Direktvermarktung

Umsatz hat sich verdoppelt

Biohof-Karg-Kronungen_LF
Silvia Eidel
am Donnerstag, 14.01.2021 - 08:24

Auf dem Biohof von Benedikt Karg spielen Direktvermarktung und Dienstleistungen die größte Rolle.

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Der Walnussbaum im Hof von Benedikt Karg in Kronungen im Landkreis Schweinfurt hat es ins neue Logo seines Naturland-Betriebs geschafft. Als Schatten- und Nüssespender ist er unschlagbar, als Hingucker auch, wenn die Kunden Kargs Hofladen besuchen. Der 31-jährige Biolandwirt hat den Hofladen sukzessive zum Haupterwerbszweig seines Betriebes ausgebaut, indem er die Bioprodukte seiner Berufskollegen mit anbietet. Durch Corona hat sich sein Umsatz noch einmal verdoppelt.

Einen Hofladen hatte sein Vater Klaus schon 1997 eröffnet, aber nur so nebenbei. Klaus Karg war 1990 einer der Ökopioniere im Landkreis Schweinfurt gewesen und hatte den 1934 ausgesiedelten Betrieb seiner Eltern auf biologischen Anbau umgestellt. Weil ihn das damalige Jahresthema der Katholischen Landjugend „Die Schöpfung bewahren“ umgetrieben habe, erinnert sich der heute 72-Jährige. Seitdem bewirtschaftete er den 20-Hektar-Betrieb ökologisch. „Das war anfangs hart, auch finanziell“.

Geringer Milchpreis führte zur Aufgabe

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Weizen, Roggen, Dinkel oder auch Öllein baute er an. Deren Vermarktung war damals erst gesichert, als die Naturland-Marktgesellschaft gegründet wurde. Mit seinen Milchkühen erzeugte der Senior 17 Jahre lang Biomilch – „dafür gab es aber keinen Zuschlag“. Bis der Milchpreis so gering wurde, dass er die Kuhhaltung 2007 aufgab.

Dass sein Sohn Benedikt den Hof ab 2013 in Pacht und ab 2015 im Eigentum so erfolgreich übernehmen würde, zeichnete sich anfangs noch nicht ab. Denn der technikaffine Junior hatte zunächst Maschinenbau studiert; gedacht war, den Hof im Nebenerwerb weiterzuführen. Doch dem jungen Mann war das Studium zu praxisfern. Er entschied sich, in Witzenhausen ökologische Landwirtschaft zu studieren.

Leidenschaft gehört dem Hofladen

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Der heute 31-Jährige sagt: „Mir war von vorneherein klar, das zu machen, wozu ich Lust habe. Ich war immer der, der am Hof aktiv war.“ Für ihn lag daher nahe, stärker in die Direktvermarktung zu gehen.

Mittlerweile bewirtschaftet Benedikt Karg 55 Hektar, mit Weizen, Roggen, Dinkel, Hirse, Hafer, Sonnenblumen, Ackerbohnen, Sojabohnen, Kartoffeln oder Zwiebeln. Er probiert immer mal etwas Neues aus. „Ich halte aber den Ackerbau relativ gering, ohne großen Aufwand.“

Denn seine Leidenschaft gehört dem Hofladen. „Das liegt mir, den Kunden zu erklären und sie aufzuklären.“ Weil Benedikt Karg aktiv in der Ökomodellregion Oberes Werntal mitarbeitet, weil er viele seiner Berufskollegen gut kennt, bietet er von 15 anderen Ökolandwirten deren Produkte mit an. Das Angebot in seinem Hofladen ist daher das wohl vielfältigste in der Region.

Jeder hat so seine Nische

„Jeder hat sich ja irgendwie spezialisiert“, von Gemüse über Tellerlinsen und Emmerreis bis zu Ziegenkäse oder Straußenfleisch. Karg selbst hält 200 Legehennen rund um sein Hühnermobil auf einem Acker am Ortsrand von Kronungen. Die Eier und auch die Suppenhühner sind begehrt.

Als Dienstleister beliefert er zudem die Frischeküche des Waldorf-Kindergartens in Schweinfurt und seit September auch des Kindergartens im benachbarten Oberwerrn mit eigenen und zugekauften Bioprodukten. „Ich kann die Synergie nutzen, für den Einkauf für meinen Hofladen“, meint er zu den durchaus zeitaufwändigen Touren mit dem Transporter.

Betriebsinhaber berät persönlich

Die Kunden, die aus einem Umkreis von 20 Kilometern kommen, können in seinem Hofladen konzentriert regionales Bio einkaufen. Hier gibt es aber keine Selbstbedienung, sondern der Betriebsinhaber persönlich berät die Kunden. „Sie schätzen das“, meint er, und es steigert den Umsatz.

Natürlich seien die Öffnungszeiten nachteilig, aber für ihn bedeute Ladenzeit so „wie früher die Melkzeit“: „Da ist man einfach da, weil dieser Betriebszweig so wichtig ist.“ So bedeutend, dass er wohl bald als gewerblicher Betrieb aus dem landwirtschaftlichen Betrieb ausgegliedert werden muss, weiß Karg.

Marketing ist ganz wichtig

Ganz wichtig ist das Marketing, sagt der Junglandwirt. Die Homepage, die er professionell erledigen lässt, muss immer aktuell sein, muss immer auf Angebote oder Neues verweisen. Mit Flyer und Werbebanner, mit Hoffest – in Nicht-Coronazeiten – oder mit Werbung auf Fußballplakaten: „Man muss ausprobieren, welche Kundengruppen man ansprechen will.“ Gefragt sei auch immer ein Gesicht zum Betrieb. Sein Marketing-Budget liege aber noch weit unter dem, was normalerweise angesetzt werde, sagt Karg.

Seit der Hofübernahme hat sein Hofladen jedes Jahr 80 bis 100 Prozent Umsatz zugelegt. In diesem Coronajahr verdoppelte er sich noch einmal. „Das Einkaufsgefühl ist hier ein sicheres, es darf immer nur eine Person in den Laden“, meint der Landwirt. Zudem hätten regionale Produkte einen ganz anderen Stellenwert erhalten. Das Essverhalten habe sich geändert, es werde viel mehr zuhause gekocht, mit hochwertigen Produkten.
Den Hofladen will Benedikt Karg noch vergrößern, und er will auch selbst verarbeitete Produkte anbieten, wofür er eigens einen Verarbeitungsraum gebaut hat. Ein großer Backofen steht ebenfalls schon da, für neue Ideen. Die gehen dem jungen Landwirt noch lange nicht aus.