

Der Brenner-Nordzulauf bleibt weiter umstritten. Bürgerinitiativen kritisierten, dass kein Bedarf für die Trasse bestehe. Ähnlich äußerte sich die Rosenheimer SPD-Europaabgeordnete Maria Noichl. Sie sprach von einem „sinnlosen Raubbau an der ohnehin begrenzten Fläche in unserer Region“, der nicht weitsichtig sei. Eike Hallitzky, Parteivorsitzender der Grünen in Bayern, bemängelte, dass weiterhin viele Detailfragen offen seien. Es brauche größtmöglichen Anwohner- und Landschaftsschutz.