Vor Ort

Apfelsaft als Leidenschaft

Rosi Bernecker beim Apfelbaum
Helga Gebendorfer
am Freitag, 01.10.2021 - 05:13

In Eberswang/Lks. Eichstätt betreibt Rosi Bernecker das Saftpressen als Passion – und mittlerweile als zweites Standbein ihres Biomilchbetriebs.

Als Rosi Bernecker zum ersten Mal einen selbstgepressten Apfelsaft probierte, war es um sie geschehen. „Der Geschmack war einfach köstlich und einmalig“, erzählt sie. Das war vor über 30 Jahren im Rahmen ihrer Tätigkeit als Dorfhelferin. 1995 heiratete sie dann „Beim Matt“ in Eberswang/Lks. Eichstätt ein. Leider gab es in dieser Umgebung keine Möglichkeit, eigenen Saft zu pressen. „Ich war aber süchtig nach dem einzigartigen Geschmack und so kaufte ich mir vor 25 Jahren einfach eine Obstpresse, obwohl ich selbst gar keine Äpfel hatte. Das war es mir wert.“

Presse musste her, auch ohne eigene Äpfel

Rosi im Verkaufsraum

Am Anfang sammelte die junge Bäuerin Obst von der Verwandtschaft. Doch es dauerte nicht lange, bis sich Rosis Presse herumgesprochen hatte und die ersten Anfragen eintrafen. Es macht ihr bis heute unheimlich Spaß, für andere Leute Saft zu machen. Damals mussten diese den Saft allerdings zum Konservieren noch mit nach Hause nehmen. Kurzerhand entschied sich die Bäuerin, zusätzlich in eine Pasteurisierungsanlage zu investieren. Inzwischen besitzt die 54-Jährige schon die zweite Pasteurisierungsanlage und die dritte Presse. Die Packpresse tauschte sie gegen eine Bandpresse, mit der sie in der Stunde 400 Liter pressen und abfüllen kann.

Vor 20 Jahren pflanzten Rosi Bernecker und ihr Mann Josef dann auch die ersten siebzig eigenen Obstbäume auf 1 ha. Eine bunte Mischung aus Äpfel, Birnen, Kirschen, Mirabellen und Zwetschgen. Dabei legten sie das Augenmerk auf alte Sorten wie den Roten Eiserapfel, Gravensteiner oder Rheinischer Bohnapfel. „Sie sind vielseitiger, voller im Geschmack und zeichnen sich durch einen hohen Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen aus“, begründet sie die Wahl. Außerdem sind die alten Sorten für Allergiker besser verträglich. Das jedenfalls ist die Rückmeldung, die Rosi Bernecker immer wieder von Kunden bekommt.

Vor zehn Jahren wurden außerdem noch 15 Quittenbäume nachgepflanzt, weil die Nachfrage so groß war. So stehen jetzt auf der Streuobstwiese am Süd-Osthang 100 verschiedene Obstbäume. Die Weiterverarbeitung und Direktvermarktung der Obstprodukte bildet mittlerweile ein zusätzliches Standbein des 42 ha großen Bio-Heumilchbetriebs – wenn auch eines, das mit einigen Unsicherheitsfaktoren einhergeht.

Jedes Jahr hofft die Bäuerin bereits im Frühjahr auf warmes und trockenes Wetter zur Obstbaumblüte. „Damit die Bienen fleißig fliegen und viele Blüten bestäuben“ – der Grundstein für eine reichliche Ernte im Herbst. Spätfröste und Alternierung sind weitere Größen, auf die Bernecker keinen Einfluss hat. 2018 und 2020 fiel die Apfelernte riesig aus. Da gab es auch bei der Saftpresse sehr großen Ansturm. In den Jahren dazwischen machten manche Sorten Pause. Und auch dieses Jahr tragen „durchaus einige Bäume, aber nicht besonders viel“, sagt Bernecker. Die Früh-Äpfel hat es mit der kalten und nassen Witterung besonders erwischt. Die Saftmengen variieren also von Jahr zu Jahr und damit auch die Arbeitsbelastung und das Geschäft.

Vierzig verschiedene Marmeladensorten

Im Frühsommer beginnt für Bernecker die Ernte der ersten Früchte aus dem Hausgarten, Erdbeeren und Johannisbeeren und auch Gemüse. Sie verarbeitet sie zu 40 verschiedenen Marmeladensorten, Zucchinisoße, Curry-Zwiebeln und Balsamico-Essig, den sie vom eigenen Obst von einem Kollegen herstellen lässt. Im Herbst steht das Pressen der eigenen Streuobstwiesen-Ernte und Lohnpressen auf dem Programm. Saison ist je nach Witterung von Anfang September bis Ende Oktober.

Rosis Obstgarten Streuobstwiese

Dann wird wöchentlich ein bis drei Mal gesaftet, wobei pro Safttag bis zu 20 Kunden bedient werden, die zwischen 70 und 500 kg Obst anliefern. Pro Kunde rechnet Bernecker eine Stunde. „Mein Ziel ist, dass jeder in dieser Zeit fertig ist. Das schaffe ich auch meistens – außer die Mengenangaben stimmen nicht oder es kommt unverhofft zu einer Störung.“ Hilfe bekommt sie von allen Familienmitgliedern, die ihr abwechselnd zur Seite stehen. „Zu zweit schaffen wir das schon. Außerdem packen ja die Kunden meistens auch gerne mit an“, sagt sie.

Im Lohn presst die Bäuerin Äpfel und Birnen zu 3, 5 oder 10 l (Bag-in-Box), für die Eigenproduktion zusätzlich Quitten, Kirschen und Erdbeeren. Früchte, die schon früher im Jahr reif sind, friert sie ein, bis sie im Herbst zu Saft oder Gelee verarbeitet werden. Dabei legt sie Wert auf Vielfalt und produziert neben reinem Apfel- und Quittensaft eine Vielzahl von Mischsäften wie Apfel-Birne, Apfel-Erdbeere, Birne-Johannisbeere oder Birne-Kirsche. „Mein großes Saft-Angebot ist bei der Kundschaft sehr gefragt“, sagt Bernecker stolz über die außerordentliche Auswahl.

Vermarktung ab Hof und auf regionalen Märkten

Ihr vielfältiges Sortiment vermarktet die Bäuerin erfolgreich direkt ab Hof in ihrem Verkaufsraum im früheren Kartoffel- und Rübenkeller, der nach Anmeldung geöffnet ist. Zweite Verkaufsschiene sind die Märkte in der Region. „Ich habe mir von Anfang an gewünscht, dass meine Dienstleistung angenommen wird und ich bin froh, dass sich alles so entwickelt hat“, blickt Rosi Bernecker zufrieden zurück.

Wie am ersten Tag liebt sie noch das Aroma von frisch gepresstem Apfelsaft. „Er duftet so himmlisch nach grünen Bananen und Aprikosen und nach Vanille und Zimt“, schwärmt sie. „Das ist genau, was ich immer machen wollte. Meine Lebensaufgabe.“