Biogasblühfelder

Wertvolle Vielfalt säen und Energie ernten

Blühfelder_LF
Regina Vossenkaul
am Freitag, 28.05.2021 - 12:29

Der Umweltminister spricht sich für die Aufnahme der Biogasblühfelder ins Kulap aus. Es werde wertvoller Lebensraum geschaffen.

Bad Königshofen/Lks.Rhön-Grabfeld Einen ganzen Tag widmete Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) einer Rhön-Tour und den Themen Tourismus, Biodiversität und naturverbundene Energiegewinnung. Neben dem Biosphärenreservat und dem Schwarzen Moor interessierte sich der Minister auch für das Projekt Biogasblühfelder der Landwirte, an einem Beispiel in Bad Königshofen–Ipthausen, das von Projektleiterin Michaela Stäblein von der Agrokraft betreut wird.

Vielfalt säen, Lebensraum gestalten, Energie ernten – das steht auf dem Schild in Ipthausen, wo eines der Biogas-Blühfelder in Sichtweite der Biogasanlage Bad Königshofen, betrieben von einer Genossenschaft von 40 Landwirten, liegt. Mit Minister Glauber trafen sich vor Ort viele Beteiligte. Allerdings waren wegen des kühlen Wetters noch keine Blüten vorhanden. Um einen Vorgeschmack zu geben, waren Bilder von blühenden Stauden auf dem Feld zu sehen.

Alternative zum Mais schaffen

Nach einer Einführung durch BBV-Kreisgeschäftsführer Michael Diestel erläuterte BBV-Kreisobmann Mathias Klöffel die Entwicklung des Projekts. Die Idee war, eine Alternative zum Mais zu schaffen, die gleichzeitig mehrere positive Aspekte für die Umwelt mit sich bringt und Grüngut für die Biogasanlagen wachsen lässt. Wie Diestel erläuterte, hat Cornelia Marzini von der Landesanstalt für Wein und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim eine geeignete Samenmischung zusammengestellt.

Umweltminister Thorsten Glauber

Die Landwirte stellten dafür anfangs 20 ha zur Verfügung, steigerten sich aber auf aktuelle 120 ha, nachdem mit Hilfe einer Geberkonferenz die finanziellen Anfangsschwierigkeiten gemeistert werden konnten. Der Bayerische Naturschutzfonds, deren Vorsitzende Ulrike Lorenz auch beim Treffen in Ipthausen anwesend war, unterstützt das Projekt. Die Blühpflanzen werden einmal im Herbst geerntet und liefern ungefähr die Hälfte der Methanausbeute, die mit Mais zu erzielen ist. „Hier sind BBV und Bund Naturschutz an einem gemeinsamen Projekt beteiligt“, sagte Diestel.

Der BBV als Türöffner

Thorsten Glauber hat es wegen der Coronapandemie erst im vierten Anlauf geschafft, nach Bad Königshofen zu kommen. Das Blühflächenprojekt sei ein Paradebeispiel dafür, wie es gelingen kann, klimaneutral zu leben. Um genügend Elektrizität für die zukünftige Stromgesellschaft zu erzeugen, könne man auf Biogas nicht verzichten, zumal es speicherbar und grundlastfähig sei. „Sonne, Wind und Biogas gehören zum Energiemix dazu.“ Bis 2023 gehe man den Weg gemeinsam mit dem Naturschutzfonds, dessen Unterstützung Glauber „klug angelegtes Geld“ nannte. Der BBV sei hier ein Türöffner für dieses Musterbeispiel. Er hoffe, dass die Blühfelder ins Kulap aufgenommen werden.

Cornelia Marzini berichtete, dass hier schon ein Update der Pflanzenmischung im zweiten Jahr wachse. Erwartungsgemäß setzen sich nun die Stauden durch. Aufgrund der Trockenheit in den letzten Jahren wurde die Samenmischung um Pflanzen aus den östlichen Steppengebieten ergänzt, die mit Trockenheit gut umgehen können. Ziel ist es, die Blütezeit nach hinten zu ziehen, damit auch dann, wenn die Felder abgeerntet sind, Nahrung und Unterschlupf für die Tiere vorhanden sind. Auch nach dem Abmähen gibt es einige Nachblüher. Die sinkende Biodiversität soll aufgehalten werden, dafür sind anfangs 30 Arten ausgesät worden, die sich in den Folgejahren auf ungefähr 10 Arten verringern.

Kreisbäuerin Margit Ziegler berichtete von den ersten Erfahrungen, als die Blühmischung sehr spät keimte und man Geduld aufbringen musste, bis die ersten Erfolge zu sehen waren. Das Feedback der Bevölkerung war enorm, besonders beim Sammeln von Kräutern für die Kräuterweihe griffen die Leute zu, Spaziergänger freuten sich über die vielfältige Blütenpracht. Was Sorge bereitet, ist die Vorschrift, dass Ackerflächen, die auf diese Weise genutzt werden, nach fünf Jahren auf Grünland zurückgestuft werden. Es wäre fatal, wenn die Blühflächen, die auf sieben bis acht Jahre ausgelegt sind, nach fünf Jahren umgebrochen werden müssten.

Dieser Ansicht schlossen sich Annette Seehaus-Arnold, Vorsitzende des Berufsimker-Verbands, der Ornithologe Karl Schwarz, Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz in Bayern, und Unterfrankens BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler an.