Projekt

Artenreiches Grünland: Flächen auf Projekteignung prüfen

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Ludwig Holly
am Freitag, 26.06.2020 - 09:54

Ebersberger Institutionen arbeiten zusammen für mehr Artenvielfalt im Grünland

Um sehr eiweißhaltiges, zartes Gras als Futter für Milchkühe zu erzeugen, werden Wiesen immer früher und häufiger gemäht. Dadurch können Wiesenpflanzen nicht blühen und Bienen und andere Insekten finden weniger Nahrung. Deshalb regte der Leiter des AELF Ebersberg Dr. Georg Kasberger schon vor dem Volksbegehren Artenvielfalt die Initiative „Artenvielfalt im Grünland“ an.
Engagierte Unterstützer für das Projekt fand er in der unteren Naturschutzbehörde im Landkreis Ebersberg, beim Maschinen- und Betriebshilfsring Ebersberg/München-Ost e.V. und dem Landschaftspflegeverband Ebersberg e.V.

Blühmischung mit hohem Kräuteranteil

Wie das Projekt funktioniert, erklärt Kasberger wie folgt: „Das Grünland wird in seiner Gesamtheit wirtschaftlich genutzt. Auf einer Teilfläche von rund 10 % wird eine Blühmischung mit hohem Kräuteranteil eingesät. Dieser Wiesenanteil wird nur zwei- bis dreimal, frühestens zum zweiten Schnitt des intensiv bewirtschafteten Grünlandes, gemäht.“ Die Düngung auf dieser Teilfläche werde deutlich verringert oder ganz eingestellt, sodass Wiesenpflanzen blühen und absamen können.

„Geeignete Flächen für Blühwiesen gibt es viele, wie zum Beispiel Gewässerrandstreifen, Teilflächen mit ungünstiger Ausformung, ertragsärmere Bereiche wie staunasse oder trockene Standorte, Waldränder oder steile Hänge“, sagt Kasbergers Stellvertreterin Katharina Binsteiner. Die Menge des Aufwuchses auf den Blühstreifen sei zwar geringer, kann aber als Futter für trockenstehende Kühe oder für Jungvieh sinnvoll verwertet werden.
In Zusammenarbeit mit einem Landwirt wurde im Herbst 2018 eine kleine Demonstrationsfläche direkt am AELF angelegt, für die der Landschaftspflegeverband Ebersberg e.V. das geeignete Saatgut zur Verfügung stellte. Besucher erfahren dort, wie man eine Wiese aufwerten und einen wertvollen Beitrag für Artenvielfalt und Insektenschutz leisten kann. Es werden dort Führungen und Schulungen durchgeführt.
Eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Projekts hat der Maschinen- und Betriebshilfsring Ebersberg/München-Ost e.V. übernommen. Er erfasst die Flächen der interessierten Landwirte und organisiert die Aussaat der Blühmischung.

Intensive (Wieder-)bewirtschaftung möglich

Das Projekt zeigt auch, dass Landwirtschaft und Naturschutz kein Gegensatz sein müssen. „Die untere Naturschutzbehörde ist sehr kooperativ, sie haben auch einer Rückholklausel zugestimmt, wenn die Flächen wieder einmal intensiviert werden sollen“, betonte Dr. Kasberger und er bittet alle Landwirte im Landkreis zu prüfen, ob sie sich mit geeigneten Grünlandflächen an dem Projekt beteiligen können. Einige Landwirte in der Region haben das Angebot bereits angenommen und ihre Wiesen durch Blühflächen aufgewertet.

Saatgutkosten übernimmt der Landkreis

Der teuerste Anteil beim Anlegen einer Blühfläche ist das hochwertige Saatgut. Diese Kosten werden vom Landkreis Ebersberg übernommen. „Wir unterstützen das Projekt sehr gerne, weil es ein sinnvoller Beitrag für einen insektenfreundlichen Landkreis ist und insbesondere auch die gute Kooperation mit der Landwirtschaft untermauert“, erklärte Landrat Robert Niedergesäß.
Falls es die Landwirte wünscht, überprüft das AELF für sie auch, ob die Fläche ins Vertragsnaturschutzprogramm oder ins Kultur- und Landschaftspflege-Programm übernommen werden kann.
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