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Vom Umgang mit Wasser

Trinkwasser
Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Freitag, 02.07.2021 - 06:55

Die Grundwasserneubildung lässt seit vielen Jahren zu wünschen übrig. Beim 15. Wasserforum Unterfranken ging es auch um den Temperaturanstieg.

Unterfranken ist ein „Hotspot“ des Klimawandels. Die Zunahme der Wetterextreme wird mehr und mehr zu einer Herausforderung für Kommunen, Wasserversorger, Landwirtschaft und Waldbesitzer. Unter dem Titel „Trockenes Unterfranken – Ansätze für einen zukunftsfähigen Umgang mit Wasser“ standen beim diesjährigen 15. Wasserforum Unterfranken der „Aktion Grundwasserschutz“ daher drängende Fragen nach dem Umgang mit der immer knapper werdenden Ressource Wasser im Mittelpunkt. Coronabedingt fand das 15. Wasserforum Unterfranken in diesem Jahr ausschließlich digital statt.

„Die Grundwasserneubildung lässt seit vielen Jahren zu wünschen übrig“, sagte Regierungspräsident Dr. Eugen Ehmann bereits in seiner Begrüßung. Seit 1971 liege sie um ein Fünftel unter den bis dahin üblichen Werten. „Ein einzelnes feuchtes Frühjahr ändert daran nichts.“ Auch beim Temperaturanstieg liege Unterfranken an der Spitze Bayerns.

Thorsten

Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber richtete eine Videobotschaft an die Veranstaltungsteilnehmer. „Wasser ist Leben und unsere wichtigste Zukunftsressource“, sagte er. Doch Franken habe teilweise mit 400 bis 450 mm Jahresniederschlag eine „Niederschlagssituation wie in Jordanien“. Deshalb laute die Devise „Wasser schützen und schätzen“. Notwendig seien Rezepte für die Zukunft, um möglichst viele Niederschläge in der Fläche zurückzuhalten wie in Schwämmen: Böden entsiegeln, Auen regenerieren und Wälder erhalten. Deutliche Worte fand Glauber auch zum Wasserverbrauch: „130 bis 150 Liter pro Kopf und Tag sind viel zu viel.“ Es sei notwendig, Wasser zu speichern und zu sparen.

Danach leitete Bertram Eidel von der Regierung von Unterfranken über zum „Faktencheck zur Grundwassersituation in Unterfranken“, den Dr. Jörg Neumann gab, Referatsleiter am Bayerischen Landesamt für Umwelt. Der Diplomgeologe hatte 2015 schon einmal zum Thema referiert. „Seither ist viel passiert.“ Das Trockenrekordjahr, das damals in allen Medien präsent war, sei kein singuläres Ereignis geblieben. „Das Thema Trockenheit werden wir so schnell nicht wieder los“, sagte Dr. Neumann. Er erklärte, dass Sommerniederschläge überwiegend verdunsten oder als Starkregen den Direktabfluss erhöhen. Selbst im relativ feuchten Winter 2020/21 würden rund 30 l Niederschläge fehlen. Er zeigte mit dem Trockenheitsindex den Trockenstress und die fehlende Grundwasserneubildung. „Ein kleines Defizit bei den Niederschlägen führt zu einem großen Defizit bei der Grundwasserneubildung“, erklärte er. Seit 2003 würden rund 350 l/m² Grundwasserneubildung fehlen, wie er am Beispiel der Metzenbachquelle im Spessart zeigte.

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„Das Grundwasser hat ein langes Gedächtnis und heuer werden wieder Extremwerte dazukommen“, sagte er. Sein Fazit: Grundwasser reagiert extremst empfindlich auf kleine Änderungen des Niederschlagsgeschehens. Seit 2015 gebe es zahlreiche neue Niedrigstwerte an den Messstellen. Die Entwicklung der letzten Jahre setze sich fort. Und es gebe zunehmende Nutzungskonflikte, so dass Strategien notwendig werden.

In der anschließenden Diskussion meldeten sich Vertreter des Bund Naturschutz zu Wort, die forderten, die Genehmigungspraxis bei Wasserentnahmen zu ändern. Dazu sagte Axel Bauer von der Regierung von Unterfranken, dass die Wasserwirtschaftsämter bereits sehr sensibilisiert seien und vom Orientierungswert fallweise abweichen würden.

„Unterfrankens Wälder im Klimawandel“ war anschließend das Thema von Oliver Kröner, Leiter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Bad Neustadt. „Wir befinden uns längst in der Klimakrise“, sagte er. Seit 2018 sei „Schicht im Schacht“. Baumpflanzungen seien reihenweise abgesagt worden, weil es keinen Sinn mache, Pflanzen in knochentrockenen Boden zu setzen.

Fichte ist größtes Sorgenkind

„Die Fichte ist unser größtes Sorgenkind“, sagte Kröner. Doch seit 2015 zeigten sich in Mittelfranken auch Schäden an der Kiefer. Die Rotbuche sei besonders auf südexponierten Hängen ein Problemkind. Der Schwammspinner nage an der Hoffnungsträgerin Eiche. Hinzukämen die Rußrindenkrankheit am Ahorn und das Eschentriebsterben. Trotzdem sagte Kröner: „Wir haben Zuversicht, unsere Wälder anpassen zu können.“ Er nannte die Leitlinien, die auch unter www.waldbesitzer-portal.bayern.de zu finden sind, darunter die Stärkung seltener heimischer Baumarten wie Elsbeere, Speierling oder Flatterulme. Alternative Herkünfte heimischer Baumarten aus anderen Regionen Europas, wie dem Karpatenbogen, würden ebenfalls erforscht.

Dann nannte Kröner vier Kategorien eingeführter Baumarten, darunter Douglasie, Robinie und Roteiche in Kategorie 1, Atlaszeder, Libanonzeder, Baumhasel in Kat. 2, mit bedingter Anbaueignung Riesenmammutbaum, Silberlinde oder Tulpenbaum in Kat. 3. Keine Anbaueignung hätten kanadische Hemlocktanne oder Blauglockenbaum in Kat. 4, denn sie erfrieren im Winter.
„Das Wichtigste ist, dass wir unsere Waldböden schützen“, sagte Kröner. Bodenverdichtung durch Befahren müsse vermieden werden. Dennoch seien im Wald Rückegassen zur Feinerschließung notwendig. Auch Forstwege seien als „Tür in den Wald“ nötig. Zum Wasserrückhalt trügen künstliche Kleingewässer bei. „Totholz ist Leben und Wasserspeicher“, sagte er auch. Wegen des starken Bewirtschaftungsdrucks forderte anschließend ein Diskussionsteilnehmer einen Wasserpfennig. Kröner betonte jedoch auch, „man sollte sich nicht der Illusion hingeben, unbewirtschaftete Wälder hätten eine höhere Klimatoleranz als bewirtschaftete“. Anschließend wurde im Chat über zu hohe Holzentnahmen im Spessart und „viel zu unsensible Forstbetriebe“ gestritten.
Dr.-Ing. Nadine Scheyer ist Betriebsleiterin der Stadtentwässerung Schweinfurt. Ihr Thema war „Nutzwasser für die urbane Bewässerung“. Weil Niederschläge, Grundwasservorkommen und Oberflächengewässer in Unterfranken begrenzt seien, kämen Fernwasserüberleitungen, Speicherung von Niederschlägen oder weiteraufbereitetes Abwasser von Kommunen und Industrie in Frage. Nutzungskonflikte bestünden zwischen dem zunehmenden Wasserbedarf landwirtschaftlicher Bewässerung, dem steigenden Bedarf urbaner Bewässerung, öffentlichem Trinkwasserbedarf, dem gewerblichen Kühlwasserbedarf und der Sicherung ökologischer Mindestabflusswässer.

Den Begriff Nutzwasser definierte Scheyer so: gereinigtes Abwasser sowie gesammeltes Abwasser von Dächern und befestigten Plätzen, die so aufbereitet werden, dass damit Felder, Weinberge aber auch Sportplätze und städtische Grünanlagen bewässert werden können. Ziel sei es, Wasser lokal mehrfach zu nutzen. Dabei bestünden noch viele Fragen und Risiken, zum Beispiel: „Kann der Gewässer- und Bodenschutz gewährleistet werden?“ Noch fehle in Deutschland der rechtliche Rahmen für die Wasserwiederverwertung.

Eine Pilotanlage wird entstehen

Anforderungen an Aufbereitung und Strategien dafür stellten vor allem Pathogene, Mikropartikel, Spurenstoffe, Stickstoff und Salze. „Technisch ist da vieles zu machen“, kommentierte Scheyer. Im Hinblick auf die Landesgartenschau 2026 werde in Schweinfurt-Oberndorf bei der Kläranlage eine Pilotanlage zur Aufbereitung mit Gewächshaus und Freilandanbau entstehen.

„Wasser ist sehr kostbar. Auf der Fränkischen Trockenplatte zählt jeder Tropfen“, sagte sie und appellierte: „Nutz(t) Wasser sinnvoll.“
Alexander Bauer, für den Landkreis Miltenberg am Wasserwirtschaftsamt Aschaffenburg zuständig, sprach über die Möglichkeiten einer wassersensiblen Siedlungsentwicklung. „Wasser in der Stadt als Chance nutzen“ lautete seine Devise. Er schilderte die Möglichkeiten einer „Schwammstadt“, die Wasser bei Niederschlagsereignissen speichern und in Trockenzeiten abgeben solle. Als Elemente zählte er wasserdurchlässige Beläge, Versickerungsmulden, Feuchtbiotope, unterirdische Zisternen, Bewässerung von Bäumen, Rückhalt von Starkregen, Fassadenbegrünung und Tiefbeete auf.

Kühlschrank in Zeiten des Klimawandels werden

Würzburgs zweiter Bürgermeister Martin Heilig stellte Umsetzungsbeispiele für ein klima-angepasstes Wassermanagement vor. „Wir sind in der Alarmstufe Rot“, sagte er. Dazu gehöre auch das Wassermanagement im Stadtwald. Kernziele seien: Wasser halten, Artenschutz, Lebensgemeinschaften fördern, Nährstoffrückhalt und Wasserhaushalt verbessern.

Als aktuelle Projekte stellte er Bachpatenschaften, den Gewässerbeirat, ein Starkregenrisikomanagement und die Gewässeraufwertung an Kürnach und Pleichach vor. Eine wassersensible Stadt könne ein Kühlschrank in Zeiten des Klimawandels werden, erklärte der zweite Bürgermeister den rund 250 Zuhörern, die an der Online-Veranstaltung teilgenommen haben.