Technik

Vordenker in Energiefragen

LandSchafftEnergie-Fam.-Zieher_LF
Jürgen Leykamm
am Donnerstag, 19.03.2020 - 07:35

Betrieb von Roland Zieher mit „Energieeffizienz in der Landwirtschaft“ prämiert

Illenschwang/Lks. Ansbach - Der Betrieb von Roland Zieher wurde als erster in Mittelfranken mit dem Label „Energieeffizienz in der Landwirtschaft“ prämiert. Familie Zieher aus Illenschwang, Gemeinde Wittelshofen, hat sich diese Auszeichnung mehr als verdient. Denn ob in den landwirtschaftlichen Gebäuden, beim Fuhrpark oder im Wohnhaus: Überall wird Wärme und Strom eingespart und beides im Gegenzug nachhaltig erzeugt. Als dritter Betrieb in Bayern und erster in Mittelfranken bekam er dafür die Plakette.

LandSchafftEnergie-Fam.-Zieher_LF

Betriebsleiter Roland Zieher sei auf diesem Gebiet „allen anderen immer einen Schritt voraus“, applaudierte bei der Feierstunde zur Siegelverleihung Ruth Maurer vor gut 50 Gästen. Viel Energie stecke er auch ins ehrenamtliche Engagement, würdigte die Vorsitzende des Dinkelsbühler Kreisverbands für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf). Das Beispiel der Ziehers solle Schule machen und viele Nachahmer finden, erhoffte sich der stellvertretende Ansbacher Landrat Kurt Unger, der so die Vorbildfunktion des Pioniers hervorhob.

Wie wichtig das Ansinnen um nachhaltige Energiewirtschaft ist, verdeutlichte ein symbolisches, dem Zufall geschuldetes Geschehen. Denn just als Wolfgang Kerwagen, Leiter des Landwirtschaftsamtes in Ansbach, von der Bedrohung der Ökosysteme durch den Menschen sprach, ging wegen des Windes prompt eines der Rollups zu Boden. Was sogleich die Bedeutung der Aktivitäten am Zieher-Hof unterstrich.

Das ist ein echter Leuchtturmbetrieb

LandSchafftEnergie-Fam.-Zieher_LF

„Ein echter Leuchtturmbetrieb!“ würdigte Stefan Berenz. Der Leiter des Fachzentrums Diversifizierung und Strukturentwicklung am Amt Uffenheim erhofft sich, dass so von Illenschwang große Signalwirkung auf viele andere Agrarbetriebe ausgeht. Beispielhaft zählte Berenz die vielen Maßnahmen auf, die hier geleistet wurden: Dämmung des Hauses, Einbau einer Biomasseheizung, die fortan die Ölheizung ersetzt. Für wohlige Wärme sorgen in dem Kombikessel Hackschnitzel und selbst angebauter Miscanthus.

Konsequent Strom einsparen

Eine Photovoltaikanlage nach der anderen (derzeit ist die fünfte im Bau) lassen die Ziehers auf den Dächern entstehen – im Gegenzug begann die Familie konsequent Strom einzusparen. „Waschmaschine und Trockner laufen jetzt nur noch, wenn die Sonne scheint“, sagt Ehefrau Doris Zieher. Denn dann wird Energie und Geld gespart. Auch ein Stromspeicher ist installiert. „Zum Probieren“, wie der Betriebschef sagt. Denn wirtschaftlich darstellbar seien erst jene Anlagen, die in einigen Jahren auf den Markt kommen.

Wie sich allein die Umrüstung des Betriebs auf LED-Beleuchtung, die Frequenzsteuerung der Lüftungsanlage des Stalls sowie der Einsatz der Wärmetauscher dort auswirkt, verdeutlichte Hermann Willfahrt, Energieberater von „LandSchafftEnergie“ am Uffenheimer Amt: Fast 6300 Kilowattstunden elektrischen Strom spart Familie Zieher so jährlich ein. „Was Ihr macht, ist einfach Klasse – Hut ab!“ lobte der Experte, bevor er die Auszeichnung überreichte.

„Mir fällt eben immer etwas ein“, sagte der Betriebsleiter selbst. „Es gibt so vieles, was Energie spart und nicht viel kostet.“ Warum zum Beispiel nicht die Abwärme der Heizanlage durch ein einfaches Rohr für das Vorwärmen des Wasser nutzen? Das zeigte der Chef beim Rundgang. In seinen Ställen gibt es Dreifachverglasung – „wie im Wohnhaus“.

Auch den Fuhrpark im Visier des Energiesparens

Sohn Michael Zieher, der sich bald über ein Hybrid-Auto freuen darf, das mit Benzin und mit Strom fahren kann, klärte über die Energiesparmöglichkeiten im Fuhrpark auf: Roller und Fahrrad fahren hier elektrisch. Ebenso mit Strom betrieben wird eine Motorsäge, bei einer anderen kommt Bioöl zum Einsatz.
Ein Air-Tec System verändert bei einem Schlepper die Ansaugluft und führt so zu mehr Effizienz und weniger Emissionen. Es sei „auf den Prüfständen erfolgreich getestet worden, auf denen VW durchgefallen ist“, erklärte Walter Wagner, der aus dem Prinzip eine Geschäftsidee entwickelt hat. Ziehers haben so in zehn Jahren etwa 1000 Liter Diesel eingespart.

Gut für den Geldbeutel und die Umwelt

Für die Hauswirtschaft kam man auf die pfiffige Idee, die 50 Grad Wärme aus den Wasserleitungen gleich für Spül- und Waschmaschine zu nutzen. Die Umstellung auf Energiesparlampen und Nachtlichter mit Bewegungsmelder helfen ebenso beim Stromsparen. All dies hat nicht nur gute Folgen für die Umwelt, sondern auch für den Geldbeutel. „Viele Investitionen haben sich nach nicht langer Zeit abbezahlt“, betonte Roland Zieher.