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Zuchtviehmärkte

Zuchtvieh im Geisterspiel

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Fritz Arnold
am Montag, 07.02.2022 - 06:28

Das führerlose Versteigern in der Rezathalle hat sich durchgesetzt. Die Rindfleischpreise machten einen deutlichen Schub nach oben.

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Auch wenn die Ränge bei den Zuchtviehmärkten den „Geisterspielen“ im Fußball derzeit ähnlich sind, bezeichnet der Rinderzuchtverband Franken das Marktgeschehen insgesamt positiv. Erstmals wurden in einem Jahr über 500 Zuchtbullen verkauft. Die Zahl der versteigerten Jungkühe stieg um 94 auf 1400 Stück.

Schon zum zweiten Mal konnte das große Treffen der mittelfränkischen Rinderzüchter nicht in Triesdorf stattfinden. Dabei hätte es vieles zu berichten gegeben. In einer Pressemitteilung hebt der Verband positiv hervor, dass die Rindfleischpreise einen deutlichen Schub nach oben machten und auch die Milchpreise endlich angezogen haben. Wie Verbandsgeschäftsführer Werner Hauck mitteilt, stiegen die Verkaufserlöse bei Zuchtvieh um 0,5 Mio. auf 17,1 Mio. €. Allerdings setzte sich der Strukturwandel weiter fort. Die Zahl der Herdbuchkühe reduzierte sich um 2500 Stück. Die Zahl der Zuchtbetriebe nahm um 132 ab.

Ansbach ist bayernweit mit großem Abstand der auftriebsstärkste Marktort. 40 bis 60 Zuchtbullen pro Monat können hier den Kaufinteressenten angeboten werden. Dafür dankt Geschäftsführer Werner Hauck allen Bullenaufzuchtbetrieben für deren hervorragende Präsentation der Tiere. Hauck hebt hervor, dass 45 Fleckviehbullen und drei Gelbviehbullen an die Besamungsstationen gingen.

Die nochmalige Steigerung auf 1400 verkaufte Jungkühe wertet Hauck als Beweis, dass sich der Marktort mit dem „führerlosen Versteigern“ endgültig durchgesetzt und etabliert hat. Bei Verkäufern und Käufern haben die Vorteile dieser Schiene gleichermaßen überzeugt. Die Qualität der aufgetriebenen Tiere mit durchschnittlich 31,3 kg Milch, 2,5 Kilo Minutengemelk und 662 kg Lebendgewicht sei absolute Spitze. Dies gelte auch für das Herrichten und die Präsentation der Tiere. Von den Käufern wurde dies mit einem Durchschnittspreis auf dem Markt von über 1700 € honoriert.

Kalbinnen ab Stall und im Export

Dass die Stückzahlen im Verkauf von Exportkalbinnen nochmals zurückgingen, ist das Ergebnis einer „unsäglichen, viel zu oft unsachlichen und einseitigen“ Diskussion, kritisierte Werner Hauck. Deshalb seien im vergangenen Berichtsjahr nur Länder im EU-Raum bedient worden. Er unterstrich, dass dies auch in Zukunft beibehalten werden solle. Nach seiner Überzeugung seien die absolut höchsten Standards in Bezug auf Tiertransport und Tierwohl gesichert. Mit einem „Echtzeitüberwachungssystem“, welches die deutschen Zuchtverbände auf eigene Kosten entwickelt haben, können die Tiere während des Transports ständig überwacht werden.
Ab Stall vermittelt werden hauptsächlich trächtige Färsen, auch von Aufgabebetrieben. Der Durchschnittspreis der 625 vermarkteten Tiere stieg leicht auf 1431 €.
Nicht gedeckt werden konnte die Nachfrage nach Jungrindern mit einem Absatz von 1782 verkauften Tieren. Der Anstieg der Stallvermittlung auf erstmals über 2500 Tieren zeige, dass diese von den Mitgliedsbetrieben ebenso geschätzt werde wie von den Kunden des RZV. Der Verband verstehe diese Schiene als Ergänzung zum Zuchtviehmarkt. Nach wie wird aber die Versteigerung bei Jungkühen als die ehrlichste Preisfindung angesehen und sollte daher Priorität haben, meint Hauck. Bei den Jungrindern sei die Stallvermittlung aber alternativlos.
„25 000 vermarktete Kälber im vergangenen Jahr zeigen, dass die Zusammenführung des Ansbacher und Dettelbacher Kälbermarktes hervorragend angenommen wurde“, stellt Hauck fest. So haben die zunehmenden Auftriebszahlen aus Unterfranken wieder zu Märkten mit bis teilweise 1000 Kälbern geführt.
Wie Zuchtleiter Albrecht Strotz im Jahresbericht bedauert, hätten letztes Jahr 132 Zuchtbetriebe die Milchviehhaltung aufgegeben. Darunter auch größere Betriebe, die durchaus als zukunftsfähig angesehen wurden. Damit habe sich der bereits länger anhaltende Trend nochmal verschärft. Neben wirtschaftlichen und familiären Gründen spiele hier sicherlich der gesellschaftliche Druck und die mangelnden Perspektiven aufgrund der politischen Entscheidungen eine wichtige Rolle, meint Strotz. Den Betrieb eingestellt haben auch acht Aufzuchtbetriebe.
Die Zahl der Herdbuchkühe ist im letzten Jahr um 2916 Tiere zurückgegangen. Der Trend, dass von den weiter bestehenden Betrieben kaum mehr Investitionen in Stallerweiterungen oder -neubauten getätigt werden, setzte sich weiter fort. Dem Rückgang der Tiere bei den ausscheidenden Betrieben stehen daher kaum Aufstockungen bei den bestehenden Betrieben gegenüber. Der Herdbuchkuhbestand umfasste am 30. September 2021 insgesamt nur noch 94 401 Kühe.