Waldumbau

Wald ist meine Medizin

Waldexkursion im fränkischen Escherich
Rosi Thiem
am Montag, 23.11.2020 - 10:00

Trockenheit, Borkenkäfer, Klimaänderung - Bayerns Wälder leiden. Aber nicht alle: eine Exkursion in einen vorbildlichen Mischbestand in Franken.

Waldexkursion-Escherich_LF

„Der Wald ist meine Medizin“, das glaubt man dem 78-jährige Hans Escherich gerne. Mit Schwung begleitete er eine fast 30-köpfige Teilnehmerschar zu einer Exkursion in seinem Privatwald, zu der die Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) Pegnitz nach Betzenstein eingeladen hatte.

Bereits im Jahr 2017 wurde Escherich für seine vorbildliche Forstwirtschaft mit dem Staatspreis ausgezeichnet. „Nur wenn wir Interesse am Wald haben, lebt der Wald“, so sein Tenor. In über drei Stunden erhielten die Besucher einen umfassenden Überblick über einzelne Pflegeeingriffe, die Wuchsdynamik der einzelnen Baumarten, Pflanzen und Aussaat des Nachwuchses (idealerweise im Herbst), Spätfrostschäden und negative Auslese.

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Am Ende führte Escherich mit seinem Sohn Alfred, dem der Wald inzwischen gehört, an einen interessanten Platz mit einer erlesenen Mischung verschiedenster Baumarten. Auf diesem ehemaligen Acker wurde bereits 2011 eine bunte Vielfalt geschaffen. Hier wachsen neben Elsbeeren, Douglasien, Schwarznuss, Flatterulmen, Vogelkirschen und Goldbirken auch Wildbirnen, Roteichen und Edelkastanien. „Acht bis zehn verschiedene Baumarten sind auf der Fläche zu empfehlen“, riet Escherich.

„Eine Naturverjüngung kann auch schon viel erreichen. Hier muss aber das jagdliche Umfeld passen“, erklärte FBG-Förster Stefan Failner, der die Veranstaltung leitete. Manchmal brauche man auch etwas Geduld: „Buche und Tanne wachsen langsam in der Jugend“, so Failner, während Ahorn rasch nach oben strebe.

Ein Hektar Wald bindet fünf Tonnen CO2

„Die ersten vier Jahre sind meine Weißtannen auch rückwärts gewachsen“, gestand Escherich, der täglich mehrere Stunden im Wald verbringt. Er rechnete vor: „Ein Hektar Wald bindet circa fünf Tonnen CO2.“ Bereits vor Jahren, als noch die wenigsten den Klimawandel und die Borkenkäferplage im Fokus hatten, begann er mit dem Waldumbau. „Ich habe versucht, vieles auszuprobieren. Manches ist auch nicht gelungen.“ 42 ha Wald bewirtschaften die Escherichs, davon sind derzeit geschätzt zwei Drittel eingezäunt, so Alfred Escherich.

Inzwischen war die Gruppe bei einem Altbestand angelangt, der lichte Stellen hatte, die nun mit einem Unterbau geschickt versehen sind. Georg Dumpert, Chef des Landwirtschaftsamtes, verwies auf die Förderfähigkeit eines Unterbaus. „Es ist sinnvoll, dass man immer etwas reinbringt, um Kahlstellen zu vermeiden und eine neue Waldgeneration zuzulassen, auch mit Blick auf die Wasser- und Bodenverbesserung.“

Deutlich verbesserte Fördermöglichkeiten helfen den Waldbesitzern

Die heuer im Frühjahr neu aufgelegten Fördermöglichkeiten hätten sich deutlich verbessert. So gibt es eine Grundförderung beim Erstaufforsten mit 3,25 €/Stück und bei einer Wiederaufforstung mit 2,50 €/Stück. Zuschläge für seltene Baumarten, Wuchshilfen, Markierungsstäbe, Ballenpflanzen oder Förderrichtlinien für den Kleinprivatwald unter 20 ha sind Beispiele dafür. „Wichtig ist bei jeder Maßnahme, vorher mit dem Förster zu sprechen“, sagte Dumpert und erinnerte an die Bindefrist von fünf Jahren. Es müssen auch keine reinen Laubbestände sein, Mischbestände reichten.

„Was in 50 Jahren bei der Vermarktung gebraucht wird, kann man nicht vorhersehen“, bemerkte Failner.Wichtig sei daher, auf verschiedene Baumarten zu setzen. Inzwischen würde die Buche im Innnenbereich im Bau eingesetzt oder aus ihren Zellfasern Kleidungsstücke gewonnen.