Kontroverse

Aufforstungsplan sorgt für Kritik

feldlerche
Martina Fischer
am Dienstag, 10.08.2021 - 12:00

Die Stadt München will in Sachsenkam aufforsten und stößt damit auf wenig Gegenliebe. Es gibt einige Gegenargumente.

Sachsenkam / Lks. Bad Tölz-Wolfratshausen Die Landeshauptstadt will aus Klimaschutzgründen bis 2025 eine halbe Million Bäume pflanzen – jedes Jahr 100 000 Stück, so will es ein Stadtratsbeschluss. Doch Areale sind in München knapp. Deshalb denkt man daran, städtische Flächen in Umlandgemeinden zu nutzen, etwa in Sachsenkam.

Dort sollen zwei Wiesen mit Mischwald aufgeforstet werden. Für die beiden bisher landwirtschaftlich genutzten Flächen von 2,7 ha und 1,9 ha hat München vor Kurzem beim zuständigen AELF Holzkirchen Antrag auf Erstaufforstung gestellt. „Der Grundstückseigentümer hat grundsätzlich Anspruch darauf“, erklärt Forstbereichsleiter Christian Webert. Das AELF prüft dann im nächsten Schritt, „ob es Umstände gibt, die dagegen sprechen“. Dazu werden Betroffene gehört, unter anderem Grundstücksnachbarn, die Gemeinde und die Untere Naturschutzbehörde.

AELF prüft Anträge

Gründe die gegen eine Aufforstung sprechen, wären zum Beispiel das Vorkommen seltener Tier- und Pflanzenarten, die offene Flächen für ihre Existenz benötigen. Auch eine Beeinträchtigung von Nachbargrundstücken wird in die Erwägungen miteinbezogen. „Eine gewisse Duldung seitens der Nachbarn ist gesetzlich vorgesehen. Eine erhebliche Beeinträchtigung darf nicht sein“, teilt Webert mit.

Der Gemeinderat Sachsenkam hat dem Vorhaben bereits einstimmig eine Ablehnung erteilt. Auch Landwirte sind von den Plänen der Stadt nicht begeistert. Nachbar und BBV-Ortsobmann Martin März monieren die Verschattung, das Laubaufkommen durch die angedachte Mischwaldpflanzung und herabgefallene Äste in den Wiesen.

Dem schließt sich Leonhard Bacher, Nachbar und zudem Pächter des größeren Grünlandgrundstückes an: „Die Flächen wären ohne Bezug zu anderen Waldgrundstücken, einfach nur Bäume irgendwo mittendrin im Grünland.“ Neben „viel Dreck“ würde durch die Pflanzung auch ein wahres „Mäuseparadies“ geschaffen. Der Wegfall der Pachtfläche sei für ihn zwar „Gott sei Dank kein Weltuntergang“, aber ärgerlich, etwa in Hinsicht auf die Düngeverordnung.

Stadt baut, Land pflanzt

März und Bacher betonen, dass sie keine Waldgegner sind. Das erklärt auch ein weiterer Grundstücksnachbar, der Gemeinderat und Waldbeauftragte Franz Lettner. „Ich finde, dass man das hinterfragen darf“, sagt er. „Die Parteien versuchen sich beim Thema Umwelt zu überbieten und 500 000 Bäume hören sich gut an.“ Lettner verweist darauf, dass München aber zugleich Rodungen im Forst Kasten zum Kiesabbau zulassen will und Flächen im Norden und Nordosten der Stadt zur Bebauung ausweist. Für Baumpflanzungen würde stattdessen ins Umland ausgewichen. Dadurch werde in Sachsenkam extensiv genutztes Grünland vernichtet, das für die Biodiversität wichtig sei, so Lettner.

Hindernis Feldlerche?

Genau hier setzt die Prüfung seitens der Unteren Naturschutzbehörde an. Sie lehnt die Erstaufforstungsanträge in ihrer Stellungnahme ab. Der Lebensraum der streng geschützten Feldlerche würde stark eingeschränkt, die als Wiesenbrüter weiträumige, offene Flächen braucht. Die Population des Vogels, die im Tölzer Landkreis ohnehin gering sei, würde durch eine Aufforstung zusätzlich gefährdet. Diesen gewichtigen Umstand wird man seitens des AELF Holzkirchen in die Abwägung mit einbeziehen. Mit einem Ergebnis ist laut Amt Mitte August zu rechnen.