Proteste

Umstrittene Standorte für ICE-Werk

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Heinz Wraneschitz
am Montag, 05.07.2021 - 16:19

Bürger wehren sich gegen Bahnpläne in den Landkreisen Fürth und Ansbach. Es sind landwirtschaftliche Flächen im Visier.

Raitersaich Neun potenzielle Standorte für ein neues ICE-Werk in der Region Nürnberg nimmt die Bahn AG momentan genauer unter die Lupe. 450 Arbeitsplätze verspricht der Konzern – dafür werden aber riesige Flächen benötigt, darunter viele Felder, Wiesen, Wälder. In Online-„Bürgerdialogen“ will die Bahn ihre Pläne mit den jeweils räumlich Betroffenen besprechen.

Denn Proteste gibt es nicht nur in Nürnberg-Fischbach und Altenfurt: Diesen Standort hatte die DB zuerst genannt. Widerstand mobilisiert sich auch am flachen Land. Ob deshalb der Dialog mit den Bürgern rund um Roßtal-Raitersaich als erster stattfand?

Konfliktmanagement beantwortet Fragen

Das Interesse jedenfalls war riesig: 220 Teilnehmende wurden angezeigt; einer davon war der Raitersaicher Anwohner Kurt Kröner. Der zeigte sich hinterher „aufgewühlt“. Denn die Bahn hatte zwar verkündet, dass Fragen gestellt werden können – allerdings sei das laut Kröner nur per Chat, und auf 200 Zeichen pro Frage begrenzt, möglich gewesen.

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Nach der DB-Präsentation „gingen rund 220 konkrete Fragen ein, von denen rund die Hälfte während der Veranstaltung thematisch bzw. inhaltlich beantwortet wurden“, erklärt ein DB-Sprecher auf Nachfrage des Wochenblattes. Bei Kröner hört sich das anders an: „Der Moderator von einer Konflikt- und Prozessmanagement-Firma ließ nur ausgewählte Fragen zu.“ Nicht alle Antworten seien befriedigend gewesen.

Klar ist laut Kurt Kröner geworden: Die Zulieferung von Teilen solle per Lkw erfolgen, nicht per Schiene. Oder: Es könne zu Enteignung kommen, wenn die Grundstückseigner nicht verkaufen wollten. Für das wohl größte Hindernis auf dem laut Bahn 3200 Meter langen und 450 Meter breiten Gelände habe die Bahn eine Lösung präsentiert: „Die Bundesstraße B14 würde untertunnelt.“ Unklar seien aber beispielsweise Wasser- und Abwassermengen geblieben. Hier verspricht der DB-Sprecher jedoch, dass die übrigen Fragen in den nächsten Wochen auf der Projektwebseite beantwortet werden.

Eine Lösung hatten auch die Grünen Abgeordneten Barbara Fuchs und Uwe Kekeritz nicht dabei: Die Landtagsabgeordnete aus Fürth und der Bundestagsabgeordnete aus Uffenheim sahen sich am Freitag die weite Fläche aus der Nähe an, die von der Bahn zwischen Raitersaich und Buchschwabach ins Planungsauge gefasst wurde. Mittendrin: das gut gewachsene Magdalenenwäldchen.

Neun mögliche Standorte im Blick

Ohne einen einzelnen der neun genannten ICE-Standorte im Blick zu haben, sagt MdL Barbara Fuchs: „Es ist immer ein ganz großer Eingriff in die Natur.“ Doch es scheint, als könne sie sich ein ICE-Werk am ehesten auf dem ehemaligen Munitionslager-Gelände bei Feucht vorstellen. Aber „dass jetzt die Gesellschaft den Konflikt austragen muss, ein Standort gegen den anderen, hat ihre Wurzeln in der Privatisierung der Bahn“, erklärt sie. Denn damit die DB zur AG werden konnte, habe sie sehr viele Grundstücke teuer verkauft, „es wurde einfach nicht langfristig geplant“. Ohnehin sind aus der Sicht von Fuchs Infrastrukturen wie Wasser, Stromleitungen oder eben die Bahn „Daseinsvorsorge und gehören in die öffentliche Hand“.
Die Grünen seien aber keine Totalverweigerer der notwendigen Verkehrswende, ergänzt Stadtrat Kamran Salimi: Die Mitglieder seiner Partei im Fürther Stadtrat wären – anders als SPD-OB Thomas Jung – sehr wohl für einen ICE-Werk-Standort in Burgfarrnbach offen gewesen, erklärt der Fraktionsvorsitzende: „Dort ist ja schon viel Industrie.“
MdB Kekeritz wiederum sieht grundlegende Fehler bei der DB-Planung: „Warum braucht man eigentlich eine Wendeschleife? Der ICE kann in zwei Richtungen fahren. Wahrscheinlich hat die Bahn null Bock, eine neue Planung zu bezahlen, weil das Design der Schleifenlösung schon finanziert wurde.“
Grundsätzlich sei die Interessengemeinschaft „Nicht schon wieder Raitersaich“ gesprächsbereit, stellt Alexandra Költsch von der IG klar, „aber Raitersaich ist an der Belastungsgrenze“. Damit meint sie die laufenden Planungen zur Juraleitung und das zugehörige neue Umspannwerk. Dabei denken die Raitersaicher beim Protest gegen das ICE-Werk nicht nur an ihren eigenen Ortsteil. Auf den Plakaten erklären sie ihr „Nein“ zu den von der DB ebenfalls ins Auge gefassten Flächen in Müncherlbach und Heilsbronn im Nachbarlandkreis Ansbach.