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Naturschutz

Da ändern, wo noch etwas zwickt

Natura 2000
Sandra Kalb Portrait 2019
Sandra Kalb
am Montag, 03.02.2020 - 07:06

Diskussionen um Biber und Flächen im Natura 2000-Gebiet Ampertal.

Freising - Zahlreiche Landwirte waren in Freising zusammengekommen, um beim Runden Tisch zum +Natura2000-Managementplan Ampertal für Ihre Belange einzutreten. Dieses FFH-Gebiet umfasst rund 2000 ha und erstreckt sich über die Landkreise Freising, Dachau und Fürstenfeldbruck. Bei den Runden Tischen, die für jeden Landkreis gesondert stattfinden, soll der Plan „maßgeschneidert werden, wo noch was zwickt“, so umschrieb Regierungsdirektor Thomas Eberherr das weitere Vorgehen.

Voraussichtlich im April wird der Managementplan fertiggestellt sein und nach vier Wochen der Einsichtnahme rechtskräftig sein. Bei Natura2000 handelt es sich um einen europaweiten Biotopverbund mit besonders schützenswerten Lebensraumtypen und Arten.

Der Managementplan fasst zusammen, um welche Arten es handelt, in welchem Zustand diese sind und welche Maßnahmen notwendig sind, um sie weiter gut zu erhalten. Gezwickt hat es in Freising bei mehreren Themen: Besondere Aufmerksamkeit erhielt dabei der Biber – der in Europa als geschützte Art gilt und für die Landwirte für Probleme wie vernässte Flächen mit sich bringt, deren Bewirtschaftung dadurch erschwert.

Möglichkeiten zum Bibermanagement ausschöpfen

„An manchen Stellen ist der Biber nicht tragbar“ zeigte sich Eberherr kompromissbereit, betonte jedoch, dass dieser Nager im gesamten Gebiet weiter in gutem Zustand vorkommen muss. Wo er nicht tragbar ist, also wenn sich Gefahren für den Menschen daraus ergeben, da müsse man die gesetzlichen Möglichkeiten zum Bibermanagement ausschöpfen. Jörg Steiner von der Unteren Naturschutzbehörde zeigte sich kooperativ. Alexander Gallus, Jurist des Landratsamtes Freising, sagte, dass man Datengrundlagen brauche, um Ausnahmeregelungen finden zu können. Dazu müsse weiter geklärt werden, wer die Kosten für eventuell notwendige Gutachten trägt.

„Wie viele Biber sind für die Natur gut“, fragte Josef Weingartner aus Kirchdorf an der Amper in die Runde, er sorge sich um den Baumbestand und auch das Schilf vermehre sich durch die Wasserstaus der Biber – eine vorgestellte Maßnahme des Managementplans sei es allerdings, den Schilfbestand auszudünnen.

In Gesamtbetrachtung zeichne sich das Gebiet Ampertal durch wenig Urnatur aus, hier wurde vom Menschen viel Kulturlandschaft erschaffen. Besorgt zeigte sich Gerhard Stock, Landwirt und Bauernverbandsgeschäftsführer für Erding und Freising über das Aktionsprogramm Insektenschutz auf Bundesebene, das den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln in FFH-Gebieten untersage. Eberherr betonte, dass ordnungsgemäße Land- und Forstwirtschaft im FFH-Gebiet nicht eingeschränkt werde, solange es den Natura-2000 Zielen nicht widerspreche. Im konkreten Fall müsse man weitere Handlungen der Bundespolitik abwarten.

Grundsätzlich seien die Maßnahmen, die der Managementplan vorschlägt, für private Grundeigentümer nicht verpflichtend, jedoch dürfe sich der Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und Arten nicht verschlechtern. Auch der ordnungsgemäße Unterhalt von Wegen oder Entwässerungsgräben ist weiterhin zulässig.

Falls Eigentümer und Bewirtschafter Zweifel haben, ob eine Nutzungsänderung den Erhaltungszustand des FFH-Gebietes womöglich beeinträchtigen könnte, empfiehlt es sich, sich informieren und beraten zu lassen. Erste Ansprechpartner in dieser Hinsicht sind das Landwirtschaftsamt, die Revierförster sowie die untere Naturschutzbehörde. In einigen Fällen sind neben dem FFH-Recht zudem andere Gesetze betroffen. Befindet sich eine Fläche beispielsweise im Naturschutzgebiet, gilt wie bisher weiterhin die Naturschutzgebietsverordnung.