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Nitrat

Anteil der Altlasten ist nicht klar

Andrea Hammerl
am Dienstag, 28.01.2020 - 08:33

BBV-Kreisversammlung im Kreis Neuburg-Schrobenhausen macht Verärgerung der Landwirte über die Düngeverordnung deutlich.

Schönesberg/Lks. Neuburg-Schro­benhausen - Der Frust über die Düngeverordnung, speziell die Roten Gebiete und die damit verbundenen Auflagen, sitzt tief. Das wurde auf der Kreisversammlung der BBV-Ortsobmänner aus dem Kreis Neuburg-Schrobenhausen deutlich.

Ihren kritischen Fragen zur europäischen Wasserrahmenrichtlinie und der Düngeverordnung stellte sich Behördenleiter Martin Mayer vom Wasserwirtschaftsamt Ingolstadt mit drei Kollegen, nachdem BBV-Geschäftsführerin Erika Meyer ihn eingeladen hatte.

Fachbereichsleiter Maximilian Hahnel erläuterte ausführlich, wie er über eine mehrstufige Zustandsbewertung zur Einteilung in rote, weiße und grüne Gebiete gelangt. Um einen Grundwasserkörper (GWK) als rotes Gebiet einzustufen, reicht es, wenn 20 % der Messstellen zu hohe Nitratwerte aufweisen. Daran entzündete sich der Zorn der Landwirte. „Wir alle wollen sauberes Wasser“, äußerte stellvertretender Kreisobmann Martin Wendl Verständnis für die Wasserwirtschaftler, die Richtlinien umsetzen müssten, nicht nachvollziehbar sei jedoch, dass auch für Landwirte, deren Ackerland an sauberen, grün eingestuften Messstellen liegt, die Bestimmungen für rote Gebiete gelten, weil der GWK nur als Ganzes bewertet wird.

„Wir brechen die Grundwasserkörper auf Gemarkungsgrenzen runter, das ist aber dafür nicht gemacht“, räumte Hahnel ein, es lägen (zu) wenige Daten vor, „aber bessere haben wir nicht.“ Hier waren sich die Behördenvertreter – wenn auch vorsichtiger formuliert – mit den Landwirten einig. „Wir messen Daten, wir machen keine Meinungen, und wir sind an die Richtlinie gebunden“, holte Martin Mayer die zeitweise heftigere Diskussion auf die Sachebene zurück.

Erika Meyer stellte klar, dass nicht die EU daran schuld sei, denn die gebe nur einen Nitratgrenzwert von 50 mg/l vor, nicht die Methodik, wie er zu erreichen sei. „Das Problem ist in Deutschland gemacht“, so die BBV-Geschäftsführerin.

Im Laufe der Diskussion bekamen auch BBV und Landwirtschaftsamt ihr Fett weg. „Ich bin richtig enttäuscht, auch vom Bauernverband“, sagte Franz Hofgärtner aus Illdorf. Worauf Kreisobmann Ludwig Bayer konterte: „An Verordnungen, NGOs und Bürgerentscheiden kommen wir bei allem Engagement nicht vorbei.“ Er forderte alle auf, sich miteinzusetzen. „Dann seht ihr, dass die sich keinen Jota bewegen, es gibt keine Kompromisse mehr“, so Bayer, „fahrt mit nach Berlin und redet mit Svenja Schulze und Julia Klöckner – da beißt ihr auf Granit.“

Entscheidungen würden rein politisch getroffen, nicht fachlich begründet. Warum der Bauernverband immer alleine gegen fachlichen Unsinn kämpfen müsse, fragte ein Teilnehmer, der sich vom Landwirtschafts­amt im Stich gelassen fühlte. Landwirtschaftsdirektorin Petra Praum versicherte, die Fachbehördenmitarbeiter bezögen sehr wohl Stellung, wenn Dinge fachlich nicht nachvollziehbar seien. „Ihre Fragen hier haben Hand und Fuß, die werden auch auf allen Ebenen der Landwirtschaftsverwaltung diskutiert“, sagte sie, „aber Ober sticht Unter, auch den Ministerien sind die Hände gebunden.“

Vier der acht Messstellen im für den südlichen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen relevanten GWK 1_G050 überschreiten den Nitrat-Grenzwert – alle vier liegen südlich in anderen Landkreisen, der nördlichste bei Inchenhofen, dennoch wird der gesamte GWK als rotes Gebiet klassifiziert. Die Messstelle Schrobenhausen D17 wird mit grün eingestuft, ein Blick auf Messwerte aus der Umgebung zeigt sehr unterschiedliche Werte. Während bei Pöttmes und Schrobenhausen (Süd, tief) jeweils Nitratwerte von 0,25, in Edelshausen 0,15 Milligramm pro Liter gemessen wurden, waren es in Schrobenhausen (Stadt Nord) dagegen 107.

Dieser Ausreißer könnte auf die ungünstige Geologie und Altlasten aus den 60er bis Mitte der 90er Jahre zurückzuführen sein, als ein Verarbeitungsbetrieb Kartoffelfruchtwasser dort verregnete. „Das wird vermutet, aber wie viel Nitrat aus der Landwirtschaft stammt, und wie viel Altlast aus der Verregnung, ist nicht klar“, erklärt der Schrobenhausener Stadtwerkevorstand Thomas Schneider auf Anfrage des Wochenblattes, „der Brunnen wurde 2015 aufgelassen und wird 2020 verfüllt.“