Hauptalmbegehung

Abschuss von Wölfen soll erleichtert werden

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber
Philipp Seitz
am Mittwoch, 04.08.2021 - 08:31

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber fordert bei der traditionellen Hauptalmbegehung in Unterwössen Erleichterungen.

Unterwössen/Lks. Traunstein - Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU) hat bei der traditionellen Hauptalmbegehung in Unterwössen (Lks. Traunstein) Erleichterungen beim Abschuss von Wölfen im Freistaat unter bestimmten Bedingungen gefordert. Kaniber verwies darauf, dass es ausgewiesene Weideschutzgebiete in Bereichen geben soll, in denen der Schutz von Nutzieren nicht zumutbar sei. Wenn Wölfe hier Schäden verursachen, dann müssten sie nach den Worten der Staatsministerin „rasch entnommen werden“. Nur so könne ein Wolfsmanagement gelingen.

Zwar gebe es für jedes tote Weidetier eine Entschädigung, „aber die Familienbetriebe stecken ihr Herzblut in die Haltung ihrer Rinder und Schafe. Und wer die schrecklichen Bilder von Wolfsrissen kennt, der kann sich vorstellen, wie emotional belastend so etwas für die Tierhalter ist. Mit Geld lässt sich nicht alles ausgleichen“, sagte Kaniber. Die Staatsministerin forderte auf der Alm Agersgschwend außerdem, dass der Rückkehr und der Ausbreitung des Wolfes mit einer sachlichen und emotionsfreien Diskussion begegnet werden müsse, „fernab jeglicher Wolfsromantik, aber auch jeder Rotkäppchen-Hysterie“.

Den Ort für die Rede auf der Alm Agersgschwend hatte der Almwirtschaftliche Verein Oberbayern (AVO) geschickt gewählt. Wie die Staatsministerin erklärte, werden in dem Gebiet auch aktuell immer wieder Wölfe gesichtet.

Im Gespräch mit dem Wochenblatt forderte zuletzt auch BBV-Bezirkspräsident Ralf Huber ein schnelles Handeln der Staatsministerin:

Nach einem Jahr Pause aufgrund der Pandemie fand in diesem Jahr, in kleinerem Rahmen mit 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, wieder die Hauptalmbegehung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) statt. Bei der Rundtour wurden die besuchten Almen vorgestellt. AVO-Vorsitzender Josef Glatz nahm auf Agersgschwend die Begrüßung vor. Mit dabei waren Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident Hubert Aiwanger sowie Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.

AVO-Vorsitzender Josef Glatz hatte bereits im Vorfeld angekündigt, dass das Thema Wolf bei der diesjährigen Hauptalmbegehung eine große Rolle spielen werde. Neben Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sprach auch der stellvertretende Ministerpräsident und Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger mit den Almbauern über deren Nöte. Aiwanger betonte insbesondere die Bedeutung der Almen für den bayerischen Tourismus und die Rolle der Bergbauern, die bis heute die Almen als Elemente der Kulturlandschaft gestalten und erhalten.

Einige Eindrücke von der Hauptalmbegehung finden Sie in unserer Bildergalerie:

Almbauern diskutieren mit der Politik

Agergschwendalm
Agergschwendalm
Hauptalmbegehung
Angersgschendtalm
Hauptalmbegehung
Hauptalmbegehung
Kaniber bei der Hauptalmbegehung
Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber
Hubert Aiwanger
Hans Stöckl
Bürgermeister Ludwig Entfellner
Hauptalmbegehung
Hans Friedl
Ausblick von der Moaralm bei der Hauptalmbegehung
Bergmäher-Projekt am Hochgern
Hauptalmbegehung
Hauptalmbegehung

Zustimmung für die Ausweidung von nicht zumutbar zäunbaren Gebieten durch die Weideschutzkommission in Bayern kommt auch vom BBV. Dessen Umweltpräsident Stefan Köhler sagte dem Wochenblatt, dass in diesem Bereichen bei einer Bedrohungslage durch den Wolf ein schnelles Handeln erforderlich sei. Die Weidetiere müssen ohne lange Genehmigungsverfahren geschützt werden. „Neben der Möglichkeit, Wölfe zu entnehmen, braucht es zusätzlich ein flächendeckendes und funktionierendes Bestandsmanagement der Wolfspopulation.“ Die momentane Situation – nämlich eine Verdopplung der Wolfspopulation alle drei Jahre – stellt aus Sicht des BBV eine massive Gefahr für weidetierhaltende Betriebe dar. Köhler warnt: „Wenn die Weidetierhaltung verschwindet, werden Almen, Alpen und Weiden verbuschen. Die Attraktivität von Bayern als beliebtes Urlaubsland ist in Gefahr!“