Oberpfalz

Wildhaltung: Eine hochwertige Nische

Helga Gebendorfer
am Freitag, 20.12.2019 - 08:16

Die Oberpfälzer Wildhalter treffen sich zur Regionalversammlung.

Oberpfalz

Amberg - Wir blicken wieder auf ein Trockenjahr zurück. Viele Gehegebesitzer hatten erneut das Problem, dass der Grünland-Aufwuchs mehr oder weniger nicht ausreichte und eine Zufütterung unumgänglich war, um die Tiere satt zu bringen“, erklärte Vorsitzender Martin Biegerl bei der Regionalversammlung der Oberpfälzer Wildhalter in Heinzhof im Landkreis Amberg-Sulzbach.

Er rief seine Kollegen auf, das Gehegebuch mit Aufzeichnungspflicht von Datum, Tierbestand, Vermerk Abschuss bis zur Abgabe an die Erzeugergemeinschaft oder in der Direktvermarktung sorgfältig zu führen. „Die Demonstrationen für die Landwirtschaft verbinden. Auch die Wildhalter sind Teil der Aktion“, betonte der Vorsitzende.

Die Zahl der Aktivitäten im Jahr 2019 kann sich sehen lassen. So fand ein Stammtisch in Form eines Frühschoppens bei Gerhard Wagner in Rettenbach statt. Außerdem gab es einen Lehrgang Wildvermarktung an der Hofladentheke mit Grillspezialitäten in Oberviechtach. Darüber hinaus wurde eine Lehrfahrt nach Österreich und Ungarn zusammen mit den fränkischen Wildhaltern unternommen. Schließlich wurde zusammen mit den Schäfern ein Wolf-Mahnfeuer in Greding ausgerichtet. Zudem machte Biegerl auf die Vermarktungsmöglichkeit von Abwurfstangen mit Details auf der Homepage des Verbandes sowie auf die Bundesfachtagung Ende April 2020 aufmerksam.

Beim Ausblick auf das nächste Jahr informierte der Vorsitzende, dass wieder Stammtische mit Gehegebesichtigung geplant sind. Schon jetzt lud er auch zur Lehrfahrt ein, die eventuell nach Tschechien gehen soll. „Verfolgen und füttern Sie die Landesverband-Homepage mit sämtlichen Aktivitäten und Veranstaltungen. Das sorgt für mehr Austausch und Belebung der Zusammenarbeit zwischen den Wildhaltern“, erklärte er und gab bekannt, dass derzeit überlegt wird, zusätzlich eine Whats-App-Gruppe einzurichten. „Wir versuchen alles, um neue Mitglieder zu werben. Im Moment sind in Bayern rund 2300 Wildgehege beheimatet. Rund 697 davon, 82 aus der Oberpfalz, gehören dem Verband an“, teilte er mit. Er regte seine Kollegen an, die zuständigen Fachberater mit ihrem Wissen und durch deren Beratung verstärkt zu fordern. Am Schluss appellierte er, Wildspezialitäten in der Direktvermarktung nicht unter Marktpreis zu verkaufen. „Wildfleisch ist ein hochwertiges Nischenprodukt. Qualität und entsprechende Verarbeitung für die Kunden haben höchste Priorität“, meinte er.

Max Weichenrieder, Vorsitzender des Landesverbandes Bayerischer landwirtschaftlicher Wildhalter, hatte einige Informationen mitgebracht. „Wir brauchen den Wolf nicht. Zwar gibt es in Deutschland durchaus Gebiete, wo er leben kann, aber außerhalb dieser Regionen gilt es, einzugreifen und ihn zu bejagen – ähnlich wie beim Rotwild“, lautete seine Meinung. „Es sind noch viele Fragen offen, die klar geklärt werden müssen“, so Weichenrieder im Hinblick auf den Wolfsmanagementplan.

Eine positive Meldung bezog sich auf das EU-Hygienepaket. „Ab Mitte Dezember soll es nur noch den ovalen Stempel geben, der signalisiert, dass das Fleisch im EU-Bereich vermarktet werden kann“, verkündete er. Das bedeutet wesentliche Erleichterungen für viele Betriebe.

„Wir müssen in Zukunft wieder mehr Bodenkunde betreiben. Die Böden sind unser wichtigstes Gut“, stellte Biegerl bei der Hinführung zum Hauptreferat fest. Um mehr über diese Thematik zu erfahren und auch die Wildhalter zu sensibilisieren, war Biolandwirt Josef Hägler aus Deindorf zu Gast. Er befasste sich in seinem Vortrag mit der Regeneration von gestresstem Dauergrünland, insbesondere nach extremen Dürreperioden.