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Ernte 2019

Wein: Geringste Ernte seit 1985

Winzer
Gabriele Brendel
am Mittwoch, 13.11.2019 - 10:17

Frankens Winzer ziehen Bilanz: ausgezeichnete Qualität, kleine Menge.

Mitte Oktober verkündete der Fränkische Weinbauverband im Weingut Zehnthof, Luckert in Sulzfeld, die vorläufige Erntebilanz. Weinbaupräsident Artur Steinmann, der Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) Dr. Hermann Kolesch und der Leiter der Kellereifachberatung beim Bezirk Unterfranken Hermann Mengler ließen nun das Weinjahr noch einmal Revue passieren und stellten neben den aktuellen Zahlen auch die ersten Jungweine vor.

Die Weinlese 2019 war eine der schnellsten Ernten aller Zeiten. Viele Winzer hatten innerhalb von zwei Wochen alle Trauben gelesen. Lokale Frost- und Hagelschäden, aber auch Trockenheit und Hitzephasen sowie Verrieselungen auf Grund des kalten Blütewetters im Mai sorgten für Ertragseinbußen. Nach den aktuell vorliegenden Zahlen ist es die geringste Ernte seit dem Frostschadensjahr 1985. Die hohe Qualität des Jahrgangs dürfte jedoch wenigstens teilweise entschädigen.

Wunderbare Ergänzung

Zum gegenwärtigen Zeitpunkt wird in Franken von rund 345 000 hl Weinmost ausgegangen. Auf den Hektar umgerechnet sind es durchschnittlich 56 hl. Das ist eine deutlich kleinere Ernte als im vergangenen Jahr (86 hl/ha). Das durchschnittliche Mostgewicht liegt in diesem Jahr bei stolzen 91 Grad Oechsle, wobei ein Anteil von rund 95 % der geernteten Menge für Prädikatsweine geeignet ist.

Fachberater Hermann Mengler spricht von einer „wunderbaren Ergänzung des 2018-er Jahrgangs“. Er freut sich, dass die Winzer reagiert und ihre Trauben schnell gelesen haben. Somit konnte sehr gesundes Lesegut geerntet werden und die folgende Schlechtwetterperiode hatte keine Auswirkungen mehr. „Qualitativ gibt es gar nichts zu meckern, die Weine sind lebendig, aromatisch und lupenrein. Etwas mehr Menge hätten wir uns halt schon gewünscht,“ berichtete Mengler.

„Seit 2015 kämpfen wir in Franken mit dem früh einsetzenden Trockenstress. Wir müssen jetzt dringend für die Bewässerungsinfrastruktur sorgen“, erklärte LWG-Präsident Dr. Hermann Kolesch. „Im Sommer hatten wir drei Tage in Folge bis zu 40 Grad Celsius, was zu einem Sonnenbrand von noch nie dagewesenem Ausmaß geführt hat. Ganz besonders die Rebsorte Bacchus hatte darunter sehr zu leiden,“ so Kolesch.

Europaweit weniger

Wie in Franken sind die Erntemengen auch in den anderen deutschen Anbaugebieten geringer ausgefallen als im Vorjahr. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts wird eine bundesweite Weinmosternte von etwa 8,6 Mio. hl erwartet. Damit liegt sie 17 % unter der Vorjahresmenge und 2 % unter dem zehnjährigen Mittel von 8,8 Mio. hl.

Europaweit wird die 2019-er Weinmosternte ebenfalls etwas kleiner ausfallen. Nach einer ersten Schätzung der EU-Kommission wird sich die diesjährige Erntemenge auf 161,3 Mio. hl belaufen, was einem Minus von 15 % gegenüber dem Vorjahr und 4 % im Vergleich zum fünfjährigen Mittelwert entspricht.