Das ist ein Artikel vom Top-Thema:

Rinderzucht

Zuchtverband sieht großes Potenzial für Zuchtbullen

Durften die Auszeichnungen „Positive Vererber“ entgegennehmen: (vorne ab 2. v. l.) Daniel Dürr (Kaltensondheim, Lks Kitzingen), Ramona und Dominik Herrmann (Wolkshausen, Lks. Würzburg), Alexander Neuberger (Berndiel, Lks. Miltenberg). Mit ihnen freuten sich (v. l.) Eva Espert (Geschäftsführerin RZV) und in der hinteren Reihe Karlheinz Gayer (neuer Zuchtleiter), Lothar Ehehalt (Vorsitzender RZV) und Albrecht Strotz (zum Jahresende 2022 ausgeschiedener Zuchtleiter).
Sabine Dähn-Siegel
am Mittwoch, 25.01.2023 - 13:51

Bei der gemeinsamen Mitgliederversammlung vom Rinderzuchtverband Franken und vom Milcherzeugerring Unterfranken stellt Karlheinz Gayer seine Pläne vor.

Estenfeld/ Lks. Würzburg Gemeinsam zogen der Rinderzuchtverband (RZV) Franken und der Milcherzeugerring (MER) Unterfranken Bilanz. Die war aus der Sicht von Lothar Ehehalt, Vorsitzender in beiden Organisationen, durchaus positiv: Trotz gestiegener Kosten bei Futtermitteln und Dünger sei es für die Rinderhalter „ein gutes wirtschaftliches Jahr“ gewesen mit der Möglichkeit, sich ein finanzielles Polster zu schaffen.

Auch die Situation am Milchmarkt sorge aufgrund der steil nach oben gegangenen Preise und der gegenüber dem Vorjahr um fünf Prozent gestiegenen Milchanlieferung für Zufriedenheit. Dem gegenüber ständen durch Krieg, wachsende Weltbevölkerung, Flächenverbrauch, Düngeverordnung und vor allem die (mangelnde) Wertschätzung der Landwirtschaft in der Bevölkerung verursachte Probleme, sagte Ehehalt.

Wie Fachberater Klaus Förster vom AELF Kitzingen-Würzburg berichtete, standen Ende September 2022 rund 20 700 Kühe in 302 Betrieben. 86,6 % der Kühe in Unterfranken (bayernweit 83,9 %) standen in Laufställen. Deren Zahl ist in den letzten zehn um 35 auf 196 gesunken. Die Zahl der Anbindeställe nahm im gleichen Zeitraum von 423 auf 105 ab.

Milchleistung sinkt über alle Rassen hinweg

Erfolgreiche Jungzüchter: Auszeichnungen des RZV für die Leistungen bei der Jungzüchter-Night-Show in Wertingen gab es für Marie  und Lilli Poppe, die Christine Demel-Zenk entgegen nahm (l.). Weitere Auszeichnungen gingen an Miriam Weigand (3. v. r.) aus Iphofen (Lks. Kitzingen) und Michael Nagler (r.) aus Martinsheim (Lks. Kitzingen). Es gratulierten Eva Espert (3. v. l.), Zuchtleiter Karlheinz Gayer (2. v. l.) Lothar Ehehalt (4. v. l.) und  Albrecht Strotz (2. v. r.).

In der Milchleistung nimmt der Regierungsbezirk Unterfranken innerhalb von Bayern mit durchschnittlich 8632 kg Milch je Kuh einen Spitzenplatz ein. Über alle Rassen hinweg ist wie im gesamten Bayern auch, die Milchleistung gesunken. Grund dafür ist die trockenheitsbedingte auf die schwierige Futtersituation. Milchleistungsmäßig dominiert im Regierungsbezirk Unterfranken Schwarzbunt (10.082 kg), gefolgt von Rotbunt (9097 kg) und Fleckvieh (8075 kg). Platz vier belegt Gelbvieh (5595 kg). Rassenmäßig führt Fleckvieh (66 %), gefolgt von Schwarzbunt (28,5 %), Rotbunt (2,8 %) und Gelbvieh (1,7 %).

Beeindruckende Zahlen zeigte Försters Blick auf die besten Betriebe in Unterfranken 2022. Jeweils Platz eins belegten:

  • Fleckvieh: Dürr, Kaltensondheim, (11.532 kg Milch, 934 kg F+E),
  • Gelbvieh: Helm. und H. Weigand, Dornheim, (6507 kg Milch, 508 kg F+E);
  • Holstein: Demling, Herschfeld, (14.090 kg Milch, F+E 1081 kg).

Auch bei der Vorstellung der höchsten Lebensleistungen ging ein anerkennendes Raunen durch den Saal:

  • 149.931 kg Milch bei einer Fleckvieh-Kuh (Abschl. 13,3 Jahre, 12 Kälber) von Karl Kilian, Nenzenheim,
  • 78.406 kg Milch bei einer Gelbvieh-Kuh (Abschl. 8,9 Jahre, 8 Kälber) von Edgar Hämmelmann, Stadelhofen,
  • 154.350 kg Milch bei einer Holstein-Kuh (Abschl. 14,4 Jahre, 9 Kälber).

Einen Kurzbericht zu aktuellen politischen Themen gab Paul Lehrieder, MdB. Der unterfränkische BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler bezeichnete die die Düngeverordnung weiterhin als ein „Fass ohne Boden“. Für die Roten Gebiete sei langfristig angestrebt, neue Messstellen auszuweisen.

Dank an Albrecht Strotz

Eine gute Entwicklung bescheinigte Vorsitzender Lothar Ehehalt dem RZV. Maßgeblich daran beteiligt gewesen sei Albrecht Strotz. Er war zwölf Jahre Zuchtleiter für Fleck- vieh, Gelbvieh und Holsteins in zwei Regierungsbezirken und ist zum Jahresende aus dem Dienst geschieden. „In gewisser Weise ist Strotz auch einer der Wegbereiter für die Fusion der beiden Zuchtverbände Mittelfranken und Würzburg gewesen“, sagte Ehehalt. Im züchterischen Bereich habe er sich nicht nur auf bayerischer Ebene einen hervorragenden Ruf erarbeitet.

Den Nutzen und die Chancen aber auch die Risiken der genomischen Selektion habe Strotz frühzeitig erkannt und für die Züchter Projekte analysiert wie FleQs (Fleckvieh-Kuh (Q)-Stichprobe) oder das aktuelle Gesundheits-Zuchtprogramm GuR, das helfen soll, die Gesundheit und Robustheit der Kühe zu verbessern. Diesen Einsatz würdigte der Verbandsbeirat bereits in Form der silbernen Verbandsmedaille und der Verleihung der Ehrenmitgliedschaft für Strotz.

Gayer leitet jetzt die Zucht

Als dessen Nachfolger stellte sich Karlheinz Gayer vor. Der 37-Jährige war zuletzt in Kempten stellvertretender Zuchtleiter Braunvieh und Ansprechpartner für die Fleckviehhalter im Allgäu, seit August 2022 ist er in Ansbach tätig. Gayer sieht beim RZV Franken dank hohem Bullenmutterbestand hohes Potenzial für Zuchtbullen. Die bisher guten Jungrindertypisierungen ließen den Anteil guter Jungkühe im Zuchtprogramm steigen.

Bereits 152 Betriebe lassen weibliche Tiere typisieren, Ziel seien jedoch 300 Betriebe. Bestandstypisierungen erfolgen laut Gayer in 27 Betrieben, es wurden 290 Embryonentransfers durchgeführt. Durch den Einsatz von 131 verschiedenen Bullen im ET-Programm sind genetische Varianz und Linienvielfalt gewährleistet. Schließlich ist die Anzahl hornloser Tiere und reinerbig hornloser Bullenkälber gestiegen. Gayer erwartet, dass heuer 70 Betriebe mit 7000 Kühen am GuR-Programm teilnehmen. Mittelfristig sollen circa 20 % der HB-Kühe daran teilnehmen. Für 2024 können sich noch weitere Betriebe melden.

Urkunden für Teilnahme an Tierschauen

Die Ehrungen nahmen Gayer und sein Vorgänger Strotz gemeinsam vor: Gleich drei Urkunden erhielt Frank Johannes aus Bad Neustadt-Brendlorenzen für die erfolgreiche Teilnahme an der Tierschau im Oktober 2022. Urkunden für die Teilnahme an der Bayerischen Jungtierzüchterschau im Juni in Wertingen gingen an Lilli und Marie Poppe (beide Karlstadt), Miriam Weigand (Iphofen) und Michael Nagler (Martinsheim).

Für das Hervorbringen positiver Vererber durften Daniel Dürr (Kaltensondheim), Ramona und Dominik Herrmann (Wolkshausen) und Alexander Neuberger (Berndiel) Ehrungen entgegennehmen.