Jahresversammlung

Almbauerntag: Förderung der kleinen Milchviehhalter

Berchtesgaden
Maria Horn
am Freitag, 08.11.2019 - 09:49

Almbauern denken über Förderung kleiner Milchviehhalter nach und stufen so manche Nachhaltigkeitsdiskussionen als Marketinglametta ein.

Schönau/Berchtesgadener Land - Der Almbauernjahrtag für Sennerinnen und Bauern am letzten Oktobersonntag hat für die Almeute einen ganz besonderen Stellenwert. „Es ist unser Erntedankfest, wo wir zusammenkommen und feiern“, sagt Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger. In der Gemeinde Schönau am Königssee fand heuer die 72. Auflage des Jahrtags der Bezirksalmbauernschaft Berchtesgaden im Almwirtschaftlichen Verein Oberbayern statt. Mit einem festlichen Gottesdienst in der Pfarrkirche Unterstein, einem offiziellen Teil im Gasthaus Unterstein und einem gemütlichen Beisammensein mit Musik und Tanz wurde dieser Tag begangen.

Kein Berchtesgadener Almbauernjahrtag ohne traditionellen Schmuck. Der „Sulzberg Senn“, Markus Nitzinger hatte sich heuer um die Dekoration von Kirche und Saal gekümmert. Unterstützt von weiteren ehrenamtlichen Helfern setzte der Schmuck wieder einen herausragenden Akzent.

Förderung der kleinen Milchviehhalter

Bezirksalmbauer Kaspar Stanggassinger freute sich über eine lange Liste an Ehrengästen, eine besondere Wertschätzung war es, dass auch die bayerische Landwirtschaftministerin Michaela Kaniber gekommen war. Stanggassinger dankte allen Sponsoren und Helfern, die stets ein offenes Ohr für die Almleute haben.

Kurz blickte er zurück auf den abgelaufenen Almsommer. Bei einigen Almen konnte nach dem strengen Winter erst später im Jahr aufgetrieben werden. Die enorme Schneelage hatte zahlreiche kaputte Zäune und Schäden an den Almhütten nach sich gezogen. „Im Sommer sind wir von großen Unwettern verschont geblieben und es hat auch immer wieder geregnet, so dass der Sommer zufrieden stellend verlaufen ist“, zog Stanggassinger Bilanz.

Mehr Sorgen bereite es ihm, dass europäische Parteien Nachhaltigkeitsthemen als Wahlkampf­themen nutzen. „Das sind oft nur kernige Sprüche und ist reines Marketinglametta. Es geht doch im Kern darum, landwirtschaftliche Produkte sowie unsere Dienstleistungen zu stärken und dass die Gesellschaft dies ernst nimmt. Wir bewirtschaften unsere Betriebe im Einklang mit der Natur und brauchen uns von niemandem etwas in Sachen Nachhaltigkeit sagen zu lassen“, so Stanggassinger. Beispiele seien Schlachthöfe vor Ort oder die Molkerei Berchtesgadener Land als starker Partner. Der Bezirks­almbauer forderte: „Wenn die Preissituation so bleibt, dann muss künftig über eine Förderung der kleinen Milchviehhalter diskutiert werden.“ 

Ökologenspielzeug Wolf?

Klare Worte fand er auch zum Thema Wolf „Solange der Wolf das Spielzeug von Ökologen bleibt, dann ist das Ende der Alm- und Bergwirtschaft vorprogrammiert.“ Dankbar zeigte sich der Bezirksalmbauer über die Unterstützung vonseiten des Landrats und Staatsministerin Kaniber in Bezug auf Bewirtungsmodalitäten auf den Almen.

Dieses Thema griff auch die Ministerin in ihrem Grußwort auf. „Wir können nicht nur von sanftem Tourismus reden, es muss auch Erleichterungen bei den Vorgaben für Ausschank, Arbeitszeit und Bewirtung geben.“ Motivierend wandte sie sich an die Zuhörer: „Ihr müsst raus aus der Opferrolle. Nur wenn einer oder zwei etwas falsch machen, dann sind nicht alle dafür verantwortlich. Ihr müsst mehr Selbstbewusstsein zeigen“. Landrat Georg Grabner bezeichnete die Almwirtschaft im Berchtesgadener Land als schützenswertes Kulturgut. 

Glatz hat viel vor

Der neue Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern, Josef Glatz aus dem Werdenfelser Land, hat erst vor rund zwei Wochen dieses Amt angetreten und stellte sich der Berchtesgadener Bezirksalmbauernschaft vor. Glatz will viel für die Almwirtschaft bewegen, das zeigte sich in seinem Grußwort. Denn mit Themen wie Ausgleichzahlungen für Lawinenschäden oder der Anpassung der FFH-Managementpläne wandte er sich direkt an Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber und kündigte einen Besuch im Ministerium an. 
BBV-Kreisobmann Georg Baumgartner und Schönaus Bürgermeister Franz Rasp unterstrichen in ihren Grußworten die Bedeutung der Almwirtschaft. 

Almen anschließen

Rasp berichtete vom geplanten Anschluss an Trinkwasserversorgung und Kanalnetz der Fischunkel- und Salettalm sowie einer Machbarkeitsstudie für Anschlüsse weiterer Almen, die in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen vorgestellt werden soll. Nach dem offiziellen Teil ging es dann im Untersteiner Wirtshaussaal zünftig zu, bei Musik und Tanz wurde in lockerer Atmosphäre gefeiert. Die Feuerwehrmusik Königssee sorgte für beste Stimmung bei den Almleuten.