Umwelt

Wald: Musterbeispiel gedeiht

PEFC-Grafenberg_LF
Jürgen Leykamm
am Dienstag, 12.05.2020 - 10:03

PEFC-zertifizierter Benefiz-Privatwald bei Grafenberg.

PEFC-Grafenberg_LF
Grafenberg/Lks. Roth 1,17 Hektar groß und 20 Jahre jung ist der Privatwald bei Grafenberg, der nun schon das vierte Mal nach PEFC zertifiziert worden ist. In diesen 20 Lebensjahren hat sich der Benefizwald zu einem Musterbeispiel an Nachhaltigkeit entwickelt.
Besitzer Rudolf Graf sieht regelmäßig nach dem Rechten: Sind Sturmschäden zu beklagen, die aufgearbeitet werden müssen? Wo lauert der Borkenkäfer? Beraten wird der Qualitätsmanagement-Verantwortliche der Kliniken im Naturpark Altmühltal dabei vom Gredinger Revierförster Josef Adam. Er nutzt die Gelegenheit zur Übergabe der begehrten PEFC-Urkunde, die bis 2025 gültig ist. Den Wert eines solchen Zertifikats weiß Graf auch deshalb sehr zu schätzen, weil er als Klinikprüfer selbst bundesweit Urkunden aushändigen darf und im Vorfeld entsprechende Prüfverfahren durchführt – beispielsweise als ISO-Auditor.

TÜV-Prüfung für den Waldbestand

Bei der PEFC-Prüfung „handelt es sich um eine Art Wald-TÜV“, erklärt der Waldbesitzer. Mit der „Plakette“ wird ihm eine nachhaltige Waldbewirtschaftung attestiert. Das „Programm für die Anerkennung von Waldzertifizierungssystemen“, wofür das englische Kürzel im Deutschen steht, stellt dazu aber hohe Anforderungen.

Wer das Siegel haben will, muss nicht nur dafür sorgen, dass im betreffenden Wald mehr Holz nachwächst, als entnommen wird, sondern dieser muss auch hohe ökologische und soziale Standards erfüllen. Keine Kahlschläge, keine Pflanzenschutzmittel, keine Kunstdüngung, Biotopschutz, ein angemessener Totholzanteil – so lauten einige Kriterien. Sie alle wurden schon 2001 bei der ersten Zertifizierung berücksichtigt.
Da waren die gepflanzten 6000 Bäumchen gerade mal knapp zwei Jahre alt. „Schon damals wurde auf einen gesunden Mischbestand geachtet“, erläutert Josef Adam. An die 25 verschiedene Baumarten seien 1999 in den Boden der ehemaligen Wiese eingebracht worden: Buche, Eiche, Linde und Ahorn genauso wie Kiefer, Fichte, Elsbeere und viele mehr. Auch nachgepflanzt wurde bereits eifrig. Der ökologische Charakter der Nachhaltigkeit wurde hier von Anfang akribisch durchbuchstabiert. Auch den sozialen Aspekt des Begriffs wollte Graf erfüllen. Schon bei der Pflanzung wurden Baumpatenschaften vermittelt. Mit gutem Beispiel gingen damals die Lions- und Rotary-Clubs der Region voran. Der Erlös kam Kindern in Kriegs- und Krisengebieten zugute.

Vom Waldgottesdienst bis zu Karl-May-Spielen

Im Jahr der ersten Zertifizierung startete die jährliche Sammlungsaktion ausgedienter Christbäume in Greding. Weitere Markenzeichen des Benefizwaldes sind Wald-Gottesdienste sowie -Erlebnistage, Kinder-Musicals und vor allem die Karl-May-Spiele. „Bei uns stirbt Winnetou nicht“, sagt Graf. Familienfest, Open-Air-Konzert einer Pfarrerband und ein Audi-Ehrenamtstag runden den Aktionsreigen ab. Die Erlöse flossen zu Projektpartnern wie der Kriegskindernothilfe oder der Tafel Roth. Durch die Lage können Kindergärten und Schulen aus vier Landkreisen die waldpädagogischen Angebote nutzen. „Am Thema Nachhaltigkeit werden wir auf jeden Fall dranbleiben!“