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Waldschutz

Waldumbau: Kiefer und Fichte auf dem Rückzug

Waldumbau-Hollfeld_LF
Rosi Thiem
am Freitag, 21.08.2020 - 10:40

Der Wald der Zukunft braucht Vielfalt und geschickte Planung: Lukrative Fördersätze für den Waldumbau.

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Monika Daubinger brennt für ihren Wald. Sie und ihr Mann Dieter bewirtschaften 17 ha, davon 4 ha Laubwald. Das Interesse wurde schon früh durch ihren Vater geweckt und nun nutzte sie viele Fortbildungsangebote, um ihr Wissen um die Herausforderungen für den Forst der Zukunft zu erweitern und zu festigen.

Eine für sie wichtige und ständige Ansprechpartnerin ist Revierleiterin Sylvia Hack. Deren große Erfahrung ist gerade in Zeiten des Klimawandels und des Borkenkäfers sehr gefragt.

Daubingers übernahmen einen Wald, der wie die anderen Wälder herum auch überwiegend von Fichten und Kiefern einseitig geprägt war und durch Trockenheit, Borkenkäfer, Sturm und bei den jüngeren Fichtenbeständen auch häufig mit Hallimaschbefall zu kämpfen hatte. Hier fault das Holz und die Bäume sterben gruppenweise – meist werden geschwächte Bäume befallen, die zum Beispiel unter Trockenstress leiden.

Neuanfang ist gemacht

Nun ist ein Neuanfang gemacht und auf 3,5 ha Waldfläche befinden sich mindestens 15 verschiedene Baumarten, die hoffnungsvoll in die Zukunft wachsen. „Vorher muss man sich allerdings über den Standort schlau machen“, bemerkt Hack. „Es bringt nichts, wild drauflos zu pflanzen und wahllos zu kombinieren.“

Für Forstoberrat Matthias Huttner vom Landwirtschaftsamt Bayreuth ist es wichtig, bei Neupflanzungen vorher den Rat der Fachleute einzuholen: „Die Bodenverhältnisse sind nicht gleich und können sich im Wald auf ein paar 100 Meter weiter rasch ändern.“ Für Revierleiterin Hack gilt neben den Standortskarten auch der Blick in den Computer. Das staatliche Standortinformationssystem „BaSIS“ gibt Auskunft über die örtlichen Gegebenheiten im Blick auf Wasserversorgung und Nährstoffe, aber auch die Lichtverhältnisse, Zeigerpflanzen und die Bodenanalysen des Bohrstockes geben ihr Hinweise, die sie für die Beratung mit den Waldbesitzern braucht. „So soll eine Buche ja mindestens 150 Jahre wachsen. Wenn die Wasserversorgung nicht passt, ist das Geld in den Sand gesetzt.“

Neuer Bestand aus Spitz- und Bergahorn

Auf einem Waldgrundstück pflanzte Monika Daubinger 2017 auf kleinen Käferlöchern einen neuen Bestand aus Spitz- und Bergahorn und am Waldrand auch Wildbirnen, Feldulmen und Schwarznuss. „Und als Schattenspender und weitere Bereicherung wurde dazwischen die insektenfreundliche Sommerlinde gepflanzt“, sagt die Forstbesitzerin stolz. „Schattigere Bereiche wurden mit Buchen unterbaut und aus Naturverjüngungen gesellen sich Vogelbeeren, Fichten, Kiefern und Birken dazu. 350 m weiter pflanzten wir Buchen und Tannen in verlichtete Bereiche.“

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Die Vielfalt kann sich sehen lassen. Huttner setzt auf Risikostreuung und vergleicht es mit einem Aktienpaket. „Früher hieß es hier nur Fichte, Kiefer – aus“, bemerkt er über den jetzt existierenden bunten Strauß an Baumarten und macht dabei auf die einzigartig hohen, heuer neu aufgelegten Fördersätze aufmerksam. „Die Fördersätze haben sich verdoppelt.“

Hier gibt es eine Grundförderung je Pflanze von 2,50 € bei Wiederaufforstung und bei Erstaufforstung sogar 3,25 €/Pflanze. Hinzu kommen noch Anreizzuschläge für den Kleinprivatwalt von 10 % – unter 20 ha im Bereich des Landwirtschaftsamtes. Es gibt beispielsweise Förderzuschläge für Ballenpflanzen – 0,50 €/Pflanze und 0,10 € zusätzlich für Bienenweide. Für Wuchshilfen 2 € und für Markierungsstäbe 0,20 €/Pflanze. Innerhalb der fünfjährigen Bindefrist können Kontrollen erfolgen.

Gründliche Vorbereitung vor dem Stat neuer Maßnahmen

Wichtig ist, bevor eine Maßnahme begonnen wird, erst einmal den zuständigen Revierförster zu kontaktieren, stellt Hack klar. Hier können alle Möglichkeiten der Maßnahmen besprochen werden.

„Pflanzen kann man immer, wenn es keinen Frost gibt. Man pflanzt immer in das ,Feuchte‘ rein, also im Herbst“, verrät Huttner. Revierleiterin Hack ergänzt: „Ist es im Frühjahr beizeiten sehr warm, dann haben sich schon Wurzeln gebildet.“ Überall im Wald summt es. Die Vielfalt wird noch durch Roteichen auf dem Sandboden und auf dem etwas lehmigeren Boden durch Winterlinden, Hein- und Rotbuchen ergänzt. Walderd- und Heidelbeeren laden zum Naschen ein – ein Wald wie im Bilderbuch? „Die Familie Daubinger ist ständig draußen. Manche meinen im Wald wächst alles von allein. Ein Zukunftswald kann nur funktionieren, wenn man mit eigenem Interesse – so wie die Daubingers – dabei ist“, betont Hack.
Für die Fachfrau ist es wichtig, dass bei Neupflanzungen der Boden nicht austrocknet und sie empfiehlt ein händisches Ausgrasen und eine Grasmulchschicht um die Pflanze. Das Ausgrasen muss anfangs mehrmals im Jahr geschehen. Hier kommt es auch auf die Baumarten an, manche wachsen in der Jugend schneller (etwa Ahorn) als andere (Eiche, Tanne). Die Pflanzabstände sind auch von den Baumartengruppen abhängig. Bei einer Förderung können maximal 20 % ausfallen. Bei mehr als 20 % Ausfall muss wieder nachgepflanzt werden. „Wer nicht ausgrast, bekommt keine Nachbesserung. Man sieht, ob sich der Forstbesitzer kümmert“, sagt Hack.

Bewässern ist harte Arbeit

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Das Bewässern nennt Monika Daubinger eine Sträflingsarbeit, doch ihre Mühen haben sich gelohnt. Wegen des hohen Wildverbisses ist ein Schutz nötig. „Ohne Zaun geht nichts.“ Hack empfiehlt einen Scherenzaun oder Einzelschutz bei kleinen Maßnahmen. „Ein Scherenzaun hat den praktischen Vorteil, dass der Zaun umgelegt werden kann, wenn ein bestehender Baum gefällt wird.“

Für Daubinger und ihre Familie ist der Wald ein fester Bestandteil ihres Lebens: „Wenn ich am Morgen rausgehe und sehe, wie der Nebel über dem frischen Wald aufsteigt oder sich die Elsbeere im Herbst verfärbt, empfinde ich es als schönen Ruhepol.“ Und die Försterin sagt auch im Hinblick auf Monokulturen: „Wir sind froh, wenn sich die Waldbesitzer erfolgreich um ihren Wald kümmern. Man muss aus den Fehlern der Vergangenheit lernen.“