Die Bäuerin und ihre Bienen

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Rosi Bauer
am Montag, 20.08.2018 - 15:24

Uschi Probst vom Wiesbauer-Hof in Arzbach im Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen hat die Imkerei von ihrer Schwiegermutter übernommen.

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Es summt und brummt an den Einfluglöchern der Bienenstöcke. Die Sonne lacht vom Himmel und die Bienen sind fleißig beim „Eintragen“, wie Uschi Probst bei ihrem Kontrollgang zufrieden feststellt. Der bisherige Ertrag aus dieser Saison ist erfreulich. Als besonders gutes Jahr ist der Imkerin 2013 in Erinnerung geblieben: Da kamen acht Zentner Waldhonig zusammen. Auch 2017 war die Ausbeute ergiebig. Die Bienen sind mittlerweile Teil des Arbeitsalltags, aber auch ein gewisses Herzensanliegen der Bäuerin geworden: „Denn sie sind ein wichtiger Teil der Natur“, sagt sie. Dabei hatte Uschi Probst während ihrer Kindheit und danach in ihrem Beruf als Bürokauffrau mit diesen Insekten der Gattung Hautflügler rein gar nichts zu tun. 1982 hat sie dann in den Wiesbauer-Hof, einen klassischen Isarwinkler Milchviehbetrieb direkt am Fuß der Isarwinkler Berge, eingeheiratet. Und da gab es Honigbienen, die von der Schwiegermutter leidenschaftlich gehegt und gepflegt wurden. Als der Austraglerin diese Arbeit schließlich zu schwer wurde, übertrug sie die Imkerei auf die Schwiegertochter. Vierzehn Jahre ist das jetzt her. Zählten damals so um die 20 Völker zum Bestand, sind es heute zehn. „Das reicht mir, und so ist es im Bienenhaus auch etwas geräumiger zu hantieren“, meint Uschi, die nebenbei auch noch im Kirchenchor singt. Rund um das Anwesen gibt es Gewächse, die für die nützlichen Insekten Nahrung bereithalten, so etwa Brombeeren, wilden Wein, verschiedene Blumenarten wie Malven und Rosen mit einfachen Blüten – damit die Bienen leichter an die Pollen herankommen. Dass die landwirtschaftlich genutzten Flächen heutzutage den Bienen nicht mehr den reich gedeckten Tisch bieten wie ehedem, sei generell eine Folge der großen Veränderungen im Agrarbereich, stellt Probst fest. „Die notwendige Wirtschaftlichkeit verlangt den Milchkühen heute mehr Leistung ab als früher. Dazu müssen aber halt auch Qualität und Menge des Futters passen.“ Es werde meist mehr gedüngt als einst und im Jahreslauf früher und öfters gemäht, Wiesenblumen kämen da nicht mehr zum Blühen. Trotzdem gäbe es Möglichkeiten, Teilflächen weniger intensiv und damit bienenfreundlich zu bearbeiten. Beim „Wiesbauern“ sind es einige Hang- und Streuwiesen, die einen längeren Wachstums-zyklus haben. Lasse sich die Mäharbeit morgens oder abends erledigen, schütze dies die Insekten vor tödlichen Kollisionen mit den Maschinen.

Dass das Thema Bienen inzwischen auch in den Lehrplan der Landwirtschaftsschulen aufgenommen worden ist, um die junge Generation dafür zu sensibilisieren, sei eine gute Sache, findet die Bäuerin. Allerdings hält sie es nicht für gerecht, allgemein das Insektensterben der Landwirtschaft in die Schuhe zu schieben. „Dafür gibt es wohl vielfältige Ursachen. Da ist beispielsweise auch jeder Gartenbesitzer mit kurzgeschorenem Rasen und der Verwendung von Unkrautvernichtungsmitteln mit in der Verantwortung.“ Außerdem würden zu viele Flächen versiegelt und zugebaut. Der Einsatz von Pestiziden sei im Grünlandgürtel ohnehin gering, und als Lieferanten der Berchtesgadener Milchwerke „ist für die Isarwinkler Bauern Glyphosat mittlerweile generell tabu.“

Die Bienen sind heute zwar ruhiger, aber auch empfindlicher als früher und müssten die ganze Saison über bezüglich Krankheiten und Schädlingsbefall beobachtet und – wenn nötig – behandelt werden, so die Erfahrung von Uschi Probst. Ein gefürchteter Feind ist die inzwischen weit verbreitete Varroa-Milbe. Alles in allem sei die Imkerei ein faszinierendes Hobby: „Es ist immer wieder eine neue Herausforderung. Jedes Jahr verläuft anders und auch jedes Volk ist anders.“ Probst ist deshalb froh, dass sie in ihrem Bekanntenkreis einen Fachmann hat, den sie im Zweifelsfall um Rat fragen kann. Ihren Honig und die aus Waben gedrehten Kerzen schätzen nicht zuletzt auch die Urlaubsgäste, die sie in ihren beiden Ferienwohnungen beherbergt.