Generalversammlung

Zuckerrübe bleibt eine wichtige Säule

VFZ-Versammlung_LF
Sabine Dähn-Siegel
am Donnerstag, 11.11.2021 - 09:54

Der Insektenschutz beschäftigte den Verband Fränkischer Zuckerrübenbauer. Ein pauschales Verbot von Pflanzenschutzmitteln hätte fatale Folgen.

Veitshöchheim/Lks. Würzburg Die Richtung stimmt(e): Den Eindruck konnten die Teilnehmer der Generalversammlung des Verbands Fränkischer Zuckerrübenbauer (VFZ) mit nach Hause nehmen. Auch wenn die mit 140 Gästen angegebene Zahl aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen noch limitiert war, handelte es sich zumindest wieder um eine Präsenzveranstaltung, die wie üblich in Veitshöchheim stattfand. Und: Unterm Strich blickten die Referenten des unter dem Motto „Rüben – Zucker – Zukunft. Mehrwert für Anbau, Märkte und Umwelt“ stehenden Abends optimistisch auf das für Landwirte wichtige Geschehen auf dem Acker, bei Südzucker, im Verband und in der Politik.

Ein Lichtblick also nach einem durchaus schwierigen (Anbau-)Jahr, auf das der VFZ-Vorstandvorsitzende Dr. Stefan Streng und der VFZ-Geschäftsführer Dr Klaus Ziegler arbeitsteilig zurückblickten. In den Kerngrößen hatte sich ein „enttäuschendes Jahr“ gespiegelt: 2020 hatten die Anbaufläche der 3037 Rübenanbauer (inklusive 88 Bioanbauer) 23 228 Hektar (Bio: 680 ha), die Rübenmenge 1,48 Mio t reine Rüben und der Rübenertrag 69,9 t/ha bei 18,2 % Zuckergehalt betragen; der bereinigte Zuckerertrag lag bei 11,14 t/ha, für Basisrüben wurden 32,5 €/t und für Mehrrüben 30,50 €/t gezahlt. Besonderheiten hatten zu diesem unbefriedigenden Ergebnis geführt: Trockenheit ab Juni, viröse Vergilbung und regional das Auftreten von SBR. Die Abkürzung steht für „Syndrome Basses Richesses“, zu Deutsch: Syndrom der niedrigen Zuckergehalte.

Kraftakt hat sich ausgezahlt

Themen und Ereignisse, die den Verband neben dem Corona-geprägten Geschäftsjahr – mit abgesagter Beet-Europa, verschobenen Vertrauensmänner-Wahlen um einige zu nennen – seither beschäftigen. Zum Stichwort Neonics berichtete Streng, dass nach langem fachlichen und politischem Ringen Ende 2020 das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit „eine Notfallzulassung (NFZ) für die Verwendung von Neonics-gebeiztem Zuckerrübensaatgut gegen die viröse Vergilbung im Einzugsgebiet der Zuckerfabrik Ochsenfurt – begrenzt auf maximal 20.500 ha (entspricht 87 % der Befallsfläche)“ – erteilt hatte. Zumindest für den Anbau 2021 habe sich dieser „Kraftakt der deutschen Zuckerrübenverbände ausgezahlt“. Ob für 2022 wieder eine NFZ erwirkt werden könne, sei wegen des diesjährigen eher verhaltenen Läusebefalls und angesichts der Bundestagswahl mit eventuell neuen Kräfteverhältnissen „ungewiss“.

Die von der Schilf-Glasflügelzikade verursachte SBR sei im süddeutschen Bereich ein relativ neues Problem, fuhr der VFZ-Vorsitzende fort. Chancen, dem zeitnah beizukommen, sieht er aufgrund züchterischer Teillösungen und verstärkter Forschungsaktivitäten. „Wir sind hier auf einem gutem Weg.“

Insektenschutz war laut Streng ein weiteres Thema, das den Verband „extrem beschäftigte“. Der hatte – federführend in der Allianz mit BBV und LSV – Anfang Februar zu einer Kundgebung auf dem Rübenhof der Zuckerfabrik in Ochsenfurt eingeladen. Mit enormer Resonanz, die dafür gesorgt hatte, dass die Sorgen und Forderungen der Zuckerrübenbauer an die Öffentlichkeit und die Politik adressiert werden konnten. „Ein pauschales Verbot von Pflanzenschutzmitteln in Vogel- und FFH-Gebieten hätte für uns fatale Folgen gehabt …“, die auch mittels dieser Aktion verhindert werden konnten.

Drei schwierige Jahre erlebt

Streng machte zudem deutlich, dass die Zuckerrübenbauer nach letztlich drei schwierigen Jahren und unterdurchschnittlichen Ernten heuer auf ein bislang gut verlaufenes Anbaujahr mit guter Bestandsentwicklung blicken. Proberodungen ließen eine überdurchschnittliche Ernte in allen fränkischen Regionen erwarten, viröse Vergilbung spiele aufgrund des Einsatzes der neonicotinoiden Beizung keine große Rolle, allerdings treten in einigen Regionen SBR-Symptome und Cercospora auf. Fazit des VFZ-Vorstandsvorsitzenden: „Die Zuckerrübe bleibt eine wichtige Säule des fränkischen Ackerbaus.“ Nicht nur das. Der Blick auf die Entwicklungen am globalen und europäischen Zuckermarkt lässt eine merkliche Kräftigung der Notierungen erkennen. An die Zeit nach der Zuckermarktordnung angepasste Zuckererzeugung und -vermarktung zeigen Wirkung. Die Zuckerrübe als Feldfrucht gewinnt wieder an Wirtschaftlichkeit.

Und die Restrukturierungsmaßnahmen bei Südzucker greifen. Ein Thema, das etwas später Dr. Thomas Kirchberg in seinem Südzucker-Unternehmensbericht aufgriff.

Zuvor aber referierte der Präsident der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG), Hubertus Paetow, über „Zukunft (Kommission) Landwirtschaft – eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“. Die etwa 30-köpfige inhomogene Gruppe der Kommission Landwirtschaft hatte im Auftrag und für die Bundesregierung ein gesellschaftlich akzeptiertes Zukunftskonzept Landwirtschaft verfasst. Einstimmig, trotz teilweise konträrer Positionen, wie Paetow hervorhob. Für die gemeinsamen Lösungsansätze wurden Leitlinien entworfen, die das Tun der Landwirte unter unternehmerisches Interesse stellen, die besagen, dass Umweltschutzmaßnahmen betriebswirtschaftlich attraktiv gestaltet werden sollen, dass auf marktwirtschaftliche Instrumente statt Sanktionen gesetzt werden soll. Und, auch das war ihm wichtig: Der Bericht beschreibt die vorzunehmende Neugestaltung der Landwirtschaft als eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Außer Frage stand für den studierten Landwirt aus Mecklenburg-Vorpommern, dass die Transformation bald zu erfolgen hat, dass auf Kooperation gesetzt und eine Verlagerung der Produktion vermieden werden muss. Sein Fazit stützte sich auf positive Signale aus Politik und Verbänden zum Kommissionsbericht: „Der ist ein Gewinn für uns alle.“