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Vermarktung

Das Amazon der Direktvermarkter

Barbara Höfler, Ludwig Holly
am Mittwoch, 25.05.2022 - 09:00

Onlineportal Wochenmarkt24: 18 Direktvermarkter beliefern 1800 Kunden im Münchner Nordosten.

Wochenmarkt24 Gruppenfoto

Die Idee ist so gut, dass man sich fragen muss, warum da vorher noch keiner drauf kam: Landwirte, Metzger, Imker und Bäcker präsentieren ihre Kartoffeln, Eier und Brote in einem gemeinsamen Onlineshop. Die Kunden bestellen per Klick, einmal am Tag sammelt ein Fahrer die georderte Ware auf den Höfen und in den Geschäften ein und liefert sie in Kühlboxen verpackt vor die Haustüren der Kunden.

Seit etwas mehr als einem Jahr gibt es das jetzt im Münchner Nordosten. Auf dem Portal www.wochenmarkt24.de verkaufen mittlerweile 18 Direktvermarkter aus der Region ihre Erzeugnisse an 1800 registrierte Kunden überwiegend aus den Landkreisen Erding, Ebersberg und der Stadt München, wobei das Liefergebiet seit Kurzem bis Landshut reicht.

Wer bis 18 Uhr bestellt, bekommt die Ware bis etwa 6 Uhr morgens ohne Aufpreis geliefert, Mindestbestellwert 20 €. Bis zu fünf Fahrer sind mit ihren Sprintern im Einsatz. Sie bringen die eingesammelten Waren in eine Kontorhalle nach Thenn in der Gemeinde Wartenberg, verteilen sie dort in Thermokisten, die die Kunden gegen Pfand erwerben, und liefern diese über Nacht dort ab.

Der Vorteil für die Kunden: Wer auf regionale Produkte Wert legt, spart sich eine Menge Zeit und Benzin für Fahrten von Hofladen zu Hofladen. Außerdem wechselt die „Auslage“ laufend, es ist immer was Neues geboten.

Verkaufspreis bestimmen Erzeuger selbst

Für die beteiligten Landwirte und Verarbeiter hat diese Form der Vermarktung ebenfalls Vorteile: Ihre Hähnchen und Putenfilets brauchen Julia und Michael Graf aus Steinkirchen bloß noch für den Fahrer herrichten. Den Rest erledigt Wochenmarkt24 für sie.

Den Verkaufspreis bestimmen sie selbst, ohne Zwischenhändler. 18 % davon gehen für Transport und Logistik an die Genossenschaft, wenn der Internet-Preis derselbe ist wie im Hofladen. Mitglieder ohne diese „Ladenpreisgarantie“ zahlen 30 %. Dafür habe sich die Mehrheit der Genossenschaft entschieden, wie Geschäftsführerin Katalin Eichinger erklärt.

Von Anbeginn dabei sind Anja und Oliver Faltermeier vom Grieblhof in Langenpreising (Landkreis Erding). Sie verkaufen Säfte aus dem Obst ihrer Streuobstwiesen. Mit der Vermarktung über den Wochenmarkt sei er „sehr zufrieden, weil ich Kunden erreichen kann, die außerhalb unseres Einzugsgebiets liegen“, sagt Oliver Faltermeier. So mancher spart sich mit der Digitalversion des Wochenmarktes vielleicht auch den Gang zum Analog-Wochenmarkt.

Idee stammt aus dem Hause Tönnies

Die Idee kommt übrigens nicht aus München, sondern aus Bielefeld. Dort gibt es Wochenmarkt24 seit 2018, gegründet vom Fleischkonzernerben Robert Tönnies. Für den Startup nahm er eine 6-stellige Summe in die Hand. Mit München gibt es mittlerweile sechs Ableger im ganzen Bundesgebiet.

Könnten die steigenden Kraftstoffpreise dem Lieferkonzept einen Strich durch die Rechnung machen? Nein, sagt Katalin Eichinger. Der Plan sei, „nun noch schneller auf E-Fahrzeuge umstellen, die tagsüber durch Sonnenenergie geladen werden und nachts ausfahren“. Das Konzept hat auch TV-Koch Stefan Marquard aus Plienig überzeugt: als ehrenamtlichen Markenbotschafter.