Ernte 2020

Wein: Kleinste Ernte seit 35 Jahren

Wein-Herbstbilanz_LF
Gabriele Brendel
am Donnerstag, 22.10.2020 - 12:52

Fränkische Winzer blicken auf ein sehr launisches Weinjahr zurück.

Bereits Anfang Oktober konnte der Fränkische Weinbauverband im Weingut Juliusspital in Würzburg die vorläufige Erntebilanz verkünden. Fast alle Weinberge waren zu diesem Zeitpunkt schon abgeerntet.

Rückblick auf 2020

Weinbaupräsident Artur Steinmann, die Geschäftsführerin vom Weinbauring Franken Beate Leopold, der Leiter der Kellereifachberatung beim Bezirk Unterfranken Hermann Mengler und Dr. Matthias Mend von der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) ließen das Jahr 2020 noch einmal Revue passieren und stellten neben den aktuellen Zahlen auch die ersten Jungweine vor.

Die fränkischen Winzerinnen und Winzer erlebten erneut ein sehr launisches Weinjahr. Lokale Spätfröste am 14. April und 12. Mai schädigten die bereits sehr weit entwickelten Rebstöcke massiv. So lässt sich dann auch das sehr heterogene Ergebnis erklären. Die einen haben eine fast normale Ernte eingefahren, die anderen fast gar nichts. Letztendlich trug der dritte trockene Sommer in Folge dazu bei, dass Franken die kleinste Erntemenge seit 35 Jahren verzeichnet.
Die hohe Qualität des Jahrgangs dürfte wenigstens teilweise dafür entschädigen. Die warmen und trockenen Tage während der rund dreiwöchigen Lesezeit bescherten den Winzern kerngesunde Trauben.

267.000 hl Weinmost in Franken

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird in Franken von rund 267.000 hl Weinmost ausgegangen. Auf den Hektar umgerechnet sind es durchschnittlich circa 44 hl. Das ist noch einmal weniger als im vergangenen Jahr als es mit rund 56 hl/ha bereits eine historisch kleine Ernte gab. Im Vergleich: Die durchschnittliche Erntemenge der letzten 20 Jahre liegt in Franken bei 76 hl/ha.

Matthias Mend von der LWG beleuchtete die wirtschaftliche Seite: „Es ist einfach zu wenig Wein da. Die Erntemengeneinbußen sind wesentlich größer als die Absatzverluste durch Corona. Die Keller werden langsam leer. Wir brauchen nächstes Jahr unbedingt einen normalen Herbst.“
Fachberater Hermann Mengler sagte: „Den 2020er wird es allerdings nicht geben, dazu gibt es innerhalb Frankens zu viele Unterschiede.“ Nach seinen Aussagen hat auf rund 2350 ha Rebfläche (westlicher Teil des Anbaugebietes) fast alles gepasst, während es bei den Winzern der übrigen Fläche lange Gesichter gab (West/Ost-Gefälle).
Weinbaupräsident Artur Steinmann sagte, der Klimawandel habe aber auch gute Seiten. „Wir erzeugen heute ganz tolle Weißweine“, lobte er die Arbeit der Winzerinnen und Winzer.