Solarenergie

Umstrittener Solarpark

PV-Gössersdorf(shf)_LF
Stephan Herbert Fuchs
am Donnerstag, 28.05.2020 - 08:48

Kronacher Landwirte befürchten Verlust wertvoller Ackerflächen durch Solarpark-Vorhaben. Der Betreiber widerspricht: „Viele Chancen für den ländlichen Raum.“

PV-Gössersdorf(shf)_LF

Die Landwirte rund um den kleinen Ort Gössersdorf bei Weißenbrunn im Landkreis Kronach sind sauer. Weil das Energieunternehmen Münch Energie aus dem benachbarten Ort Rugendorf (Landkreis Kulmbach) immer mehr Flächen pachten möchte, um dort Solarparks zu installieren, befürchten sie den Verlust wertvoller Ackerfläche. Klarer Widerspruch kommt von Mario Münch, geschäftsführender Inhaber von Münch Energie und selbst Sohn eines Landwirts. Seinen Worten zufolge gibt es genug Potenzial für eine Win-win-Situation.

Die Pachtpreise steigen bis zum Zehnfachen

„Jede Photovoltaikanlage auf der Grünen Wiese ist der Tod für den praktizierenden Landwirt“, sagt Dittmar Alex, Land- und Gastwirt aus Gössersdorf. Was die Bauern vor allem antreibt: das Energieunternehmen treibt die Pachtpreise ihrer Meinung nach in schwindelnde Höhen. Ralf Sachs, der in Gössersdorf zusammen mit seinem Nachbarn Dieter Hofmann als GbR einen Milchviehbetrieb und eine Biogasanlage betreibt, spricht von Pachtpreisen, die bis zum Zehnfachen in die Höhe schießen. Bei solchen Preisen könnten die Bauern einfach nicht mithalten.
An die 17 ha Fläche seien bereits für die Photovoltaikanlagen genehmigt, weitere 20 seien dafür geplant, und das allein auf Gössersdorfer Flur. Zwischen Grafendobrach im Landkreis Kulmbach und Fischbach bei Kronach sollen es sogar rund 130 ha sein, die für den Bau der Photovoltaikanlagen geplant sind, nicht nur durch das Unternehmen Münch Energie, sondern auch durch den Ökostromanbieter Naturstrom, der Flächen für geplante Windkraftanlagen beanspruchen soll. Darüber hinaus sei auch ein über 40 ha großes Gewerbegebiet zwischen Gössersdorf und Rugendorf in Planung, das mit dem Strom aus den Solarparks versorgt werden soll.

Ackerfläche für immer verloren

„Für die Landwirte vor Ort wäre die wertvolle Ackerfläche dann für immer verloren“, sagt Sachs, der zusammen mit Hofmann in den zurückliegenden Jahren gewaltig investiert hat. Für ihre 70 Kühe im modernen Freilaufstall sind sie dringend auf das Grünfutter angewiesen. Ausgleichsflächen gibt es laut Sachs nicht. Warum werden die Photovoltaikanlagen nicht woanders realisiert, auf schwer zu bewirtschaftenden Steilhängen beispielsweise? „Wir sind ja prinzipiell nicht gegen Photovoltaik, aber nicht auf wertvollen Äckern, sondern auf Dächern, an Böschungen oder entlang der Autobahn“, so Alex.

Für Burkhard Hartmann, Kreisvorsitzender der BBV-Arbeitsgemeinschaft Jagdgenossenschaften, sind auch die Photovoltaikanlagen Flächenfraß. Zwar würden die Böden nicht versiegelt, doch sie fallen dauerhaft aus der landwirtschaftlichen Produktion. Und nicht zuletzt sieht Alex auch einen großen Einschnitt in das Tourismuspotenzial, schließlich führe der Frankenwaldsteig direkt an den geplanten Photovoltaikflächen vorbei.

Betreiber sieht Chancen

Mario Münch sieht die Sache ganz anders. „Unser aktuelles Projekt birgt wahnsinnig viele Chancen für den ländlichen Raum“, sagt er. Anders als in anderen Regionen Deutschlands habe man in Gössersdorf die Besonderheit, dass für alle Interessengruppen ausreichend Flächen zur Verfügung stehen. Denn tatsächlich handele es sich im ersten Schritt in Gössersdorf nur um 15 ha, wovon zehn Hektar familieneigene Flächen und fünf Hektar Flächen eines bald in Rente gehenden Landwirtes sind. In vier bis sechs Jahren sollen weitere zehn Hektar von Münch bewirtschaftete Flächen folgen, sowie 7,8 ha, bei denen schon Ausgleichsflächen für die Biogasbetreiber verbindlich zugesagt worden seien. „In beiden Schritten entfallen faktisch und nachweislich keine Flächen für die darauf angewiesenen Landwirte“, sagt Münch.

Zudem bekräftigte er nochmals seine bereits getroffene Zusage, gemeinsam mit den Biogasanlagenbetreibern weitere 50 ha für ihre Biogasanlage in Einzelgesprächen mit den im Dorf noch existierenden Flächen von Rentnern oder Nebenerwerbslandwirten zu akquirieren. „Auch das Angebot bezüglich der Zukunftsperspektive der bestehenden Biogasanlage wollen wir nochmals aussprechen.“ Mit dem direkten Anschluss der Biogasanlage an das geplante Gewerbegebiet und der direkten Versorgung von industriellen Abnehmern mit Wärme, Regelstrom oder Biogas könne die Biogasanlage nach dem Ende der staatlichen Förderung mit weniger Flächenverbrauch und Arbeitseinsatz deutlich wirtschaftlicher betrieben werden.

Ökologisch nachhaltigen Energiepark versprochen

Beim angesprochenen Gewerbegebiet handelt es sich Münch zufolge um einen ökologisch nachhaltigen Energiepark. Das erhöhe die Wertschöpfung für eine Ortschaft wie Gössersdorf ungemein und habe zudem vielfältige positive Auswirkungen auf die Arbeitsplätze und den Wohlstand der Region insgesamt.

„Aktuell stehen wir aufgrund des Klimawandels und des extrem trockenen Frühjahres an einem wesentlichen Punkt der Agrarwende“, sagt Münch. Veränderungen seien unumgänglich. Münch: „Wir Landwirtsfamilien sind für unsere Anpassungsfähigkeit bekannt.“