Öffentlichkeitsarbeit

Von Ahorn bis Zitterpappel

20.10. WaKiGa fertig Foto Neu (7)
Walter Neugebauer
am Donnerstag, 12.11.2020 - 08:37

Der Waldkindergarten in Mauern im Kreis Freising ist umgeben von unterschiedlichen Baumarten und bietet einen Blick auf Puten und Pferde.

20.09. WaKiGa Mauern Foto Neugebauer (3)
Sie boomen, die Kindergärten in der freien Natur. Als Räume für Spiel und Unterricht am Waldrand oder in Lichtungen dienen Bauwagen, Campingwagen, Blockhäuser sowie Büro- und Wohncontainer. Die Gemeinde Mauern im Landkreis Freisig mit ihren 3200 Einwohnern hat sich für die Holzmodule von Schreiner Karl Huber aus Buch am Erlbach entschieden. „Denn Holz ist ein Werkstoff, der zum Wald am besten passt“, sagt Bürgermeister Georg Krojer. Noch besser ist heimisches Holz von regionalen Handwerkern. Als Bauunternehmer und Forstwirt, der selbst auch einige Hektar Wald bewirtschaftet, kennt er auch die Probleme auf dem Holzmarkt.
Georg Krojer, Sabine Huber, die Leiterin des Mauerner Kindergartens St. Johannes sowie einige Gemeinderäte sahen sich verschiedene Waldkindergärten an: Den klassischen Bauwagen auf Rädern, der häufiger für Waldkindergärten verwendet wird. Einen Baucontainer aus Blech. Und den Waldkindergarten in Buch am Erlbach von Schreinermeister Karl Huber. Der überzeugte alle. Und auch der Preis stimmte. Dann holte die Gemeinde drei Angebote ein.
In Buch am Erlbach stehen drei Holzmodule zu je 16 m2 (6,0 x 2,70 m), der Raum ist also 48 m2 groß. In Mauern ist der Waldkindergarten für 15 Kinder geplant. Er braucht also nicht so groß zu sein. Deshalb wurden nur zwei Module bestellt. Damit hat der Aufenthaltsraum 32 m2.

Der Standort bietet den Kindern sehr viel

Als bestmöglicher Standort hat sich der Waldrand in der Nähe des Öko-Hofs Strasser auf dem Ameisenberg herausgestellt. Er liegt etwa einen Kilometer oberhalb des Ortskerns von Mauern in einer intakten Natur und ist auf der Gemeindestraße mit dem Auto gut zu erreichen. Dazu können die Eltern auch ein Parkplatz mit Wendemöglichkeit in der Nähe des Hofes benutzen. Also hat die Gemeinde den Platz für den Waldkindergarten (160 m2) von Strassers für mehrere Jahre gepachtet. Bauplan und Lageplan gingen an das Landratsamt in Freising. Das Projekt wurde genehmigt.
„Die Kinder bekommen hier hautnah eine Menge zum Anschauen und Erleben“, erklärt Krojer. Denn: Am Waldrand stehen Zitterpappeln (Espen), Vogelkirschen, Ahorn, Kiefern, Fichten und Lärchen. Auch einen Bienenstand und eine Streuobst-Anlage gibt es in der Nähe. Die Kleinen können die schwarzen Kelly-Puten der Familie Strasser im Auslauf beobachten oder die Pferde von zwei Reiterhöfen auf der Weide. Und die drei Jäger der Jagdgemeinschaft des angrenzenden Reviers werden ihnen im Rahmen ihrer Öffentlichkeitsarbeit sicher erklären, worauf es bei der Hege des Wildes und der Pflege des Waldes ankommt.
Auch über die Geschichte dieser Landschaft erfahren die Kinder einiges. Kurz vor der Einfahrt zum Strasser-Hof steht eine Tafel des Historischen Wanderwegs Mauern vom Archäologischen Verein. Hier wird erklärt, dass der Name Ameisenberg nichts mit den Krabbeltieren zu tun hat, sondern von der Bezeichnung „Am Eisenberg“ kommt. Denn früher hat man hier auf den Feldern Raseneisenerz gefunden, die man in speziellen Hochöfen schmolz und so Schmiedeeisen gewann.

In einer Stunde stand der Kindergarten

Im September war es so weit: Mitarbeiter des Bauhofs Mauern planierten und befestigten den Untergrund für die Module und die Außenfläche mit Juraschotter und setzten die Betonfundamente. Dabei wurden sie vom Grundstücksbesitzer Markus Strasser kräftig unterstützt. Am nächsten Tag brachte Schreiner Karl Huber die beiden kastenförmigen Holzmodule auf einem Tieflader, Hans Frey aus Enghausen setzte sie mit seinem Autokran auf die Punktfundamente und Zimmerer Jan Renken aus Vilsheim schraubte sie zusammen. In einer guten Stunde stand der Waldkindergarten.

Die Werkstoffe: Fichte, Lärche, Blech

Gebaut wurden die Module in Teamarbeit: Schreiner Karl Huber schnitt die Bretter und Balken aus Fichtenholz für Wände, Boden und Decke nach seinem „Easy Home-Konzept“ zurecht und lieferte sie an die Zimmerei von Jan Renken in Vilsheim. Dort wurden die Teile zusammengebaut und mit einer 20 cm dicken Dämmung isoliert. Die Außenverschalung besteht aus Lärche. Das Dach ist aus Blech. Die Fenster und Türen wurden von Karl Huber eingebaut, als die Module auf ihren Fundamenten standen, ebenso die Grobspanplatten für den Fußboden. Für den Belag aus Linoleum sorgte Bodenleger Jürgen Faber aus Hörgertshausen. Der Kindergarten wird mit einem Holzofen beheizt. Für die großen und kleinen „Geschäfte“ der Kinder ist ein Bau-WC aufgestellt.
Was das kostet? „Die beiden Holzmodule mit Dach liegen bei 39 000 €. Und rund 20 000 € dürften noch dazu kommen, denn wir sind ja noch nicht fertig“, erklärt Georg Krojer. Eigentümer des Kindergartens ist die Gemeinde Mauern, Träger und Betreiber das Katholische Kinderhaus St. Johannes.

Genehmigung für das Bauen im Außenbereich

Diese Genehmigung ist auch für einen Waldkindergarten gar nicht so leicht zu bekommen, wie Bürgermeister Georg Krojer jetzt aus Erfahrung weiß. Denn grundsätzlich dient der Außenbereich der naturgegebenen Bodennutzung und der Erholung für die Allgemeinheit und soll deshalb von jeglicher Bebauung freigehalten werden.

Der Genehmigung können laut § 35, Abs. 3 BauGB öffentliche Belange entgegenstehen. Zum Beispiel, wenn das Bauvorhaben

  • den Darstellungen des Flächennutzungsplans oder eines Landschaftsplans widerspricht,
  • die Belange des Naturschutzes, der Landschaftspflege, den Erholungswert oder das Orts- und Landschaftsbild beeinträchtigt
  • oder wenn es zur Entstehung, Verfestigung oder Erweiterung einer Splittersiedlung beiträgt.
  • Das alles ist bei einem Waldkindergarten nicht der Fall. „Aber es ist nicht damit getan, dass man beim Landratsamt nur den Antrag mit Bau- und Lageplan stellt und dann läuft alles“, sagt Krojer. „Denn man muss den Naturschutz einbinden und dem Jugendamt Rettungswege nachweisen. Die Jägerschaft muss einverstanden sein. Eine der größten Hürden ist die Sicherstellung des Brandschutzes, wobei Fluchtmöglichkeiten aus dem Haus und ausreichend Löschwasser nachgewiesen werden müssen“. Hierzu stehe auf dem Hof der Familie Strasser ein großer Erdtank zur Verfügung.