Versammlung

Wertschöpfung contra Wertschätzung

Bauerntag
Stephan Herbert Fuchs
am Montag, 17.02.2020 - 10:43

Betzensteiner Bauerntag: Landwirtschaft steht zu Unrecht im Fokus der Kritik.

Betzenstein/Lks. Bayreuth - Der Wind bläst der Landwirtschaft immer stärker ins Gesicht. Diesmal seien es aber nicht nur die rein wirtschaftlichen Ursachen, sondern Bürokratie, Auflagen und Vorschriften, die sich in nie gekanntem Ausmaß über die Landwirtschaft erstrecken, so der Bayreuther Kreisobmann Karl Lappe. Da könne nicht einmal mehr die sogenannte Bauernmilliarde etwas daran ändern. Grund dafür ist: Was sich zunächst nach sehr viel anhört, ist am Ende vielleicht gerade einmal 1000 €/Betrieb und Jahr. Da bleibt nicht viel, so Lappe beim Betzensteiner Bauerntag.

In weiser Voraussicht hatte man sich deshalb auch mit Veterinärdirektorin Dr. Iris Fuchs aus Pegnitz eine Fachreferentin eingeladen. Die Leiterin des Fachbereich Veterinärwesen und Verbraucherschutz am Landratsamt Bayreuth ist Erste Vizepräsidentin der Bundestierärztekammer und damit bundesweit keine Unbekannte.

Die Landwirtschaft habe so viel getan zum Thema Tiergesundheit und trotzdem stehe sie permanent im Fokus der Kritik, sagte Dr. Fuchs. Als Ursache dafür nannte sie die Tatsache, dass Anspruch und Wirklichkeit sowohl beim Handel als auch beim Verbraucher weit auseinandergehen. „Der Handel hält den Verbraucher für dumm“, fand sie klare Worte. Die aktuellen Lebensmittelpreise spiegelten den Aufwand zur Erzeugung nicht wider. Dazu komme eine Verschwendung, die mittlerweile ein gigantisches Ausmaß angenommen habe. 90 Mio. t Lebensmittel landeten in Europa pro Jahr auf dem Müll. Zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung klaffe eben eine große Lücke.

Düngeverordnung: Aus fachlicher Sicht weit verfehlt

Zuvor war Kreisobmann Karl Lappe zum einen auf die Düngeverordnung, zum anderen auf die Afrikanische Schweinepest eingegangen. Was die Düngeverordnung angeht, sei das Ziel aus fachlicher Sicht weit verfehlt worden. „In den wenigen Frühsommermonaten soll die Gülle des ganzen Jahres ausgebracht werden“, stellte Lappe fest. Pflanzenbiologisch sei dies mehr als in Frage zu stellen.

Ein absolutes Chaos sieht der Kreisobmann für den wahrscheinlichen Fall des Ausbruchs der Afrikanischen Schweinepest auf die Bauern zukommen. Nach zwei Jahren absoluter Trockenheit würden die Bauern das geplante Ernteverbot im 30-Kilometer-Radius um die Kernzone nicht überstehen. Völlig offen sei, was entsprechende Versicherungen abdecken.

Deutliche Worte zur aktuellen Situation in der Landwirtschaft fand die die stellvertretende Bayreuther Landrätin Christa Reinert-Heinz. „Identifizieren sie sich nicht mit den schwarzen Schafen der Branche“, sagte sie. Die allergrößte Mehrzahl der Bauern arbeite korrekt und vorbildlich. Wenn das drei Prozent nicht tun, dann müsse man das auch sagen. Es sei zutiefst ungerecht, wenn alle Betriebe über einen Kamm geschoren werden.

Alle Entscheider in der Politik rief Reinert-Heinz dazu auf, alles zu tun, um die Landwirtschaft in den derzeitigen Strukturen zu erhalten. Andernfalls sei nicht mehr zu garantieren, dass Landwirtschaft in unseren Breiten überhaupt noch stattfindet.