Weidehaltung

Wolfsrisse beschäftigen die Landwirte

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Stephan Herbert Fuchs
am Freitag, 14.05.2021 - 12:39

Staatsministerin Michaela Kaniber diskutierte mit oberfränkischen Landwirten. Eines wurde dabei klar: Es muss dringend eine Lösung her.

Bayreuth Die Wolfsrisse bei Betzenstein beschäftigen die Landwirte in Oberfranken derzeit wie kein anderes Thema. Es gab kaum einen Redner, der sich bei einer von der Landtagsabgeordneten Gudrun Brendel-Fischer initiierten Online-Konferenz mit Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber nicht zum Wolf äußerte.

Eines wurde dabei klar: Es muss dringend eine Lösung her. Andreas Weidinger, Landwirt aus Weidensees bei Betzenstein, hat beispielsweise Angst um seinen Milchviehbetrieb. Eine wolfssichere Einzäunung, so hat er es errechnen lassen, würde ihm rund 100 000 € kosten. „Wenn die Gesellschaft den Wolf will, müssen wir das irgendwie schultern können“, sagte er. Dabei ist längst nicht erwiesen, ob die Einzäunung überhaupt etwas nützt. Ein 30 cm tiefer Untergrabungsschutz spiele für den Wolf keine Rolle. „Da gräbt er sich locker durch“, sagte Christian Leißner aus Riegelstein. Er ist einer der betroffenen Landwirte, in seinem Damwildgehege sind vor wenigen Wochen sieben Tiere, im benachbarten Illafeld 18 Tiere dem Wolf zum Opfer gefallen. Auch die geforderte Höhe von zwei Metern für einen Schutzzaun zweifelt Leißner an, weil der Wolf da ohne weiteres drüber springen könnte. „Bei uns läuft der Wolf mittlerweile kreuz und quer durch die Gegend, sogar tagsüber.“

Kritik an doppeldeutiger Haltung

Ministerin Michaela Kaniber übte Kritik an der doppeldeutigen Haltung in weiten Teilen der Gesellschaft: „Auf der einen Seite will man die Weidetierhaltung, auf der anderen Seite will man den Wolf.“

Knaiber

Sie plädierte unter anderem für ein europaweites Wolfsmonitoring, denn schließlich mache der Wolf ja nicht vor Grenzen halt. Darüber hinaus müsse der Schutzstatus des Wolfes abgesenkt werden, um weitere Entnahmen herbeizuführen, denn schließlich könne man in vielen Lagen Bayerns gar keine Zäune errichten. Kaniber gab aber auch zu bedenken, dass übergriffige Wölfe schon jetzt entnommen werden könnten.

Ein Reizwort für viele Bauern ist, und auch das wurde bei der Konferenz wieder einmal deutlich, der Begriff Tierwohl. „Wir haben beste Betriebe, die alle wahnsinnig viel Geld investiert haben“, sagte Hans Engelbrecht. Mit völlig überzogenen Forderungen habe man bereits die Hühnerhaltung aus Deutschland vertrieben, bei den Schweinen sei man gerade dabei, und mit dem Verbot der Anbindehaltung drohe dieses Schicksal auch der Milchviehhaltung. „Da haben viele die Schnauze voll und hören auf“, sagte Engelbrecht.

Bauern benötigen Planungssicherheit

Damit das nicht passiert, benötigten die Bauern Planungssicherheit für die nächsten zehn bis 15 Jahre, so Jens Pöhlmann, 24 Jahre jung und frischgebackener Landwirtschaftsmeister. Er investiere gerade eine beträchtliche Summe in einen neuen Milchviehstall und da sei es Voraussetzung, dass die derzeitigen Auflagen Bestand haben. Keinesfalls dürfe das Hamsterrad mit immer neuen Anforderungen immer schneller gedreht werden, wie es Reinhard Sendelbeck vom Maschinenring Bayreuth-Pegnitz formulierte.

„Wir wollen so viele bäuerliche Betriebe wie möglich in die Zukunft führen“, sagte Kaniber und versprach für menschliche und wirtschaftlich gute Rahmenbedingungen zu kämpfen. Sie gab aber auch zu bedenken, dass letztlich der Verbraucher an der Ladentheke die Entscheidung treffe und dass man sich einem gewissen gesellschaftlichen Wandel stellen müsse. Der Fleischkonsum gehe insgesamt zurück, alternative Nahrungsmittel nähmen eher zu.

Die Chefredakteure der drei großen Agrarmedien agrarheute, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt sowie LAND & FORST zeigen die Problematik rund um den Wolf in einem Video auf. Hier sehen Sie das Video:

Heftige Kritik gab es in der Diskussion auch an der weiter fortschreitenden Konzentration des Lebensmitteleinzelhandels. Er könne die Entscheidung des Bundeskartellamtes nicht nachvollziehen, nach der Edeka nun auch einen Teil der Real-Märkte übernehmen darf, sagte Markus Täuber aus Hollfeld, der eine weitere Monopolstellung befürchtete. Das Kartellamt arbeite autonom, entgegnete die Ministerin. Da seien der Politik die Hände gebunden.
Sie verfolge derzeit allerdings einen anderen Ansatz, in dem sie sich zusammen mit dem Lebensmitteleinzelhandel für Produkte aus dem Freistaat stark machen möchte. So soll ein Modellprojekt des Discounters Lidl mit einem eigenen Bayern-Regal aufgrund seines großen Erfolges nun auf den gesamten Freistaat ausgedehnt werden. „Ich kämpfe für Bayern“, sagte Kaniber, die den Landwirten gerade in der Krise höchste Anerkennung zollte. Die Sorge, dass Lieferketten abreißen und die Lebensmittelversorgung in Gefahr gerät, sei aufgrund der großen Leistung der bayerischen Landwirte völlig unbegründet gewesen.