Konferenz

Mit den Verbrauchern in Kontakt kommen

Traktor auf dem Feld
BLW
am Donnerstag, 25.02.2021 - 14:59

Der Jungunternehmertag des BBV Oberfranken widmete sich der Außenwirkung. Praktiker stellten interessante Projekte vor.

Landwirte sind aufgrund ihrer oftmals großen Hofstellen sowie ihrer Arbeit auf Feld und Flur im Fokus der Öffentlichkeit. Die Außenwirkung, die landwirtschaftliche Betriebe bei der Bevölkerung ausstrahlen, ist uneinheitlich. Nicht selten müssen sich Landwirte sogar mit kritischen Äußerungen in digitalen Medien und der Presse auseinandersetzen.

Oberfrankens BBV-Bezirkspräsident Hermann Greif sagt: „Je weniger Kontakt und Bezug die Verbraucher zu den Erzeugern unserer Lebensmittel haben, umso wichtiger ist es, dass wir Landwirte mit Verbrauchern in Kontakt treten und ihnen unsere Arbeit und unsere Themen näherbringen.“ Genau dies hat der BBV in Oberfranken in seinem diesjährigen Jungunternehmertag Ende Januar thematisiert.

Mit interessanten Referenten wurden die Themen Öffentlichkeitsarbeit in der Landwirtschaft und der Kontakt zu Verbrauchern sowie die eigene Außendarstellung erörtert. Nachdem zunächst Stefan Luther, Inhaber des Agrarmarketingbüros authentisch&GREEN aus Baiersdorf, viele Möglichkeiten des Marketings für Landwirte und Direktvermarkter dargestellt hat, kamen auch zwei Praktiker zu Wort.

Einen Lehrpfad konzipiert und umgesetzt

Mit Peter Schlund konnte ein Marktfruchtbaubetrieb und Lohnunternehmer aus Buttenheim als Referent gefunden werden, der „kontaktlos“ mit Verbrauchern in Kontakt gekommen ist. Gemeinsam mit einer Gruppe von Berufskollegen hat er im vergangenen Jahr, in der Anfangszeit der Coronapandemie einen Schilderlehrpfad durch die heimische Flur initiiert und umgesetzt. Die eigens dafür erstellten Infotafeln wurden in Form eines Rundweges an den entsprechenden Feldrändern platziert.

„Als Ackerbaubetrieb komme ich kaum in den echten Austausch mit Verbrauchern. Darüber hinaus wurde aufgrund Corona der Kontakt in der Gesellschaft insgesamt massiv eingeschränkt. Mit Hilfe der Infoschilder habe ich dennoch viele Spaziergänger jeglichen Alters erreichen können“, berichtete Schlund. „In den Mitteilungsblättern der umliegenden Gemeinden konnten wir die Aktion auch erfolgreich bewerben.“ Mit mehr als einem duzend Schilder entlang des zwei km langen Rundweges wurde Insiderwissen über Braugerste, Dinkel, Mais und Raps bis hin zu Quinoa, Lupinen und Sojabohnen vermittelt. Für Schlund haben sich die Arbeit und die Kosten seines „Weges der vielfältigen Ackerkulturen“ gelohnt. Die Resonanz zu dieser Aktion war enorm gut und die Schilder sollen auch im kommenden Jahr wieder einen Platz in der weiten Feldflur um Buttenheim finden.
Mit Martin Schubert aus Stegaurach kam ein weiterer Praktiker zu Wort, der am Ende seines Vortrags so manchen Teilnehmer in Staunen versetzt hat. Seine sprudelnde Kreativität schien unerschöpflich. Als er den konventionell geführten Nebenerwerbsbetrieb seines Vaters mit Pensionspferdehaltung im Jahr 2015 übernommen hat, glaubte keiner an den Einstieg in den Vollerwerb – außer Martin Schubert selbst. Mit viel Durchhaltevermögen, Ideenreichtum, Kreativität und Mut hat sich der Hof zum „Naturgarten Stegaurach“ entwickelt.

Enge Kooperation und spezielle Zertifikate

Am Rande der Ortschaft wird auf den Koppeln neben den Hanffeldern zwischenzeitlich nicht nur Reittherapie und Yoga sondern sogar eine Betreuung für Kinder mit und ohne Handicap angeboten. Ermöglicht wurden diese Vorhaben durch zahlreiche Akteure, die der Betriebsleiter in seinen Projekten eng mit eingebunden hat. Die Finanzierung sicherte sich Martin Schubert unter anderem durch die Ausgabe sogenannter Genussscheine. Durch den Kauf dieser Zertifikate erhält der Erwerber neben einer Verzinsung seines eingesetzten Kapitals auch ein kostenloses Angebot auf dem Biohof der Schuberts.
Alles in allem war das Halbtagesseminar für die oberfränkischen Jungunternehmer eine interessante Veranstaltung mit vielen kreativen Impulsen, wie man in der täglichen Arbeit und über das normale Gespräch hinaus in Kontakt mit Verbrauchern kommen kann. Flankiert wurde die Bewerbung der vorgestellten Projekte stets mit der Nutzung der digitalen Medien und der sozialen Netzwerke.
Deshalb bedeutete es für die medienaffinen Teilnehmer auch keine Einschränkung, dass das diesjährige Seminar in Form einer Online-Videokonferenz stattfand. Aufgrund des positiven Feedbacks wird es auch im kommenden Jahr ein oberfränkisches Jungunternehmerseminar mit interessanten Themen geben, teilten die Organisatoren mit.