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Apfelsorten - Steckenpferd des Vaters ausgebaut

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Helga Gebendorfer
am Montag, 08.10.2018 - 09:43

Obstanbauer und Direktvermarkter Anton Bauer aus Jarzt kultiviert über 50 alte Apfelsorten.

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Mit über 50 alten Apfelsorten bedient Anton Bauer aus Jarzt, Landkreis Freising, die Wünsche vieler Liebhaber, die deren Geschmack schätzen und damit oft auch in Erinnerungen an die Kindheit schwelgen. „Mein Großvater legte 1935 den Grundstein dazu mit der Pflanzung von überwiegend Apfelhochstämmen in einem einen Hektar großen Obstgarten“, erzählt der 54-Jährige. Seine Eltern legten den Betriebsschwerpunkt noch auf die Milchvieh- und Legehennenhaltung. Anton Bauer lernte den Gärtnerberuf mit Fokus Baumschule und 1987 wurden dann schon auf einem halben Hektar neue Obstbäume gepflanzt, weil sich dafür ein Markt entwickelte.
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Fünf Jahre später erfolgte die Anlage der ersten Plantage, die dann im Laufe der Zeit auf aktuell 7 ha vergrößert wurde. Anton Bauer übernahm 2005 den Betrieb der Eltern und besitzt heute 14 ha LN, davon insgesamt 9 ha Plantagenobst mit 7 ha Äpfel und Birnen, 1 ha Erdbeeren und 1 ha Kirschen sowie 0,5 ha Zwetschgen. Der Rest ist verpachtet.
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In der Region herrscht ein ideales Obstklima mit milder Witterung und wenig bzw. nur leichten Spätfrösten. Die knapp 2 km vom Hof entfernte Plantage ist nach Süden ausgerichtet, vom Westen her durch einen Wald geschützt und profitiert durch ein gutes Kleinklima. Der schwere Lehmboden ist zwar relativ schwierig zu bearbeiten, doch er hält bei Trockenheit das Wasser recht gut.
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Der Apfelverkauf stellte bis Mitte der 50er Jahre eine willkommene Zusatzeinnahme dar, bis das Plantagenobst aus Südtirol die Gunst der Verbraucher eroberte. „Das Bauernobst war nicht mehr gefragt“, erinnert sich Bauer. So wurde der Obstgarten als Hühnerauslauf und zur Gänsehaltung genutzt und es fand nur noch ein kleiner Obstverkauf im Herbst statt – bis in den 80-er-Jahren die Nachfrage wieder stieg.
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Mittlerweile sind übers Jahr verteilt über 60 Apfelsorten im Hofladen im Angebot, wobei die zehn Hauptsorten einen Anteil von 70 % einnehmen. Dazu zählen unter anderem Elstar, Topaz, Boskop, Melrose, Pinova und Pilot. Hinzu kommen über 50 alte Sorten, die oft nur in kleinen Stückzahlen für spezielle Liebhaber zu haben sind. Hier sind zu nennen Glockenapfel, Brettacher Ontario-Apfel, Landsberger Renette und verschiedene Exoten. Meist sind dies Hochstämme, die Vater Anton überwiegend am Rand der Plantage anlegte. „Das war sein Steckenpferd. Ich habe diese Schiene weitergeführt und noch ein wenig ausgebaut“, erklärt der jetzige Betriebsinhaber.

Probieren vor dem Kauf ist kein Problem

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Die alten Apfelsorten zeichnen sich durch eine enorme Geschmacksvielfalt aus. „Sie werden von Kunden – egal ob jung oder alt – geschätzt, die das Besondere wollen. Der Geschmack ist entscheidend“, stellt er fest. Gerne können die Leute im Hofladen probieren, um das Passende für sich auszuwählen, und selbstverständlich ist auch eine Beratung inklusive (www.obsthof-jarzt.de).
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Die Hochstämme der alten Apfelsorten stehen 60 bis 70 Jahre, während die Plantagenbäume Standzeiten von rund 25 Jahren haben. Bauer pflanzt in der Anlage in regelmäßigen Abständen nach, um diese nicht geschlossen altern zu lassen. Auf 1 ha stehen etwa 2000 Bäume mit Abständen in der Reihe von 1,25 m und zwischen den Reihen von 4 m. Die Planzungen erfolgen im zeitigen Frühjahr, nach dem Obstbaumschnitt am Winterende. Damit soll Licht und Luft in die Krone gebracht werden, um die Qualität der Früchte zu fördern. Während der Vegetationszeit fallen mehrere Arbeitsschritte an: Düngung nach Bodenuntersuchung, Pflanzenschutz gegen Pilzkrankheiten, tierische Schädlinge und Unkraut in den Baumreihen sowie mehrmaliges Mulchen in den Fahrgassen.
Ab Mitte August startet die Ernte der Sommersorten, z. B. Summer Red und Delbard, die nur kurz haltbar sind. „Von jeder Sorte gibt es nur wenige Bäume, oft nur fünf bis sechs Stück“, erzählt der Direktvermarkter. Anfang September folgen dann die ersten Herbstsorten, wie Alkmene oder Santana, zum baldigen Verzehr. Die Lagerobsternte mit Boskop und Co. ist dann Ende September/Anfang Oktober soweit. Die Äpfel lagern bei 2,5°C in Kisten im ca. 70 t fassenden Kühllager, das 2011 für 100 000 € errichtet wurde. Sie werden nach und nach weit bis Ende Mai im Hofladen verkauft.
20 % der Äpfel gehen an Direktvermarkter-Kollegen im Umkreis von 20 km und 80 % vermarktet Anton Bauer ab Hof im 2012 neu eröffneten, 80 m2 großen Hofladen. Dieser hat ganzjährig montags von 8 bis 12 Uhr, mittwochs und freitags von 8 bis 18 Uhr und samstags von 8 bis 15 Uhr geöffnet. Neben Äpfeln von August bis Mai gehören unter anderem Gemüse, Kartoffeln, Eier, Nudeln, Käse und Liköre aus der Region zum Sortiment. In der Saison kommen Kirschen und Erdbeeren aus eigenem Anbau hinzu.
Egal welche Sorte, das Kilogramm Äpfel kostet durchgehend 1,70 €. So ist es jederzeit möglich, in Selbstbedienung eine bunte Sortenmischung zusammenzustellen, was die Kundschaft gerne annimmt. Neben frischen Äpfeln können die Einkäufer auch auf Apfelsaft zurückgreifen, der vor allem aus Fallobst, aussortierten Früchten, die zu klein oder beschädigt sind, sowie aus alten Sorten, die sich aufgrund ihres Säurereichtums besonders gut eigen, gepresst wird.
80 bis 90 % der Kundschaft sind Stammkunden, die schwerpunktmäßig aus den Landkreisen Freising, Dachau sowie dem Großraum München aus 30 km Entfernung anfahren. Dabei profitiert der Direktvermarkter von der Lage direkt an der Kreisstraße und in der Nähe der Stuttgarter, Deggendorfer und Nürnberger Autobahn.

Letztes Jahr Einbußen, heuer Überfluss

„Der Apfelertrag kann äußerst unterschiedlich ausfallen“, stellt Anton Bauer fest. So mussten letztes Jahr wegen der strengen Spätfröste erhebliche Einbußen hingenommen werden, sodass die Wiederverkäufer nicht bedient werden konnten und der Verkauf im Hofladen frühzeitig endete.
Dieses Jahr ist das Gegenteil der Fall. Aufgrund der großen Fülle wird die diesjährige Ware voraussichtlich bis Juni 2019 reichen. „Mit leichten Umsatzschwierigkeiten bei den Herbstsorten wegen der reichen Ernte in den Hausgärten. Ich gehe allerdings davon aus, dass das Geschäft spätestens Anfang Dezember wieder anzieht“, meint der Obstanbauer.
Anton Bauer stemmt die anfallende Arbeit zusammen mit zwei Festangestellten und drei Mitarbeiterinnen auf 450-€-Basis sowie bis zu fünf Saisonarbeitskräften. „Im Obstanbau fallen weniger Kosten für Maschinen an, dafür müssen eher mehr Kosten für Löhne ausgegeben werden, da überwiegend Handarbeit nötig ist“, verrät er.

„Das anfängliche Risiko, das ich einging, war von Erfolg gekrönt, so dass ich heute sagen kann, dass der Obstanbau der richtige Weg für meinen Betrieb war“, blickt der Direktvermarkter zurück. Er schätzt es, sein eigener Herr zu sein, und der Umgang mit den Kunden macht ihm großen Spaß. „Die Fläche passt, es ist gut, wie es momentan läuft und ich hoffe, dass es so weitergeht“, lautet seine Bilanz.