Gartenbau und Pferdehaltung

Verantwortung für Pflanze und Tier

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Ramona Schneider
am Donnerstag, 21.01.2021 - 06:27

Familie Drechsler kombiniert gärtnerische Produktion mit Pferdehaltung. Inzwischen setzt sie ganz auf Gemüseanbau in Foliengewächshäusern und betreibt ihr Hobby, die Kaltbluthaltung, als zweites Standbein.

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Schritt für Schritt in Richtung noch mehr Nachhaltigkeit: Auf 1,5 ha rund um die Hofstelle baut Familie Drechsler in Nürnberg-Almoshof Gewächshausgemüse an. Weitere 1,5 ha Freilandfläche sind verpachtet. Im Winter sind die Häuser mit allen Arten von Salaten belegt, unter anderem mit Rucola, Feldsalat und Babyleaf-Salaten. Im Sommer dienen sie der Zucchini-, Tomaten-, Paprika-, Auberginen- und Bohnenproduktion.

Vor allem die Kalthausfläche bietet der Familie die Chance, mit ihrem Gemüse die zeitliche Angebotslücke zwischen den Warmhausprodukten und der Freilandproduktion der Kollegen zu füllen. Zucchini können zum Beispiel bereits im März im Kalthaus gepflanzt werden.

Nach einem mehrjährigen Anbau in Substraten ist die Familie wieder zum Anbau im Boden zurückgekehrt. Das könnte ein Schritt Richtung Bio-Produktion sein, mit dem Melanie und Thomas Drechsler bereits liebäugeln. Dazu passt auch, dass statt Mulchfolie meist Stroh verwendet wird. Es vermeidet den Kunststoffeinsatz und fördert zudem Bodenstruktur und Bodenleben. Ein 6000 m²-Flächentausch hatte es 2018 möglich gemacht, die Folien- und Gewächshausfläche um sechs weitere Folienhäuser (je 500 m²) zu erhöhen. Beheizbar, mit Erdgas, sind insgesamt 1,2 ha.

Eine Investition steht an

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Im Salatanbau möchte Thomas Drechsler demnächst testen, ob weiße Mulchfolie durch ihre Lichtreflektion zu höherem Ertrag führt. Ein größeres Lichtangebot könnte auch die Wirkung der Turbulatoren verstärken, mit denen alle heizbaren Häuser inzwischen ausgestattet sind. Die Geräte wirbeln warme Luft und CO² nach unten, fördern so die Assimilation, helfen Heizkosten sparen und ermöglichen den Anbau trockener zu halten und damit den Ausfall zu verringern.

Am besten wäre es, wenn die dafür notwendige Energie aus einer Solaranlage zur Eigenstromgewinnung käme. Familie Drechsler wird diese Investition demnächst angehen. Ein weiterer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und CO²-neutraler Produktion. Auch beim chemischen Pflanzenschutz versucht Thomas Drechsler zu reduzieren, wo es nur geht. Um möglichst wenig zu riskieren, testet er in einem separaten Gewächshaus andere Bekämpfungsmöglichkeiten aus, auch den Einsatz von organischen Düngern, wie von Hornspänen.

Geerntet wird bei Drechslers von Hand, gewaschen und kommissioniert in einer Aufbereitungshalle. Sie wurde 2019 so erweitert, dass sie Lieferfahrzeuge zum Beladen bequem hinein und durchfahren können. Einen 60 m²-Kühlraum gibt es auch. Verpackt wird ausschließlich in wiederverwendbare Knoblauchsländer Kunststoffsteigen und -kisten. Die Drechslersche Produktion fährt das Betriebsleiterehepaar täglich zum Nürnberger Großmarkt (50 %), zu Großhändlern (45 %) oder zur Franken-Gemüse Knoblauchsland e. G. (5 %).

Ausgleich in der Pferdehaltung

Den Ausgleich zu ihrem Gemüsebaualltag finden Melanie und Thomas Drechsler, wie schon Generationen vor ihnen, in der Pferdehaltung. Zwölf Kaltblüter (Noriker, Süddeutsches und Polnisches Kaltblut) gehören zurzeit zum Betrieb und sind längst zu seinem zweiten Standbein geworden. Mit Kutschfahrten und Teilnahme an Festumzügen sollten eigentlich nur die Kosten für Futter, Hufschmied, Tierarzt und eine Hilfskraft hereinkommen. Inzwischen hat das Betriebsleiterpaar sein Angebot mit Elan und Begeisterung erweitert: Buchbar sind zum Beispiel Planwagenfahrten, mit anschließendem Kuchen- oder Brotzeitbuffet im 2020 erbauten Kutscherstüberl. Für den Sommer steht auch ein Ofen für Flammkuchen oder Pizza bereit. Interessierten Gästen zeigen Drechslers zusätzlich gerne ihren Betrieb. Sie nutzen die Gelegenheit, den manchmal etwas naturfernen Großstädtern Einblick in die Höhen und Tiefen des Gemüsebaus zu geben.

Die Familie achtet darauf, dass jedes Pferd seine bevorzugte Futtermischung aus Heu, Grascops und Mash bekommt. Nach erfolgreichen Tests setzen sie auch regelmäßig „effektive Mikroorganismen“ (EM) ein: Zweimal pro Woche als Futterzusatz und einmal pro Woche zur Stalldesinfektion. Auch mit dem Rat der Tierärztin, bei Kreislaufproblemen und zur Wundbehandlung Globuli einzusetzen, haben sie gute Erfahrungen gemacht. Klar, dass Thomas Drechsler in seinem Versuchsgewächshaus auch mit EM bei Gemüse experimentiert. Die behandelten Tomaten zeigten sich kräftiger und widerstandsfähiger als die unbehandelten.
Ungefähr ein bis eineinhalb Jahre dauert es, bis sich die zugekauften Pferde zuverlässig für Kutschfahrten eignen. Sie müssen sich an Straßenbahnen, Lkw, aber auch an Fluglärm und Rettungshubschrauber gewöhnen. Denn nicht weit hinter dem 2005 erneuerten Pferdeboxenstall ragt bereits der Tower des Nürnberger Flughafens auf.

Ein zweites Standbein

Seit 2017 darf sich der Hof „tierschutzgeprüfter Pferdehof“ nennen, seit 2020 besitzen Melanie und Thomas Drechsler den Mehrspännerführerschein. Alles könnte also mit der Kaltblüterhaltung als zweitem Betriebsstandbein bestens laufen, wären da nicht die Coronabeschränkungen. Im Jahr 2020 konnten kaum Kutschfahrten stattfinden. Das bringt nicht nur finanzielle Einbußen, sondern auch Organisationsprobleme. Schließlich müssen die Tiere bewegt werden und die Zeit dazu will in den täglichen Betriebsablauf integriert sein. Nichtsdestotrotz gelingt es Melanie und Thomas Drechsler, dass alles rund läuft. Unterstützung haben sie durch zwei 450 €-Kräfte und cirka zehn Saisonkräften im Sommer.
Die beiden Töchter, Hanna (9) und Nina (7), erledigen schon begeistert kleinere Aufgaben in der Pferdehaltung. Die Eltern dazu: „Die Mädchen lernen dabei, Verantwortung zu übernehmen. In der Landwirtschaft arbeitet man mit Lebewesen. Für sie Verantwortung zu übernehmen macht doch Landwirtschaft erst aus.