Direktvermarktung

Alles vom Hof selbst veredeln

Thumbnail
Helga Gebendorfer
am Montag, 24.09.2018 - 12:25

Der Demeter-Betrieb Haase setzt auf Direktvermarktung und geschlossene Kreisläufe.

Thumbnail

Ziegen- und Milchviehhaltung sowie Übernachtungen für Feriengäste. Das sind die drei Standbeine, auf die Werner und Martina Haase in Sandbichl bei Fischbachau im Landkreis Miesbach bauen. „Tschernobyl hat dazu geführt, dass ich mich einem anderen Ziel zuwandte. Mir ist damals klar geworden, dass es meine Lebensaufgabe ist, Landwirt zu werden“, erzählt der 60-Jährige. So gründete der gebürtige Regensburger Metzgermeister und Kaufmann nach der Hochzeit mit Martina an deren elterlicher Hofstelle seinen landwirtschaftlichen Betrieb. Zwei Jahre später wurden im Gemeindebereich Fischbachau Flächen dazu gepachtet. Das Ehepaar stellte 60 Ziegen ein und lieferte deren Milch an eine kleine Molkerei. Die biologische Wirtschaftsweise war von Anfang an Gesetz und so trat der Betrieb 1990 dem Demeter-Verband bei. Fünf Jahre danach entschlossen sich die Ziegenhalter, die anfallende Milch selbst zu verarbeiten und die hergestellten Käsesorten über einen Verkaufsraum direkt zu vermarkten.

Städter beteiligen sich an Investition

Thumbnail

Im Jahr 2000 übernahmen Haases den elterlichen Betrieb und bauten gleichzeitig eine Milchkuhherde mit Murnau-Werdenfelser auf, deren Milch seit nun zwölf Jahren ebenfalls selbst verarbeitet wird. Dazu wurde schließlich 2010 kräftig investiert und im ehemaligen Geräteschuppen eine EU-zugelassene, 120 m2 große Molkerei mit Hofladen eingerichtet. Das Besondere: Die Investition erfolgte über das Projekt „Städter und Bauern“, was über Zeitungen und Fernsehen bekannt gemacht wurde. „Das war eine absolute Erfolgsgeschichte“, berichtet Werner Haase. Rund 80 Investoren stellten ihm eine Summe von rund 100 000 € zur Verfügung, mit der das Vorhaben in Angriff genommen werden konnte. Die Zinsen wurden in Form von Waren oder Übernachtungsgutscheinen in der Ferienwohnung ausbezahlt.

Mutterkuhherde mit Murnau-Werdenfelsern

Thumbnail

Aktuell werden 45 ha Grünland, davon 20 ha Lichtweide auf der Bucher Alm am Breitenstein, sowie 17 ha Wald bewirtschaftet. Die Murnau-Werdenfelser Mutterkuhherde besteht aus 14 Mutterkühen plus 15 Stück Jungvieh. Die Rasse ist stark gefährdet. „Ich bin sehr stolz, dass ich eine der wenigen, für die Region typischen, reinrassigen Murnau-Werdenfelser-Herden in Bayern mein Eigen nennen kann“, erklärt Haase.

Thumbnail

Das zweite Standbein stellen die 60 Bunten Deutschen Edelziegen plus Nachzucht dar. Hinzu kommen noch acht Mastschweine und 70 Gänse. Die Weidefläche liegt rund ums fast 420 Jahre alte Bauernhaus sowie auf der Alm, die von Mai bis Oktober von den Kühen, Jungrindern und Jungziegen beweidet wird.

Passend zur Urlaubsregion komplettieren seit 14 Jahren drei Ferienwohnungen sowie zwei Doppelzimmer mit insgesamt 18 Betten die Betriebszweige auf dem Leitzachtaler Ziegenhof.

„Wir haben lange gebraucht, bis wir dort waren, wo wir jetzt sind“, stellt der Betriebsleiter fest. Ziel des Ehepaars war stets, alles zu veredeln, was auf der Fläche ist und einen geschlossenen Nährstoffkreislauf aufzubauen und zu gewährleisten. „Dabei ergänzen sich Ziegen und Kühe“, verdeutlicht Werner Haase.
An den Ziegen schätzt er ihr aufgewecktes, neugieriges Wesen und das angenehme Arbeiten mit dem relativ kleinen Tier. Allerdings sind sie relativ anspruchsvoll in der Haltung. „Ich habe gelernt, dass sie nicht nur Gras fressen, sondern vor allem Stauden- und Kräuterfresser sind“, so Haase. Deshalb hat er eine entsprechende Weide mit Bäumen, einen sogenannten Mittelwald, angelegt. Die Tiere verbringen in der Regel vier Stunden auf der Weide – meist nachmittags oder abends. „Wenn das Gras trocken und der Parasitendruck niedrig ist“, erklärt der Tierhalter. Im Winter hält sich die Herde im Stall mit Laufhof auf. Gefüttert wird mit Heu und zugekauftem Hafer – auch im Sommer.
Im Jahr werden auf dem Hof rund 20 000 l Milch verarbeitet. Der Liter Ziegenmilch kostet im Laden 2,50 €, die Kuhmilch gibt es für 1,50 €/l aus dem Milchautomaten. Aus der Ziegenmilch werden Frischkäse und Schnittkäse produziert und aus der Kuhmilch Joghurt, Butter, Quark, Frisch- und Schnittkäse. „Meine Frau ist die Chefin in der Käserei“, sagt Werner Haase. Sie hat sich das nötige Wissen in entsprechenden Fortbildungskursen angeeignet.

Auch Kitzfleisch wird direkt vermarktet

Außerdem vermarktet die Familie auch das Kitzfleisch von März bis Anfang August. Pro Jahr werden rund 70 Kitze im Alter von zehn bis zwölf Wochen – in erster Linie männliche Tiere – über einen Metzger in Bad Feilnbach geschlachtet. Sie bringen ein Schlachtgewicht von 8 bis 10 kg auf die Waage. Verkauft wird das Fleisch, angefangen vom Vorderviertel bis hin zum ganzen Schlachtkörper, zu einem Preis von 21 €/kg.
Weil das Kitzfleisch vor allem ab Ostern bei der Kundschaft begehrt ist, steuert der Ziegenhalter die Ablammung so, dass sie sich von Januar bis März erstreckt. Deshalb kommt der Bock im August in die Herde. Analog dauert dann auch die Zeitspanne zum Verkäsen von Ziegenmilch von Ostern bis Ende Oktober. Dagegen werden alle Kuhmilchprodukte ganzjährig hergestellt. Zur Ergänzung des Sortiments erfolgt auch ein Zukauf von dem einen oder anderen Milchprodukt.
Die Milchleistung der Ziegen liegt bei 800 l, die der Kühe bei 3500 l. „Meine Ziegen und Kühe sind meine Mitarbeiter“, stellt der Betriebsleiter fest, und zeigt sich zufrieden mit deren Leistung. Etwa 15 weibliche Ziegenkitze gehen jährlich in die eigene Nachzucht. Sie verbringen den Sommer auf der Alm und betreiben dort zusammen mit den Kühen und Jungrindern Naturschutz. Der Hofladen am Leitzachtaler Ziegenhof hat von Mai bis Oktober am Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag von 9 bis 18.30 Uhr sowie am Dienstag und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr geöffnet. In den Wintermonaten reduzieren sich die Öffnungszeiten auf zwei bis drei Tage in der Woche (siehe www.leitzachtaler-ziegenhof.de). Dann wird der lagerfähige, im Sommer selbst hergestellte Ziegenkäse verkauft.
Über den Hofladen gehen fast alle eigenen Erzeugnisse über die Theke. Darüber hinaus wird noch ein Käseladen in Bad Tölz beliefert. Die Kundschaft setzt sich vor allem aus Tagestouristen zusammen, die einen Abstecher in die wunderschöne Voralpen-Region unternehmen.
Die Arbeit bewältigt Familie Haase seit drei Jahren gemeinsam mit Robert Bitzer, Bachelor of Science, und dieses Jahr von Mai bis September mit Katharina Mayer, Sonderpädagogin – beide Mitarbeiter in Vollzeit.
Vor acht Jahren hat sich Werner Haase dem Verband der oberbayerischen Ziegenzüchter mit rund 100 Mitgliedern als Vorsitzender zur Verfügung gestellt. „Wir müssen mit einer Stimme sprechen und gemeinsam auftreten“, lautet seine Zielsetzung. In seinem Engagement ist er bestrebt, die Anliegen der oberbayerischen Ziegenzüchter mit rund 3300 Zuchtziegen zu vertreten. Dazu gehört, weiterhin die Ziegenzucht und -haltung zu fördern und die Rassenvielfalt zu erhalten und zu erhöhen.