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Strukturwandel

Verschwinden Rinder und Schweine?

Tiere
Fritz Arnold
am Freitag, 07.02.2020 - 06:02

BBV-Kreisverband Ansbach weist auf steigende Zahl viehloser Betriebe hin.

Burghausen/Lks. Ansbach - „Ist die Landwirtschaft noch gewünscht?“, fragte die ehemalige Milchprinzessin Carola Reiner als Vorstandsmitglied des Bauernverbandes im Landkreis Ansbach bei einem „Frühstück“ auf dem Hof der Familie Korn. Abgesehen von derzeit hohen Schlachtschweinepreisen sieht es rund um den Agrarbereich alles andere als rosig aus, zeigten stellvertretender Kreisobmann Karlheinz Brand und Mitglieder des Kreisvorstandes in einer Vorschau auf das Jahr 2020 auf.

Auch die Biobauern sind von der Entwicklung um mehr Bürokratie und Auflagen nicht verschont, obwohl die ökologische Landwirtschaft von Politikern als Problemlösung dargestellt wird. Im Pressegespräch verwies Gastgeberin Erna Korn darauf, dass es den Biobauern nicht anders geht als ihren konventionell wirtschaftenden Kollegen.

Fläche reicht für Weide nicht aus

Erna und Reiner Korn bewirtschaften 60 ha Land ökologisch und betreiben eine Gastwirtschaft in Burghausen (Gemeinde Windelsbach). Immer wieder sind auf dem Biolandhof neue Auflagen zu erfüllen. Die 25 Kühe haben längst einen Auslauf und dürfen zeitweise auf die Weide. Doch ob die Milchviehhaltung aufrechterhalten werden kann ist unsicher. Denn für die ab nächstes Jahr vom Bioverband geforderte ständige Weidehaltung im Sommer reicht die Fläche nicht aus, da die anderen Wiesen jenseits der Altmühl liegen.

Insgesamt ist die Rinderhaltung im Kreis Ansbach seit 1990 um rund 20 % zurückgegangen. Damit sind fast 15 000 ha frei geworden, die jetzt über Biogasanlagen verwertet werden. BBV-Geschäftsführer Rainer Weiß hat ausgerechnet, dass die Selbstversorgung bei Milch in Mittelfranken bei 90 % liegt.

Immer wenger Zuchtsauenhalter

Noch stärker ist die Abnahmerate in den Betrieben mit Schweinehaltung. 670 Landwirte mästen Schweine und noch 168 halten Zuchtsauen. Wenn es nicht doch noch zu einer praktikablen Lösung bei der Kastration männlicher Ferkel kommt, werde die Zuchtsauenhaltung weitgehend verschwinden. „Die Ferkel werden dann aus Holland, Dänemark und Polen importiert werden“, sagt Karlheinz Brand voraus.

Die Auflagen rund um die Tierhaltung bewirkten, dass inzwischen von den 3400 landwirtschaftlichen Betrieben im Landkreis rund 800 keine Tiere mehr halten.

Kein Verständnis haben die Mitglieder der Kreisvorstandschaft, dass in politischen Diskussionen immer wieder von Massentierhaltung und Monokulturen gesprochen werde. Im Durchschnitt seien die Feldstücke der Landwirte im Landkreis zwischen zwei und drei Hektar groß. Im Ackerbau gehe der Rapsanbau vor allem wegen Einschränkungen im Pflanzenschutz zurück und der wieder angestiegene Luzerneanbau reduziere sich wegen der Düngeverordnung, weil hier keine Gülle ausgebracht werden darf. Dies wirke vielfältigen Fruchtfolgen entgegen.

Insgesamt aber könnten die Bauern im Landkreis jedoch stolze Zahlen vorweisen, was die Teilnahme an Agrarumweltmaßnahmen angehe. Von der extensiven Grünlandnutzung bis zur Anlage von Erosionsschutzstreifen summierten sich die Gesamtflächen auf fast 100 000 ha.