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Wettbewerb

Wertvolle Ackerschätze gesucht

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Stephan Stöckel
am Freitag, 20.03.2020 - 05:58

Wo in Oberfranken wachsen die seltensten Wildkräuter?

Ebensfeld/Lks. Lichtenfels - Acker-Rittersporn, Bauernsenf oder Frauenspiegel sind unscheinbar und selten. Diese und viele andere Ackerwildkräuter stehen im Rampenlicht eines Wettbewerbs für Landwirte in Oberfranken. Für Maike Fischer vom Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) bringen sie ein Stück Unordnung auf den Acker. „Das ist gut für die Natur“, sagte sie bei einem Pressegespräch im Ebensfelder Rathaus.

Auch der BBV unterstützt die gemeinsame Aktion von DVL, Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Bioland-Verband und Bund Naturschutz in Bayern (BN). Kreisobmann Michael Bienlein hatte in einem Schreiben, das sein Stellvertreter Lother Teuchgräber verlas, betont, dass den Landwirten nicht an der Zerstörung der heimischen Flora und Fauna gelegen sei, sondern man im Einklang mit der Natur produziere. „Ob konventioneller oder ökologischer Landbau – wir kümmern uns um unsere ökologischen Schätze“, heißt es darin wörtlich. Teuchgräber begrüßte den Wettbewerb als Chance, die Öffentlichkeit über die Vielfalt an Ackerwildkräutern aufzuklären.

350 heimische Ackerwildkrautarten

Prämiert werden Äcker, auf denen zwischen der Feldfrucht auch noch seltene Ackerwildkräuter wachsen. „Sie leisten einen wertvollen, bisher unterschätzten Beitrag zur Biodiversität und Artenvielfalt auf den landwirtschaftlichen Flächen“, sagte Fischer. Marion Ruppaner, Agrarreferentin vom BN, bezifferte die Zahl der heimischen Ackerwildkrautarten auf 350. Ein Drittel bis ein Viertel davon stufte sie als gefährdet ein. Nur 20 Arten stünden, so die Expertin, in Konkurrenz zur Kulturpflanze. Die kleineren Arten hingegen seien tolerierbar. „Ziel muss es sein, ein Grundinventar an solchen Kräutern zu schaffen, das Teil eines gesunden Mikroklimas ist, in dem sich Kleintiere wie Spinnen und Insekten wohlfühlen“, erklärte Ruppaner.

Der Wettbewerb soll die Aufmerksamkeit auf konkurrenzschwache Ackerwildkräuter und ihre Bedeutung lenken, diese fördern und darüber hinaus auch das Engagement der Landwirte für die Vielfalt auf den Äckern honorieren. Ein von den vier Initiatoren beauftragter Kartierer wird mit den teilnehmenden Landwirten Kontakt aufnehmen und den Acker im Frühsommer bewerten.

Dr. Franziska Mayer von der LfL erläuterte die Bewertungskriterien. Auf der ganzen Ackerfläche und nicht nur auf einem kleinen Streifen sollten sich möglichst viele Wildkräuterarten verteilen. „Die Schaffung einer Blühwiese ist nicht unser Ziel“, stellte sie klar. Es sollten vor allem Arten vorhanden sein, die nicht in Konkurrenz zu der vom Landwirt angesäten Nutzpflanze stünden. Pluspunkte gibt es, wenn sich darunter gefährdete Exemplare befinden. Auf dem Feld muss aktiv Ackerbau betrieben werden.

215 Arten in der Oberpfalz entdeckt

Der Wettbewerb findet alle zwei Jahre in einem anderen bayerischen Regierungsbezirk statt. Nach Unterfranken (2014), der Oberpfalz (2016) und Niederbayern (2018) ist 2020 Oberfranken an der Reihe. Beim Wettbewerb in der Oberpfalz, an dem sich 35 Landwirte beteiligt hatten, wurden insgesamt 215 Arten entdeckt. „Darunter befanden sich auch 23 gefährdete Arten“, teilte Mayer mit.

Dass sich Ökonomie und Ökologie nicht ausschließen müssen, verdeutlichte Gebietsbetreuerin Rebekka Mayer vom LPV Lichtenfels anhand des Morgenbühl-Ackers im Landkreis Lichtenfels, auf dem 84 Wildkräuter gefunden wurden, darunter 23 Rote Liste-Arten. Vorsitzender Anton Reinhardt vom BN, Geschäftsführer Manfred Rauh vom LPV Lichtenfels und der Ebensfelder Bürgermeister Bernhard Storath, der selbst Biolandwirt ist, hoben die Bedeutung des Wettbewerbs für den Natur- und Artenschutz hervor.

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Der Wettbewerb

Anmeldeformulare gibt es bei den Ämtern für Landwirtschaft und den Landschaftspflegeverbänden. Eine Anmeldung ist bis zum 20. April erforderlich, z. B. online unter www.lfl.bayern.de/Ackerwildkraut-Wettbewerb, wobei nur die ersten 50 Anmeldungen berücksichtigt werden können. In beiden Kategorien (ökologischer und konventioneller Landbau) gibt es für den jeweils ersten und zweiten Platz Gutscheine für einen Aufenthalt im Biohotel im Wert von 300 und 200 €, die Drittplatzierten und alle weiteren Preisträger erhalten Sachpreise und eine Artenliste ihres Ackers. Die Prämierung der Siegeräcker findet am 16. September 2020 statt.