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Reaktionen

Nach Wolfsrissen: BBV sieht rote Linie überschritten

Canis lupus
Philipp Seitz
am Freitag, 07.01.2022 - 17:06

BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler fordert nach den jüngsten Untersuchungsergebnissen des LfU Konsequenzen. Diese seien überfällig.

München - Eine rote Linie ist überschritten: Das sagt BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler, nachdem das Landesamt für Umwelt (LfU) mitgeteilt hat, dass ein einzelner Wolf in Oberbayern gleich eine ganze Reihe an Tieren gerissen hat. Dies bestätigte laut LfU die entsprechende Genanalyse. Demnach ist der Wolf für mehrere Übergriffe im Dezember im östlichen bayerischen Alpenraum verantwortlich.

Letztendlich sei für ihn nun eine rote Linie überschritten, weil amtlich bestätigt sei, dass ein Wolf für fünf verschiedene Ereignisse verantwortlich ist, sagte BBV-Umweltpräsident Stefan Köhler am Freitag dem Bayerischen Landwirtschaftlichen Wochenblatt. Köhler forderte nun eine umgehende Reaktion: „Jetzt muss endlich gehandelt werden, ob mit Vergrämung oder notfalls der Entnahme des Problemtieres."

Scharfe Kritik vom BBV-Umweltpräsidenten

Gleichzeitig kritisierte Köhler, dass der Staat auf die aktuelle Situation „völlig unvorbereitet“ sei. „Während ein Wolf beinahe täglich Nutztiere reißt und sich somit immer mehr auf Nutztiere in der Nähe von häuslichen Behausungen spezialisiert, redet das LfU gebetsmühlenartig von Einstallung oder wolfsabweisenden Zäunungen“, sagte Köhler. Es werde dabei „auf die doch so großzügige Fördermöglichkeit durch die Förderrichtlinie Investition Herdenschutz Wolf“ verwiesen. Dabei werde laut dem unterfränkischen BBV-Bezirkspräsidenten aber „völlig vergessen beziehungsweise ignoriert, dass eine Zäunung im Winter mit höheren Schneemengen überhaupt nicht möglich, so kurzfristig im Winter auch nicht umsetzbar ist“. Es werde auch nicht geprüft, ob generell eine abweisende Zäunung überhaupt zumutbar gewesen wäre. Die Mitteilung des LfU würde, wie Köhler sagt, „während der Weidezeit passen, ist aber in den Wintermonaten völlig praxisfern und unrealistisch“.

BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler

Gleichzeitig übte Köhler Kritik an der bisherigen Informationspolitik: Runde Tische zur Information der Betroffenen seien vor Ort nicht organisiert worden, Informationen kämen überhaupt nur sehr spärlich beziehungsweise nur auf intensive Nachfrage an. Er stelle sich die Frage, sagt Köhler, ob so also der Aktionsplan Wolf umgesetzt werden soll – und stellt gleich eine ganze Reihe an Fragen: „Wo bleiben die Kulissen der Weideschutzkommission? Sie kann man aktuell nicht einmal im Ibalis finden. Was muss noch passieren, bis wichtige Entscheidungsgremien tagen um auch zu handeln?“

Das Fazit von Köhler fällt sehr deutlich aus: „Man war über die Weihnachtsfeiertage absolut handlungsunfähig.“ Die Betroffenen seien vor Ort mit ihrer Angst alleine gelassen worden. „Für uns als Verband Grund genug, die Evaluierung des Aktionsplans einzufordern um im Frühjahr 2022 noch vor der neuen Weidesaison ganz klare Vorgehensweisen und Leitpläne zu erarbeiten. Wenn man einen Problemwolf hat, muss auch entschieden gehandelt werden. Diskutiert wurde bisher ja genug“, sagt Köhler. So seien bereits im Aktionsplan Wolf auf Seite 43 verschiedene Szenarien und Handlungsmöglichkeiten beschrieben. Für Köhler ist klar: Nun müsse gehandelt werden – ob mit Vergrämung oder notfalls der Entnahme des Problemtieres.