Erfolgreicher Einspruch

Nun doch viel weniger Gewässerrandstreifen

Gewässerrandstreifen_LF
Fritz Arnold
am Mittwoch, 08.07.2020 - 11:07

Die Proteste haben sich gelohnt. An fast einem Drittel der als Gewässer ausgewiesenen Gräben brauchen nun doch keine Gewässerrandstreifen aus der Bewirtschaftung genommen werden.

„Manchem Landwirt ist die Kinnlade runtergefallen“, als er im Herbst in den im Internet einsehbaren Karten feststellte, dass Gräben eingezeichnet waren, wo nur nach Extremniederschlägen oder fast nie Wasser fließt, blickt Neustadts Kreisobmann Jürgen Dierauff zurück. Bauern demonstrierten vor dem Wasserwirtschaftsamt in Ansbach, wo viele Bauern mit dem Schlepper vorfuhren und publikumswirksam schriftliche Einwendungen abgaben. Dies führte dazu, dass sich sogar Ministerpräsident Markus Söder einschaltete und verfügte, dass der Schnellschuss zurückgezogen und gründlich überarbeitet wird.

5800 km Wasserläufe in sechs Wochen

In Simmershofen wurde nun auf Wunsch des Bauernverbandes eine erste Zwischenbilanz gezogen. Wie der Chef des Wasserwirtschaftsamtes Ansbach, Thomas Keller, auf dem Hof des Landwirts Thorsten Schmidt erläuterte, hatte das Wasserwirtschaftsamt vom Umweltministerium im Sommer 2019 den Auftrag erhalten, innerhalb von sechs Wochen 5800 km Wasserläufe in den Landkreisen Ansbach, Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim und Weißenburg-Gunzenhausen zu untersuchen, wo Gewässerrandstreifen nötig sind. Aus Zeitgründen waren die Strecken nicht persönlich abgegangen worden, sondern anhand von Karten eingestuft.
Angesichts vieler Fehler war inzwischen Ansbach als „Pilotamt“ beauftragt worden, im Landkreis Neustadt a. d. Aisch-Bad Windsheim mit Erhebungen vor Ort zu beginnen, ob Gewässerrandstreifen erforderlich sind oder nicht. Im Anschluss folgen die Landkreise Ansbach und Weißenburg-Gunzenhausen. Als Pilotlandkreise wurden auch Schweinfurt und Erding ausgewählt.
Beginnend an der baden-württembergischen Grenze ist inzwischen gut die Hälfte des Landkreises bis zum Bereich von Neustadt von je zwei Mitarbeitern in Augenschein genommen worden, um festzulegen, ob es sich wirklich um ein Gewässer oder nur einen grünen Graben handelt. Dies führte dazu, dass von den ursprünglich 2500 km Gewässerstrecken inzwischen 20 bis 30 % herausgenommen wurden. Es handelt sich meist um „Grüngräben“, in denen normalerweise kein Wasser fließt.
Bis voraussichtlich im Herbst soll der gesamte Landkreis bearbeitet sein. Mit den neuen Karten sollen dann die Landwirte auf Gebietsversammlungen informiert werden.
Nach dem neuen Naturschutzgesetz darf der Landwirt fünf Meter breite Streifen entlang von Gewässern nicht mehr nutzen. In der Regel wird dies bedeuten, dass hier eine Wiesenmischung eingesät wird, soweit nicht wie häufig im Rahmen der Flurbereinigung geschehen, längs Grünwege angelegt sind.

Gewässerrandstreifen nicht bienenfreundlich

Von manchem Zeitgenossen, der das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ unterschrieben hat, wurde wohl nicht bedacht, dass nach den bisherigen Festlegungen die Gewässerrandstreifen nicht den Bienen zugutekommen werden. Blühstreifen können nämlich hier nicht angelegt werden. Denn diese müssen nach spätestens drei Jahren nach einer Bodenbearbeitung wieder neu angesät werden, was aber nicht erlaubt ist.
Auch die „Durchwachsende Silphie“ darf als Dauerkultur hier nicht angebaut werden. Wie Ottmar Braun vom Bauernverband in Ansbach dazu betonte, seien unbedingt praxiskonforme Lösungen nötig. Dazu gehörten auch Festlegungen über Entschädigungen. Denn nicht wenige Bauern sehen in dem Vorgang, Anbaueinschränkungen vorzunehmen, enteignungsähnliche Eingriffe, stellte ein Landwirt fest, der zu dem VorOrt-Termin hinzu kam.