Problematik

Wolfsichtungen sorgen für große Verunsicherung

Wolf
Lorenz Märtl
am Donnerstag, 22.04.2021 - 15:57

Der BBV Nürnberger Land diskutiert die Wolfsprobleme und kümmert sich um Nachweis-Kits. Der Aktionsplan Wolf für Bayern sei unzureichend.

Nürnberger Land Die vermehrten Wolf-Sichtungen und Risse in Beständen von Tierhaltern am Rande des Veldensteiner Forstes sorgen im Nürnberger Land für große Verunsicherung. Muss noch mehr oder Schlimmeres passieren, bis an verantwortlichen Stellen Handlungsbedarf gesehen wird?

Eine Frage, die bei dem von der Landfrauengruppe Nürnberger Land initiierten und vom BBV-Kreisverband organisierten Online-Seminar zur Thematik immer wieder aufgeworfen wurde. Mehr als 100 Teilnehmer konnten aus einer Reihe von Fachvorträgen geballtes Wissen schöpfen, das mit den Geschehnissen vor Ort die Grundlage für eine engagierte Diskussion bis kurz vor Mitternacht war. „Zustände, die so nicht bleiben können und klare Antworten erfordern, denn die Menschen sind verunsichert“, formulierte es einleitend Mittelfrankens BBV-Präsident und Kreisobmann Günther Felßner, der dazu aufforderte, „dem Wolf zu zeigen, wo er hingehört.“

Wolfsrisse selbst begutachten

Leichter gesagt als getan, denn der Wolf ist nicht nur durch die 1979 verabschiedete Berner Konvention geschützt, er hat auch eine sehr starke Lobby, die sich auf seinen rechtlich verbindlichen Schutzstatus, festgeschrieben in der 1992 unterzeichneten FFH-Richtlinie, beruft. Georg Scheuring, der sich als BBV-Geschäftsführer in Bad Kissingen seit 2017 intensiv mit dem Thema beschäftigt und im BBV als anerkannter Experte gilt, machte deutlich, dass trotz Schutzstatus Entnahmemöglichkeiten bestehen: „Zur Verhütung ernster Schäden insbesondere an Kulturen und in der Tierhaltung“ oder „im Interesse der Volksgesundheit und der öffentlichen Sicherheit“.

Die Chefredakteure der drei großen Agrarmedien agrarheute, Bayerisches Landwirtschaftliches Wochenblatt sowie LAND & FORST zeigen die Problematik rund um den Wolf in einem Video auf. Hier sehen Sie das Video:

Ein Wolfsriss, so Scheuring, könne am sichersten durch eine DNA nachgewiesen werden, aber die Beweisführung sei ein „sehr schwieriges Kapitel“. Immer wieder werde von Problemen berichtet, dass Proben nicht auswertbar sind, Kadaver verschwinden und Füchse angeblich Nutztiere reißen.

Das, so ergänzte Günther Felßner, sei auch nach dem Vorfall in Höflas so gewesen. „Ohne eine Beprobung durch uns selbst – vorgenommen von Andreas Geistmann und einer Tierärztin und ausgewertet in einem unabhängigen Labor – wäre bis heute kein Wolf als Verursacher nachgewiesen, denn die LfU-Experten sagten es war kein Wolf.“ Scheuring warb für die Qualifizierung eigener Rissbegleiter seitens des BBV, mit dem Ziel rechtssichere B-Proben zu nehmen und dem Rissbegutachter des Netzwerks „große Beutegreifer“ auf die Finger zu schauen.

Der BBV-Kreisverband Nürnberger Land hat nach den jüngsten Vorfällen reagiert und neben der Anschaffung entsprechender DNA-Testkits die Schulung eines hauptamtlichen Mitarbeiters der Geschäftsstelle und von Andreas Geistmann als Ehrenamtlicher in die Wege geleitet.

Aktionsplan Wolf unzureichend

Martin Erhardsberger, zuständiger Referent im BBV-Generalsekretariat in München, bezeichnete den Aktionsplan Wolf für Bayern als unzureichend, vor allem in Hinblick auf die Möglichkeiten zur Bestandsregulierung. Zudem werde der Eindruck erweckt, die Situation wäre für Tierhalter leicht zu bewältigen. Trotzdem zeige der Plan einige positive Ansätze, vor allem das deutliche Bekenntnis zur Weidehaltung.

Wolfseminar-BBV-Nürnberger-Land_B

Ausführlich diskutierte man die Förderung von möglichen Schutzmaßnahmen innerhalb der vom Landesamt für Umwelt festgelegten Kulisse. Günter Herkert, technischer Leiter einer Fachfirma und Mitautor des DLG-Merkblatts Herdenschutz sagte, dass Elektrozäune zum Schutz eingezäunter Nutztiere vor dem Wolf in der Regel deutlich preiswerter sind als Zäune ohne Strom. Der Elektrozaun sei eine psychologische Barriere. Er müsse deswegen so konzipiert sein, dass der erste Stromschlag, den ein Tier am Zaun verspüre, die volle Wirkung entfaltet.

Die Europaabgeordnete Marlene Mortler bemängelte den fehlenden Managementplan. Hier wurden auf Bundesebene bisher die Hausaufgaben nicht gemacht. Kreisobmann Günther Felßner bekräftigte abschließend die Forderung, den Wolf in das Jagdrecht aufzunehmen, „denn sein Bestand ist längst nicht mehr gefährdet“. Zudem müsse man die bereits jetzt mögliche Entnahme von Problemwölfen umsetzen.