Produktionsintegrierte Kompensation

Teures Saatgut lohnt sich

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Ludwiga Friedl
Ludwiga Friedl
am Donnerstag, 12.08.2021 - 09:21

PiK-Maßnahmen werden auf wechselnden Flächen angelegt, die als landwirtschaftliche Fläche erhalten bleiben. So kann die Biodiversität der Agrarlandschaft erhöht werden.

Rimpar/Lks. Würzburg Im Juli zeigten sie sich von ihrer schönsten Seite, die Blühstreifen mit dem etwas sperrigen Namen: produktionsintegrierte Kompensation (PiK). Dieser Begriff bedeutet, dass Eingriffe in Natur und Landschaft durch Ausgleichsmaßnahmen laut Bundesnaturschutzgesetz ausgeglichen werden müssen. Schon der Begriff „Ausgleichsflächen“ ist für viele Landwirte ein rotes Tuch, bedeutete es doch in der Vergangenheit, dass der Landwirtschaft weitere Flächen entzogen wurden – und das dauerhaft.

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Mit den PiK-Maßnahmen ist es anders: Sie werden auf wechselnden Flächen angelegt, die als landwirtschaftliche Fläche erhalten bleiben. So kann die Biodiversität der Agrarlandschaft erhöht werden und die Naturschutzmaßnahmen werden in die Betriebsabläufe integriert. „Landwirte, die es einmal ausprobiert haben, sind immer wieder mit Begeisterung dabei“, sagt Claudia Kriegebaum von der Bayerischen Naturlandstiftung.

Das ist auch der Fall bei Michael und Helmut Keidel, die in der Feldflur von Rimpar zwei PiK-Flächen angelegt haben. Für die Feldlerche und weitere Tierarten des Offenlandes haben sie die Felder streifenförmig mit Sommergerste, Luzerne und einer autochthonen Blühmischung angesät. „Autochthon“ bedeutet, dass gebietsspezifische heimische Wildblumen- und Gräserarten in der Mischung nach VWW verwendet wurden. Das Wildpflanzensaatgut des Verbandes deutscher Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten (VWW) ist zertifiziert. Rimpar liegt in der Region „südwestdeutsches Bergland“, die an das Fränkische Hügelland angrenzt. „Leider ist das gebietsspezifische Saatgut mit 900 € für die zehn Kilo pro Hektar ziemlich teuer“, sagt Michael Keidel, der es deshalb sorgsam auf das feinkrümelig bearbeitete Saatbeet ausgebracht hat.

Bis zu fünf Jahre können Färberkamille, Kornblumen, Steinklee und viele andere Pflanzen hier blühen und fruchten, so dass sie für die Feldlerche, Hase und Fasan Futter und Deckung bieten. Im Vergleich zu anderen Blühstreifen ist der mit den vielen verschiedenen ursprungsgebietsspezifischen Wildarten, der keine Kulturarten enthält, eher niedrigwüchsiger. Nötig wurde die PiK-Maßnahme, da eine neue Gasverdichterstation in Rimpar gebaut werden musste.

Die Firma OpenGrid, die die Gasverdichterstation baut, hat die Bayerische KulturLandStiftung dazu beauftragt, hier gemeinsam mit Landwirten Artenschutz für die Feldlerche auf landwirtschaftlichen Flächen durchzuführen. Innerhalb eines Radius können die Maßnahmen auf den Flächen rotieren, so dass keine landwirtschaftlichen Flächen verloren gehen und gleichzeitig die Feldlerche beste Bedingungen bekommt, um dort zu brüten. Vorsichtshalber wurden die Maßnahmen auch noch Feldhamster-freundlich angelegt, da in dieser Region auch noch der stark bedrohte Feldhamster zu finden ist. „Wichtig ist, dass sich die Maßnahmen auch für den Landwirt lohnen“, sagt Klaus Sanzenbacher von der OpenGrid.

„Mit dem Drei-Streifen-Modell (Luzerne, Getreide, Blühstreifen) können wir hier viele Dinge gleichzeitig abdecken: Den benötigten Artenschutz für die Feldlerche, eine Förderung für den Feldhamster, falls dieser sich hier ansiedeln möchte, viel Nahrungsangebot für Insekten, damit auch gleichzeitig für Vögel, wie Feldlerche, Rebhühner und Fasane“, erklärt Dr. Claudia Kriegebaum begeistert. Gleichzeitig können über diese Maßnahme Ökopunkte für den naturschutzrechtlichen Ausgleich geschaffen werden. 5 Jahre bleibt sie auf derselben Fläche, danach wird gewechselt. Damit bleibt der Ackerstatus dieser Fläche immer erhalten.