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Extensive Weidehaltung

Zwergzebus pflegen Auenlandschaft

Zwergzebus Urwald an der Truppach
Dr. Adriane Lochner
am Montag, 09.11.2020 - 11:40

Biolandwirt Norbert Böhmer führt Beweidungsprojekt durch.

Zwergzebus Biolandwirt Norbert Böhmer Biologe Martin Feulner und Bayreuther Landkreisökologe Julian Hauser

Am Ufer der Truppach erstreckt sich ein anderthalb Meter hoher Urwald aus Blutweiderich, Rohrglanzgras, Sumpf-Kratzdistel und Baldrian. Dazwischen tauchen gelegentlich lange, spitze Hörner auf und dahinter kleine Höcker. Die Tiere, die sich hier durch die Stauden schieben sind Zwergzebus, kleine Versionen der indischen Buckelrinder. Sie gehören Biolandwirt Norbert Böhmer aus Schrenkersberg. Seit vergangenem Jahr führt er hier gemeinsam mit dem Staatlichen Bauamt und der Unteren Naturschutzbehörde in Bayreuth ein Beweidungsprojekt durch, um die Auenlandschaft mit den dazugehörigen Tier- und Pflanzenarten zu erhalten.

Ausgleichsfläche für Straßenbau

Bau- und Landratsamt haben insgesamt 8,4 ha Flächen gekauft und gepachtet, um den Umbau des B22-Knotenpunktes westlich von Eckersdorf sowie den Bau des Geh- und Radweges zwischen Eckersdorf und Bayreuth zu kompensieren. Bauamt-Sachgebietsleiterin für Naturschutz und Landschaftspflege, Stefanie Braun, zufolge ist das Ziel des Projekts an der Truppach, Teile der Brache zu extensiv genutztem Feuchtgrünland zu entwickeln, die Röhrichtstrukturen zu erhalten und zusätzlichen Lebensraum für vorhandene Tierarten wie Tagfalter, Amphibien, Vögel und Fledermäuse zu schaffen. Dazu wurden zwei Weidetümpel ausbaggert und Totholzhaufen angelegt. Zentraler Bestandteil des Projekts ist jedoch die Beweidung mit den Zwergzebus. Denn sie sorgen dafür, dass die offene Landschaft erhalten bleibt.
„Zebus sind super Landschaftspfleger. Sie kommen mit Schlehen, Dornen und Disteln zurecht“, erklärt Biolandwirt Böhmer, der auf seinen eigenen Weiden ganz normales Fleckvieh hält. Die Zwergzebus, die eine Schulterhöhe von um die 90 cm haben, hat er von einem Züchter in Baden-Württemberg. Dass ausgerechnet diese exotischen Rinder in der Truppachaue eingesetzt werden, liegt vor allem an ihren harten, robusten Klauen. Während die Nässe bei Rindern, Schafen und Ziegen oft Klauenkrankheiten verursacht, sind Zebus geradezu ideal für feuchte Standorte. „In Indien schwimmen sie sogar zu den Weideplätzen“, erklärt Biolandwirt Böhmer. Die Fähigkeit komme ihnen auch hier zugute, denn im Frühjahr sei die Truppach überschwemmt gewesen. Gerade Feucht- und Nasswiesen sind gegenüber Viehtritt und Verdichtung sehr empfindlich. Durch die Zwergzebus wird der Boden kaum belastet und die Trittschäden halten sich in Grenzen.

Lebensraum für Schmetterlinge

Die Arbeit der kleinen Buckelrinder ist wichtig für die Bewohner der Truppachaue. Biologe Martin Feulner aus Neustädtlein hat die Tier- und Pflanzenarten auf der Weidefläche kartiert. Beispielsweise hat er den stark gefährdeten Schmetterling Storchschnabel-Bläuling gefunden, dessen Raupen sich von einer Pflanze namens Sumpf-Storchschnabel ernähren.
„Die Fläche ist unheimlich blütenreich“, erklärt der Biologe. Sie ziehe zahlreiche Wildbienen und Schmetterlinge an aus dem gesamten Tal. Die Insektenvielfalt wiederum locke Vögel wie Neuntöter oder Braunkehlchen an. „Eine Fläche dieser Größe sieht man eigentlich nur in Naturschutzgebieten oder Nationalparks“, sagt der Biologe. Vor allem bodenbrütende Vogelarten profitierten von der Brache. Zwischen den Sumpfpflanzen brütet etwa die Rohrweihe, eine geschützte Greifvogelart, die ein wenig aussieht wie ein Habicht, aber ihr Nest nicht auf Bäumen, sondern auf dem Boden baut.

Herdenschutz schwierig

Vor allem die Wiesenbrüter sind es, die dem Landwirt Kopfzerbrechen bereiten. Plankenfels liegt noch am Rande des Wolfsgebiets um den Veldensteiner Forst. Rinderhalter Böhmer hat sich aufgrund verschwundener Kälber bereits vor einigen Jahren Herdenschutzhunde angeschafft. Auf der Zebuweide kann er die Hunde allerdings nicht einsetzen, denn „sie würden auch die Vögel verjagen“, so Böhmer. Ihm bleibe daher nur, den Elektrozaun wolfssicher zu machen und die unterste Litze von 40 auf 20 cm über dem Boden abzusenken. Damit erhöht sich auch der Arbeitsaufwand bei der Instandhaltung. „Feuchte Flächen sind wüchsiger als andere, sie müssen doppelt bis dreimal so oft gemäht werden“, erklärt der Biolandwirt. Am Bayreuther Landratsamt weiß man seine Arbeit zu schätzen. Landkreisökologe Julian Hauser sagt: „Wir freuen uns, dass wir so viele engagierte Tierhalter haben.“ Auf die Beweidung mit Schafen, Ziegen und Rindern sei man in der Landschaftspflege angewiesen.