Milchviehhaltung

Strukturwandel erreicht Rinderzucht

Kälberversteigerung
Fritz Arnold
am Montag, 18.01.2021 - 16:05

Der Zuchtverband Franken stellt fest: Die Zahl der Herdbuchkühe sinkt erschreckend stark.

Wie viele Veranstaltungen konnte auch das „Dreikönigstreffen“ von Frankens Rinderzüchtern im Alten Reithaus in Triesdorf und anschließend in der Frankenhalle in Dettelbach nicht stattfinden. Deshalb kann die Verbandsspitze nur mit einem Rundschreiben an die Mitglieder Bilanz ziehen.

Auf niedrigem Niveau

Im Gegensatz zu den Horrormeldungen aus dem Schweinesektor hört sich der Umsatzrückgang auf knapp 17 Mio. € nach zuvor 17,1 Mio. € relativ glimpflich an. Allerdings hatten die Umsätze vorher jeweils um rund 25 Mio. € betragen, bevor es aufgrund der Vorschriften im Hinblick auf die Blauzungenkrankheit vor allem bei Kälbern zu einem Umsatzeinbruch kam. 2020 kamen nun Corona und Transporterschwernisse hinzu.

Wie Vorsitzender Lothar Ehehalt, Zuchtleiter Albrecht Strotz und Geschäftsführer Werner Hauck berichten, hat der Strukturwandel auch die Rinderzuchtbetriebe voll erreicht. In 114 Betrieben wurde die Milchviehhaltung aufgegeben. Als erschreckend wird der Rückgang der Herdbuchkühe um 3901 Tiere bezeichnet. Nach Einschätzung von Hauck seien dafür nicht nur wirtschaftliche Gründe verantwortlich: Drei Jahre mit Trockenheit und die neue Düngeverordnung zwingen einige Landwirte zum Bestandsabbau.

Viele kleinere Betriebe mussten aufgeben

Lothar Ehehalt stellt fest: „Dem Rückgang der Tiere bei ausscheidenden Betrieben stehen jetzt kaum mehr Aufstockungen bei bestehenden Betrieben gegenüber.“ Neben wirtschaftlichen und familiären Gründen spielen der gesellschaftliche Druck und die mangelnden Perspektiven aufgrund der politischen Lage eine Rolle. Vor allem kleinere Betriebe – oft mit Anbindehaltung und niedriger Milchleistung – geben auf.

Trotz negativer Rahmenbedingungen infolge von Betriebsaufgaben, der erschwerten Verbringung von Zuchttieren infolge des Blauzungenrestriktionsgebiets und der Coronafolgen am Rindfleischmarkt sowie des Ausfalls von jeweils zwei Großviehmärkten im Frühjahr in Ansbach und in Dettelbach war es laut Hauck möglich, den Umsatz fast zu halten.

Umfangreiches Bullenangebot

Mit über 500 angebotenen und 467 insgesamt verkauften Bullen (442 Fleckvieh, 22 Gelbvieh, 1 Holstein) im vergangenen Berichtsjahr, bietet der Rinderzuchtverband (RZV) Franken weiterhin mit großem Abstand den Besamungsstationen und Deckbullenhaltern das umfangreichste und interessanteste Angebot. Aus den 50 bis 60 Bullen pro Monat konnten insgesamt 37 Bullen (34 FV, 2 GV und 1 HF) an Besamungsstationen verkauft werden. Mit 1300 abgesetzten Jungkühen zeigte sich, dass die Jungkuhvermarktung für Verkäufer und Käufer interessant ist.

Vollservice mit der „Führerlosen Vermarktung“

Hauck berichtet, dass der Vollservice mit der „Führerlosen Vermarktung“ hervorragend angenommen werde. Es wurde ein Durchschnittspreis von 1624 € erzielt. Zufrieden zeigt sich der Geschäftsführer, dass der Export von Kalbinnen um 350 Tiere auf rund 1000 gesteigert werden konnte. Sie gingen vor allem in EU-Länder. Weiter gestiegen ist die Nachfrage nach Jungrindern. Mit rund 150 Tieren im Monat hat der Ansbacher Verband auch bayernweit das größte Angebot. Mit rund 25 000 Kälbern zeigte sich, dass hohe Auftrittszahlen einen sicheren Absatz zu guten Preisen garantieren. Das unterstreicht, dass das fränkische Bullenkalb bei den heimischen und norddeutschen Fressererzeugern und Bullenmästern einen guten Ruf hat.

Das genomische Zuchtprogramm hat weiter Fahrt aufgenommen

Das genomische Zuchtprogramm beim Fleckvieh hat weiter an Fahrt aufgenommen. Zu den 1700 männlichen Zuchtkälbern und den 1400 weiblichen Zuchttieren, die von den Züchtern genomisch untersucht wurden, kommen erstmalig rund 3000 Untersuchungen von den Projektbetrieben der Fleckvieh-Kuh-Lernstichprobe (FleQS) hinzu.

Damit seien gute Voraussetzungen für die züchterische Nutzung im Betrieb geschaffen und auch eine zuverlässige Auswahl von Spendertieren für den Embryotransfer gegeben. Durch die Kenntnis der Stärken und Schwächen der Tiere in den einzelnen Merkmalen werde eine gezielte Anpaarung und damit die Zucht ausgeglichener harmonischer Tiere deutlich erleichtert.

Erfolgreiche Züchter bekommen Urkunden

In der Zucht positiv geprüfter Besamungsbullen waren die fränkischen Züchter wieder sehr erfolgreich. Unter den 26 Prachtexemplaren waren Bullen der Familien Redinger (Custenlohr), Lang (Rudolzhofen), Bürger (Wiebelsheim), Bierlein (Fröschendorf), Lämmermann (Hiltmannsdorf), Schwemmer (Güntersbühl), Grünes (Wüstphül), Mayer (Unterampfrach), Fragner-Hussmann (Feuchtwangen), Unger (Traisdorf), Eder (Unterrottmannsdorf), Busch (Hechlingen), Föttinger (Wettelsheim), Katheder (Bubenheim) und Wagner (Kolbenhof) sowie von den unterfränkischen Züchterfamilien Dürr (Kaltensontheim), Wanner (Wässerndorf), Mauer (Füttersee), Reppert (Haidt), Baum (Maroldsweisach) und Johannes (Brendlorenzen).