Futtermangel

Trockenheit - Winterheu als Sommerfutter

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Lorenz Märtl
am Montag, 20.08.2018 - 15:34

Biobauer Lehner in Weihersberg muss für seine Mutterkuhherde die Futtervorräte angreifen.

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Die Situation ist dramatisch: Seit April lechzt die Natur auf der der Leinburg zugewandten Seite des Moritzberges im Nürnberger Land nach Regen. Der fehlende Futteraufwuchs verursacht bei immer mehr viehhaltenden Betrieben große Sorgen. „Das geht teilweise bis zur Existenz- und Zukunftsangst, weil viele, die keine Futtervorräte haben, nicht wissen, wie sie ihren Viehbestand über den Winter bringen sollen“, fasst Landwirtschaftsdirektor Werner Wolf vom AELF Roth-Hersbruck die aktuelle Situation zusammen.

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„Ein Landregen, der mindestens eine Woche andauert“, ist derzeit der sehnlichste Wunsch von Stefan Lehner vom gleichnamigen Biohof in Weihersberg im Nürnberger Land angesichts des spärlichen Niederschlags von rund 60 l/m2 seit April. Mitte der 1990er Jahre stellten seine Eltern Hans und Gertraud Lehner den Milchviehbetrieb auf Mutterkuh-Weidehaltung um, mit Direktvermarktung des selbst erzeugten Qualitätsrindfleisches.

Seit 1998 ist der Betrieb gemäß der EU-Ökoverordnung zertifiziert. Ein wichtiges Kriterium dafür ist, dass das Futter für die derzeit 110 Tiere – ein Bulle, 48 Mutterkühe und Nachzucht – nachhaltig auf den eigenen Flächen (42 ha Wiesen und Weiden, 10 ha Ackerland) rund um den Hof erzeugt wird.
Von April bis Oktober sind die Tiere auf der Weide, auf der sie im Normalfall ausreichend Futter finden. Doch durch die anhaltende Trockenheit sind die weitläufigen Weiden unterhalb von Weihersberg alles andere als grün und saftig. Sie sind ausgebrannt und braun. Weil davon die Herde nicht leben kann bleibt den Lehners nichts anderes übrig als das eigentlich für den Winter bestimmte Heu auf die Weide zu bringen – jeden Tag zwei Ballen.
Im Jahresdurchschnitt liegt der Bedarf an Heu mengenmäßig bei 450 Silage- und 200 Quaderballen. 40 % aus eigener Erzeugung fehlen heuer schon unwiederbringlich. Das Heu, das man heuer auf den eignen Wiesen geerntet hat reicht bei weitem nicht. Schon jetzt musste Stefan Lehner 100 Ballen zukaufen, aber Bio-Heu ist rar und teuer. Der Ballen kostet 40 € plus 10 € Fracht. „Ich brauche noch einmal mindestens 100 Ballen um über den Winter zu kommen, wobei die Frage ist ob ich die Menge auch bekomme“, rechnet Lehner vor. Die unausweichliche Konsequenz ist dann eine Reduzierung des Tierbestands. Aber daran mag der Landwirt noch gar nicht denken. Auch der Bedarf an Stroh für den Winter ist hoch, der Anfall auf dem eigenen Betrieb heuer fast nur ein Viertel des Üblichen. Im Tausch gegen Mist, der allerdings als wertvoller Dünger auf dem eigenen Betrieb dann fehlt, konnte man die Strohvorräte zumindest einigermaßen decken.
Der Zukauf von Heu und Stroh, der eigentlich der Grundphilosophie des geschlossenen Bio-Kreislaufs auf dem eigenen Betrieb widerspricht, sorgt zwar für eine Entlastung, insgesamt aber kann man die Folgeschäden noch gar nicht messen, „weil man sie nicht sieht.“ Zumindest offensichtlich ist die durch die anhaltende Trockenheit schwer geschädigte Grasnarbe der Sommerweiden. Genügend Platz für Lichtkeimer und andere Unkräuter, die aus einer saftigen, kräuterreichen Bio-Wiese schnell eine schlechte werden lassen, wenn man nicht aufpasst.
Für Stefan Lehner steht jetzt schon fest, dass man in erheblichem Umfang nachsäen muss. Und auf Vater Hans, der stolz auf seine tadellosen Weiden ist, wartet dann wieder eine Sisyphusarbeit: den Unkräutern per Hand den Garaus zu machen. „Das ist die einzige Möglichkeit ein weiteres Ausbreiten zu vermeiden“, erklärt er.

Die Erinnerungen gehen zurück in den Jahrhundertsommer 2003. Aber danach hat es wenigstens ausgiebig geregnet. Stefan Lehner: „Wenn der Regen weiter ausbleibt, dann haben wir im nächsten Jahr ein echtes Problem.“