Klimawandel

Wasserschutz durch Ökolandbau

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Fritz Arnold
am Montag, 13.08.2018 - 12:53

Unterfrankens Regierungspräsident zieht eine Zwischenbilanz für die „Initiative Grundwasserschutz durch Ökolandbau“ und sieht einen positiven Trend.

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Unterfranken ist die wärmste und trockenste Region in Bayern. Hinzu kommen besondere geologische Faktoren, die das Nitratproblem zusätzlich verstärken. Deshalb wurde schon vor zehn Jahren die „Initiative Grundwasserschutz durch Ökolandbau“ gestartet. Die Biolandwirtschaft wird als wichtiger Schritt in diese Richtung angesehen. Der Termin wird jeweils in die Sommermonate gelegt, damit bei der Feldbesichtigung umstellungswillige, konventionell wirtschaftende Landwirte die Feldbestände während der Hauptvegetationszeit sehen können.
Wie Unterfrankens Regierungspräsident Dr. Paul Beinhofer bei der Eröffnung des „Praxistages Ökolandbau“ erklärte, ist beim Grundwasserschutz ein deutlich positiver Trend erkennbar. Für Aussagen hinsichtlich konkreter Auswirkungen des Ökolandbaues auf die Trinkwasserqualität ist allerdings die Dichte der Biobetriebe nicht ausreichend, sagte Christian Guschker vom Sachgebiet Wasserwirtschaft bei der Regierung in Würzburg. Er verweist aber darauf, dass in Böden von Ökobetrieben im Herbst 30 bis 40 % weniger mineralisierter Stickstoff (Nmin) festgestellt wird. Hinzu kommt, dass keine Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden.
Beinhofer begrüßte es, dass Dank der Unterstützung durch die Ämter für Landwirtschaft sich die Zahl der Biobetriebe und der von ihnen bewirtschafteten Flächen in Unterfranken in zehn Jahren verdreifacht hat: von 330 auf 900 Betriebe und von 14 000 auf 42 000 ha – somit auf einen Anteil von fast 11 %.
Unterfrankens BBV-Bezirkspräsident Stefan Köhler sagte, dass der Bauernverband kein Bremser bei der Umstellung in Richtung Ökolandbau sei. Entscheidend sei, wie aufnahmefähig der Markt ist und ob somit Umstellungen tragfähig seien. Dr. Robert Hermanowski vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau in Frankfurt forderte dazu auf, beharrlich dranzubleiben. Keine Probleme sieht er im Ökogetreideanbau, während es bei tierischen Produkten mit dem Absatz schon schwieriger sei.
Bio-Berater Bernhard Schwab geht davon aus, dass noch mehr Landwirte dem Beispiel von Johannes Scharvogel aus Martinsheim folgen werden. Der Nebenerwerbslandwirt mit 45 ha Ackerbau – er ist im Hauptberuf Steuerberater beim landwirtschaftlichen Buchführungsdienst – baut Weizen, Gerste und Zuckerrüben an. Dazu 20 % Luzerne, die an einen befreundeten benachbarten Biobetrieb gehen, der im Gegenzug Mist liefert.
Bei der Feldbesichtigung interessierten sich Scharvogels Berufskollegen für Details des Anbaues. Winterweizen wird wegen der Unkrautvermeidung, insbesondere Ackerfuchsschwanz und Windhalm, spät (Ende Oktober) gesät. Einen Reihenabstand von 30 cm wählt der Biobauer, weil der Weizen dankbar für die mechanische Hacke ist, erklärt Bioberater Bernhard Schwab. Im frühen Stadium wirke dies gut gegen das Unkraut und auch positiv auf die Bestockung.
Nach dem Mähdrusch wird der Boden sehr flach bearbeitet und nach 14 Tagen, wenn Unkräuter und Ausfallgetreide aufgelaufen sind, noch einmal. Nur folgt ein Gemisch aus Erbsen und Wicken als Zwischenfrucht und zur Stickstoffsammlung vor den im nächsten Jahr folgenden Zuckerrüben.
Zur Einarbeitung des Aufwuchses wird eine Kurzscheibenegge eingesetzt. Die Pflugfurche Ende Oktober schließt sich an, die im Winter zweimal eingeebnet wird. Die Saat, dieses Jahr am 7. April, folgte nach einer nur flachen Bodenbearbeitung.

Vier Maschinenhacken begleiten das Heranwachsen der kleinen Rüben. Zweimal gehen neun Rumänen mit der Handhacke jeweils unmittelbar nach einer Maschinenhacke durch. Dafür fielen vergleichsweise günstige 90 Handarbeitsstunden pro Hektar an. Geerntet hat Johannes Scharvogel letztes Jahr rund 750 dt/ha, während seine konventionellen Kollegen in der Gunstlage von Martinsheim zwischen 1000 und 1200 dt erzielten. Erheblich sind die Preisunterschiede für die Rüben. Anstelle von unter 3 € bei seinen Kollegen, bekam Scharvogel 10 € netto/dt für seine Biozuckerrüben. Sie gehen vom Feld zum Bahnhof Würzburg und von dort zur Biozuckerrübenverarbeitung in die Schweiz. Hier übernimmt die Neumarkter Lammsbräu den Biozucker in Form einer Art Melasse für ihr „now Biolimo“. Lammsbräu ist auch Abnehmer der Biobraugerste aus Martinsheim. Dr. Franz Ehrensberger von Lammsbräu betonte, dass er sein Unternehmen als Brückenbauer zwischen den Landwirten und Verbrauchern sehe, die gesunde Lebensmittel wollen. Zur Arbeitsweise im Bioanbau erklärten Scharvogel und Schwab, dass in dem Trockengebiet mit nur 500 bis 550 mm Jahresniederschlag die Hackarbeit entscheidend wichtig sei, gemäß dem Spruch „einmal gehackt ist zweimal geregnet.“