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Sichtung

Bär und Wolf: Die Anspannung im Alpenraum steigt

Braunbaer
Philipp Seitz
Philipp Seitz
am Donnerstag, 12.05.2022 - 07:28

Ein Bär ist in Oberbayern in eine Fotofalle getappt. Bislang ist das Tier unauffällig. Doch die Aufnahmen wecken Erinnerungen.

Mittenwald/Obb. In den bayerischen Alpen ist wieder ein Braunbär unterwegs. Das zeigen die Aufnahmen von zwei Wildtierkameras im Landkreis Garmisch-Partenkirchen. Geht von dem Bären eine Gefahr aus? Vor 16 Jahren löste die Abschussfreigabe von Braunbär „Bruno“ im Freistaat heftige Diskussionen aus. Zuvor hatte Bär „Bruno“ mehrere Schafen und Ziegen gerissen. Der nun im Landkreis Garmisch-Partenkirchen gesichtete Braunbär ist bislang unauffällig. Dennoch bringt sich der Bund Naturschutz (BN) für mögliche Diskussionen in Stellung. BN-Vorsitzender Richard Mergner forderte, dass der Bär „dieses Mal wirklich willkommen geheißen wird und nicht wie bei Bruno 2006 schnell zum Politikum und abgeschossen wird“.

Aus Sicht der Umweltstiftung WWF wäre es ein Gewinn, wenn sich der Braunbär in Deutschland niederlässt – „aber auch eine Herausforderung“, wie es in einer Pressemitteilung heißt. Gerade für die Landwirte im Alpenraum könnte so tatsächlich eine zusätzliche Sorge entstehen: Ihre Nutztiere müssten sie dann nicht nur vor Wölfen, sondern auch vor dem Bären schützen.

Noch sieht der Bayerische Bauernverband aber keinen Grund für Panik. BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler sagte, dass der Bauernverband die Situation genau beobachte. Doch Köhler spricht vor dem kommenden Almsommer von einer „gewissen Anspannung“, die in Kombination mit dem immer häufigeren Auftreten des Wolfes entstehe. Er hoffe, sagte Köhler, dass der Bär weiterhin unauffällig bleibt. Vor Ort sei schon länger bekannt, dass einzelne Jungtiere im Bereich Plansee, dem Murnauer Moss und Griesen unterwegs seien. „Auffälligkeiten gab es bis dato nicht.“

BBV

Sollte es zu einer möglichen Bedrohungslage durch einen Bären kommen, erwarte der BBV ein entschlossenes Vorgehen anhand des Managementplans. „Der Schutz der Weidetiere muss gegeben sein.“ Ähnlich wie beim Wolf müsste Herdenschutz für die Betriebe leistbar und voll finanziert werden, auch bei Pflege- und Instandsetzungsarbeiten.

Ähnlich sieht es Josef Glatz, der Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern. Die Situation müsse beobachtet werden, sagt auch er. Es könne sein, dass der Bär nur „durchzieht“. Vieles hänge jetzt davon ab, wie sich das Tier verhalte. Für Glatz ist aber auch klar: „Wenn der Bär Tiere hier reißt, dann wird er ein Problembär.“

Bären können weite Strecken zurücklegen. Wie beim Wolf wandern vor allem die jungen, männlichen Tiere aus der kleinen Bärenpopulation im italienischen Trentino auf der Suche nach einem eigenen Revier oft große Strecken, heißt es von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. So können Bären auch bis nach Bayern gelangen. Das Schadenspotenzial der Braunbären sei laut LfL „grundsätzlich als erheblich geringer als beim Wolf einzustufen“. Im Freistaat nehmen die Wolfsrisse zu, gleichzeitig wachsen die Sorgen der Viehhalter.