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Landfrauen

„Wir wollen fair behandelt werden“

Landfrauentag-AB-Bessenbach_LF
Marion Stahl
am Freitag, 03.04.2020 - 09:31

Beim Landfrauentag 2020 unter dem Motto „Hast du Angst – sei mutig“ in der Bessenbachhalle zog sich eine zentrale Forderung wie ein roter Faden durch alle Redebeiträge: Die Arbeit der Bauern und die Qualität ihrer Produkte mehr zu schätzen.

Bessenbach/ Lks. Aschaffenburg - „Wir wollen fair behandelt werden“, brachte Kreisbäuerin Wilma Jakob vor rund 200 Landfrauen und zahlreichen Ehrengästen die Sorgen der Landwirte auf den Punkt. Das fange bei der neuen Düngeverordnung an, gehe weiter mit den ständig steigenden Auflagen und reiche bis zu den billigen Lebensmitteln. Mittlerweile müssten deswegen täglich Milchviehbetriebe in Bayern schließen. Jakobs Anliegen war daher insbesondere die Bereitschaft der Verbraucher, mehr Geld für Lebensmittel auszugeben.

Der doppelzüngige Verbraucher

„Es geht nicht, dass alle ‚Fridays for Future‘ rufen und das Billigfleisch beim Discounter kaufen“, bestätigte die bayerische Digitalministerin Judith Gerlach (CSU) und machte den Landwirten Mut, zu ihren Forderungen zu stehen. „Mehr Respekt für die Landwirtschaft“ forderte auch die SPD-Landtagsabgeordnete Martina Fehlner. Das Bewusstsein, dass „Lebensmittel ihre Preise haben“, entstünde aber nur, wenn alle an einem Strang zögen.

„Sie gestalten vor Ort unsere Region mit“, wandte sich Bezirksbäuerin Maria Hoßmann an die Landfrauen, immer weiter den Dialog mit den Verbrauchern zu suchen. Und damit laut Bernhard Schwab vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Karlstadt, auch Familien regionale und saisonale Produkte noch mehr bevorzugen, sollten die Besuche von Kindergarten- und Schulkindern auf Bauernhöfen ausgeweitet werden.

Tragende Säule der Gesellschaft

Bessenbachs Bürgermeister Franz Straub (CSU) hob hervor, dass die Landwirte eine tragende Säule der Gesellschaft seien und bei ihnen auch die Nachhaltigkeit groß geschrieben werde: „Sonst gäbe es keine Produkte mit so guter Qualität.“

Eröffnet wurde der Landfrauentag mit einem Wortgottesdienst, bei dem Pfarrerin Ulrike Gitter (Aschaffenburg) und Diakon Michael Völker (Aschaffenburg-Schweinheim) mithilfe einer Hoffnungskerze Teelichter auf den Tischen entzündeten. Den musikalischen Rahmen dazu gaben Natalie Himmelsbach und Gudrun Schüler.
Abgerundet wurde der offizielle Teil von Franziskanerpater Christoph Kreitmeir und seinem Vortrag zum Motto des Landfrauentages. Er führte aus, dass er als Klinikseelsorger in Ingolstadt täglich mit der Angst konfrontiert werde; aktuell vor allem wegen des Coronavirus. Zur Angst gehöre aber auch der Mut und der sei wie ein Muskel: „Je mehr der Mut trainiert wird, desto mehr erschlafft die Angst.“ Und es wachse das Selbstvertrauen, so dass auch unkonventionelle Entscheidungen wie bei den Biobauern, die vor 20 Jahren noch belächelt worden seien, möglich würden.