Landverbrauch

Ausgezeichnet im Flächensparen

Barbara Höfler
am Dienstag, 14.12.2021 - 10:38

Umweltminister Glauber verleiht Gütesiegel „Flächenbewusste Kommune“ an Wolnzach und Kirchanschöring und lobte den Umgang mit Grund und Boden.

Umweltminister Thorsten Glauber

München Immer mehr Menschen zieht es in die Ballungsräume, immer mehr Wohnbau wird ausgewiesen, immer mehr Verkehrsinfrastruktur gebraucht. Im Jahr 2020 wurden laut Statistischem Landesamt in Bayern jeden Tag 11,6 ha Freiland in Siedlungs- und Verkehrsflächen umgewandelt. An vier Gemeinden, die mit ihren Freiflächen besonders verantwortungsbewusst umgehen, hat Umweltminister Thorsten Glauber nun das Gütesiegel „Flächenbewusste Kommune“ verliehen. Zwei der Preisträger stammen aus Oberbayern: der Markt Wolnzach (Lks. Pfaffenhofen an der Ilm) und die Gemeinde Kirchanschöring (Lks. Traunstein).

Der Markt Wolnzach, so lobte das Umweltministerium, habe mit einem Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK) 2017 einen Prozess angestoßen, der „zu einem ganzheitlichen Umdenken im Umgang mit Grund und Boden geführt“ habe. Bei der Frage, wie die eigenen Flächenressourcen optimal genutzt werden können, waren unter anderem Leerstandsnutzung und Verdichtungsmöglichkeiten Faktoren.

Gewerbegebiet wird Wohngebiet in Wolnzach

Auch die Bürger werden eingebunden. Das Ergebnis eines städtebaulichen Realisierungswettbewerbs war die Umplanung eines innerörtliches Gewerbegebietes zu einem höherrangigen Wohnquartier. Aus einem ursprünglich reinen Einfamilienhausgebiet am Ortsrand wurde ein Quartier aus „unterschiedlichen Gebäudetypen mit einem Wohnungsangebot für alle Lebenslagen“, das jetzt umgesetzt wird.
Die Gemeinde Kirchanschöring lobte das Umweltministerium dagegen für die Anwendung moderner Flächenmanagement-Technologie. So baute man in der Gemeinde eine Datenbank auf, die Überblick über Baulücken, untergenutzte Flächen und vormals bewirtschaftete, jetzt leere Althofstellen gibt. Darüber hinaus nutzt Kirchanschöring digitale Lösungen zur „Information und Bewusstseinsbildung der Bevölkerung“, wie das Umweltministerium schreibt, etwa die Internetplattform „Suchst du noch oder wohnst du schon?“, die Interessenten für Baugemeinschaften vernetzt.

Leerstand wird Arztpraxis in Kirchanschöring

Auch in Kirchanschöring wird die Bevölkerung miteingebunden. Über das „Haus der Begegnung“ wurden zwei Leerstände in der Ortsmitte durch die gemeindeeigene Wohnbaugesellschaft neu belebt. Dadurch konnten barrierefreie Wohnungen für Senioren, eine ambulant betreute Wohngemeinschaft inklusive eines Gemeinschaftsraums und eine Praxis für einen Allgemeinarzt eingerichtet werden.
„Boden ist nicht vermehrbar, daher ist der Schutz von Böden und Flächen wichtiger denn je“, sagte Thorsten Glauber anlässlich der Verleihung der Gütesiegel. Gleichzeitig müssten die Kommunen weiterhin Entwicklungschancen nutzen. „Wir brauchen intelligente Lösungen zur besseren Flächennutzung, etwa durch Entsiegelung, Flächenrecycling und die Belebung von Ortskernen“, sagte der Umweltminister und bedankte sich bei den Kommunen: Sie „zeigen mit ihren Ideen, wie es geht“.
Bauministerin Kerstin Schreyer erklärte: „Wohnraum für alle zu schaffen ist die soziale Frage der Zukunft.“ Flächenverbrauch zu reduzieren und neuen Wohnraum zu schaffen, müsse sich nicht ausschließen. Ihr Ministerium helfe den Kommunen bei der Suche nach Lösungen, insbesondere im Rahmen der Städtebauförderung.
Die Bayerische Staatsregierung will den Flächenverbrauch auf 5 ha pro Tag senken und diese Richtgröße auch im Landesplanungsgesetz verankern. Bisher ist dieser Schritt nicht erfolgt.

Barbara Höfler