Ausgleichsfläche

Zukunftsbäume für den Tangrintel

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Markus Bauer
am Freitag, 29.05.2020 - 13:17

Neun Hektar Fläche werden als Ersatz für gerodeten Wald gepflanzt

Vielleicht entstehen rund um Hemau jetzt sogar Referenzflächen für den Waldumbau. Das war zumindest die Einschätzung von Försterin Lisa Büsing, die für das Revier Hemau zuständig ist und die einem Pressetermin, bei dem es um Ausgleichspflanzungen ging, beiwohnte.

Als Ersatz für circa elf Hektar Waldfläche, die für die Schaffung eines Gewerbeparks gerodet wurden, hat die Stadt Hemau an verschiedenen Standorten rund neun Hektar zur Aufforstung zur Verfügung gestellt, im März wurde mit den Pflanzungen begonnen.

Wald – die Stadt Hemau bzw. die Gemeinde hat den Wald quasi bereits im Namen. Denn der zwischen der Altmühl und der Schwarzen Laber gelegene Höhenrücken heißt seit jeher „Tangrintel“, worin sich die Tanne als Baum wiederfindet. Mit rund 200 ha Wald ist die Stadt Hemau auch der größte Waldbesitzer innerhalb der WBV Hemau, womit natürlich, so Bürgermeister Hans Pollinger, dessen Amtszeit Ende April zu Ende ging, für die Kommune eine hohe Verantwortung erwächst.

Nach Abzug der Soldaten folgte ein Gewerbepark

Mit der Erhebung Hemaus zu Garnisonsstadt in den 1960er-Jahren und dem Aufbau der militärischen Strukturen war auch der zum Truppenübungsplatz gehörende Wald angelegt worden. Mit dem Ende der Bundeswehr in Hemau ab 2001 standen die Gebäude und Flächen für neue Nutzungen offen, die Umsetzungen und Lösungen dauerten freilich etwas länger.

Im Juni 2016 beschloss der Stadtrat eine Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung des Bebauungsplanes im Parallelverfahren „Hemau, Gewerbepark III“ mit einer Fläche von 18 ha, davon elf Hektar sogenannte Eingriffsfläche – konkret zur Rodung vorgesehener Wald. „Man darf nicht vergessen, dass der Bund vor dem Verkauf und vor der Übergabe an uns schon das beste Holz aus dem Wald an der Kaserne herausgeschnitten hatte“, erklärte Bürgermeister Pollinger. Stürme und der Borkenkäfer hätten dann dem verbliebenen Bestand zugesetzt. Von hoher Waldqualität habe, so das Stadtoberhaupt, nicht mehr gesprochen werden können. Da das bayerische Baurecht in solchen Fällen die Schaffung von Ausgleichsflächen vorsieht bzw. vorschreibt, ergaben sich nach entsprechenden Berechnungen neun Hektar Fläche für die Wiederaufforstung.

Rodung war zunächst nicht unumstritten

Der neue Bebauungsplan wurde am 27. März 2018 bekanntgegeben und trat in Kraft. Da die Rodung des Waldes beim ehemaligen Truppenübungsplatz natürlich nicht unumstritten war, bemühte sich die Stadt Hemau mit Bürgermeister Pollinger an der Spitze um eine rasche Erfüllung der Vorgaben. Daher bezog sie den Landschaftspflegeverband Regensburg (Streuobstwiesen, extensives Grünland usw.) und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Regensburg in die Planungen der Aufforstungsarbeiten ein. „Natürlich war der Eingriff in den Kasernenwald schon heftig“, gab Forstdirektor Cornelius Bugl beim Ortstermin gegenüber dem Hemauer Waldbad zu bedenken.

Laubholzkulturen sollen den Vorzug erhalten

Hier verschafften sich exemplarisch die Vertreter der Stadt Hemau, des Landwirtschaftsamtes und der Waldbesitzervereinigung einen ersten Eindruck. Insgesamt waren in den Wochen zuvor an unterschiedlichen Orten 40 000 neue Pflanzen (Bäume und Sträucher) eingesetzt worden, darüber hinaus zum Schutz über fünf Kilometer Zaun.
Das Amt warf dabei ein besonderes Auge auf die Bepflanzung – es sollten vor allem hochwertige Laubholzkulturen sein, die dem Klimawandel als „Zukunftsbäume“ standhalten. Konkret besteht der angepflanzte Baumbestand jetzt aus Stileichen, Heimbuchen, Spitzahorn, Buchen, Roterlen und Tannen. Dazu sollen an den Rändern noch vielfältige naturnahe Waldsäume mit niedrigerer Vegetation anwachsen.