Forschung

Wasser lokal mehrfach nutzen

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Silvia Eidel
am Montag, 12.11.2018 - 09:30

Forschungsprojekt auf der Schweinfurter Trockenplatte soll Wege aufzeigen

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Schweinfurt So wenige Niederschläge wie in Nordjordanien, nämlich 450 mm pro Jahr, fallen in der Schweinfurter Trockenplatte, dem trockensten Gebiet Bayerns. Entsprechend schonend muss mit dem Gut Wasser umgegangen werden, und in Zukunft noch viel mehr. Was in südlichen Ländern längst üblich ist, wird nun hier in einem Forschungsprojekt untersucht: wie man regional Nutzwasser gewinnen und einsetzen kann, damit für Bewässerungen kein kostbares Trinkwasser mehr nötig ist.

Mit Nutzwasser gemeint ist zum Beispiel gereinigtes Abwasser aus Kläranlagen, gesammeltes Niederschlagswasser von Dächern und befestigten Flächen oder industrielle Produktionsabwässer, die alle so aufbereitet werden, dass damit Felder oder Weinberge, aber auch Sportplätze oder städtische Grünanlagen bewässert werden können.
Wasser lokal mehrfach zu nutzen, lautet das Ziel. Was aber viele Fragen aufwirft: Wo fällt das Nutzwasser an? Wann wird es gebraucht? Wie kommt es zum Bedarfsort? Wie wird es für welchen Einsatzzweck aufbereitet? Ist es überhaupt nutzbar? Welcher Aufwand muss betrieben werden? Welche Speicher und Leitungen müssten gebaut werden? Wer übernimmt die Trägerschaft?
Beantwortet werden sollen die Fragen am Beispiel der Schweinfurter Trockenplatte. Auftraggeber der Studie ist das Bayerische Umweltministerium, durchgeführt wird sie von der Regierung von Unterfranken mit der Technischen Universität München, Lehrstuhl für Siedlungswasserwirtschaft. Das Untersuchungsgebiet liegt bei Schwebheim/Gochsheim/Schweinfurt, also bei Gemüse- und Kräuteranbau sowie dem Gewerbegebiet Maintal.
Bei der Auftaktveranstaltung in Schweinfurt mit Kommunen, Behörden, Verbänden, Kläranlagenbetreibern, Wasserversorgern und Firmen wurde der Beteiligungsprozess vorgestellt. Alle sollten nachhaltige Alternativen suchen und finden helfen, sagte Axel Bauer, Sachgebietsleiter Wasserwirtschaft bei der Regierung.
Zumal neben den geringen Niederschlägen auch die Grundwasser-Neubildungsrate in Bayern insgesamt rückläufig ist, wie Prof. Jörg E. Drewes veranschaulichte. Und der mainfränkische Untergrund ist bekanntlich wenig speicherfähig. Man müsse deshalb hinterfragen, ob Bewässerungen, Autowaschanlagen oder Klimaanlagen Trinkwasserqualität brauchen.

Es funktioniert

In den USA, Australien oder Saudi-Arabien werden kommunale Abwässer schon lange wiedergenutzt, so der Wissenschaftler. Auch Erfahrungen aus Barcelona zeigen: Es geht. Die Aufbereitung des Wassers sei eben eine ganz andere, so Drewes, mit Flockungsfiltration, Membranfiltration oder Aktivkohlefiltration. Auch im kalifornischen Weinanbaugebiet Napa Valley wird ausschließlich mit Nutzwasser bewässert. „Dort gab es anfangs auch Bedenken an die Qualität, aber es gibt keinen Hinweis auf negative Auswirkungen auf die Pflanzen und den menschlichen Verzehr.“
Die Studie ist eine Gesamtbetrachtung des Systems. Entwickelt werden sollen eine langfristige Handlungsoption und konkrete Empfehlungen, auch mit einer Kostenschätzung.

„Wichtig ist die Akzeptanz in der Bevölkerung“, meinte Kreisbäuerin Barbara Göpfert. Der Landwirt müsse sich im Hinblick auf Zertifizierungen auf die Qualität des Nutzwassers verlassen können, sagte BBV-Kreisobmann Michael Reck.